Tschechische Patienten zahlen ambulante Palliativpflege selbst - Ministerium möchte das ändern

Foto: Archiv des Hospizzentrums „Cesta domů“

Menschen, die schwerstkrank sind oder im Sterben liegen, brauchen eine besondere Betreuung. Dies ist die sogenannte Palliativmedizin, die vor allem das Leiden lindern soll. Auch in Tschechien geschieht dies, in Krankenhäusern und Hospizen sowie durch ambulante Pflege. Doch die mobilen Angebote, bei denen die Menschen zu Hause betreut werden, sind bisher nicht von den Krankenkassen anerkannt. Nun will das Gesundheitsministerium dies ändern.

Marek Uhlíř (Foto: Archiv des Hospizzentrums „Cesta domů“)
Vor kurzem wurde eine Umfrage in Tschechien durchgeführt, dieser nach wollen 80 Prozent der Menschen hierzulande zu Hause sterben – und nicht in einer Klinik. Dass dies prinzipiell auch für unheilbar kranke Menschen möglich ist, daran haben ambulante Palliativpflegedienste ihren Anteil. Doch diese sind bisher nicht Teil des offiziellen Gesundheitssystems. Marek Uhlíř leitet das mobile Hospizzentrum „Cesta domů“ (Der Weg nach Hause) in Prag:

„In Tschechien bestehen etwa 30 Organisationen, die ambulante Palliativversorgung anbieten. Sie sind aber gemeinnützig, keine von ihnen hat mit einer Krankenkasse einen Vertrag. All diese Organisationen finanzieren sich durch Schenkungen, öffentliche Spendensammlungen und Subventionen.“

Cesta domů verlangt von den Patienten beispielsweise einen Kostenzuschuss von 200 Kronen pro Tag. Das sind umgerechnet zwar nur 7,40 Euro, aber angesichts der niedrigen Renten ist dies für viele alte Menschen eine hohe finanzielle Belastung.

Foto: Archiv des Hospizzentrums „Cesta domů“
Allerdings besteht in jedem der 14 tschechischen Kreise mit Ausnahme des Kreises Karlsbad ein Hospiz, und auch die Unikrankenhäuser haben in der Regel eine palliativmedizinische Abteilung. Doch diese Kapazitäten reichen bei Weitem nicht aus.

Zugleich haben selbst offiziell anerkannte mobile Dienste kein Standing bei den Krankenkassen. Jana Chalupská, Leiterin des ambulanten Hospizes Jordán im südböhmischen Tábor:

„Seit wir vor vier Jahren entstanden sind, versuchen wir bereits, mit einer Krankenkasse einen Vertrag abzuschließen. Obwohl wir eine Ausschreibung des Kreisamtes für die Bereitstellung ambulanter Palliativversorgung gewonnen haben, haben sich die Krankenkassen geweigert, mit uns zusammenzuarbeiten.“

Foto: Archiv Radio Prag
Die Probleme liegen auch darin, welche Bedingungen die Krankenkassen bisher für einen Vertrag stellen.

„Gemäß der Methodik der Krankenkassen würde die ambulante Palliativversorgung bei einem Vertragsabschluss eine sogenannte Pflege auf Abruf werden. Das lässt sich an einem Beispiel erläutern: Ruft ein Patient am Samstagabend an und sagt, er hätte Blutungen, dann kann unser Arzt nach dem derzeitigen Stand zu ihm fahren. Wenn wir aber durch einen Vertrag mit einer Krankenkasse gebunden wären, dann müssten wir die Zustimmung eines praktischen Arztes einholen, bevor wir zum Patienten fahren könnten“, so Marek Uhlíř.

Foto: Archiv des Hospizzentrums „Cesta domů“
Das Gesundheitsministerium möchte aber eine Lösung finden zwischen dem Bedarf der ambulanten Hospize und den Anforderungen der Krankenkassen. Deswegen werden im Ressort derzeit Gespräche zusammen mit den Vertretern beider Seiten geführt.

„In erster Linie ist es nötig, auf der Basis von bestimmten Programmen und Pilotprojekten zu bestimmen, wie die Finanzierungsmethodik der Krankenkassen und die Finanzierung der Palliativpflege überhaupt aussehen könnten“, sagt Dana Šalamounová vom Gesundheitsministerium.

Sollte eine Lösung gefunden werden, könnten die Krankenkassen sogar sparen. Denn die Palliativpflege zu Hause kostet etwa 1900 Kronen (70 Euro) pro Tag, ein Bett in einem Krankenhaus aber 3500 Kronen (fast 130 Euro).