Tschechische Universitäten brauchen dringend Geld

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Durch anhaltende Spannungen ist bereits seit längerem das Verhältnis zwischen den tschechischen Universitäten und dem Schulministerium gezeichnet. Der Grund liegt quasi auf der Hand: die Hochschulen brauchen dringend mehr Geld. Dies war am Dienstag auch der Anlass für ein Treffen auf der sozusagen höchsten Ebene: Ranghohe Vertreter der tschechischen Universitäten mit dem Rektor der Prager Karlsuniversität an der Spitzen kamen am Dienstag mit Premier Milos Zeman und Schulminister Eduard Zeman zusammen. Was aus diesem Treffen hervorging. Dazu der folgende Beitrag von Jitka Mladkova.

Schon im Frühjahr dieses Jahres freuten sich die Hochschulen im Lande über die Zusage von Schulminister Eduard Zeman, mit einem um zwei Milliarden Kronen aufgestockten Budget im neuen Schuljahr 2001/2002 rechnen zu können, also mit insgesamt 83,3 Mlr Kronen, das sind rund 4,9Mlr Mark. Aufgrund dieser Zusage wurden auch wesentlich mehr Studenten aufgenommen. Erst danach zeigte sich, dass der Schulminister sein Versprechen wegen der leeren Staatskasse nicht einhalten kann. Damit wurde eine Diskussion angeregt, wie das neue Hochschuljahr, das faktisch noch nicht angefangen hat, zu finanzieren sei.

Einen Tip, wie die Situation zu meistern wäre, haben die Hochschulen am Dienstag nach dem Treffen des Vorstands der Tschechischen Rektorenkonferenz mit Premier Milos Zeman und Schulminister Eduard Zeman erhalten. Der Ressortminister sprach über die Möglichkeit, sich das fehlende Geld bei der Europäischen Bank für Erneuerung und Entwicklung zu leihen: Der Staat würde die Kreditgarantie übernehmen, die Universitäten müssten für die Zinsbezahlung aufkommen.

Gleichzeitig versprach Eduard Zeman, doch noch einen weiteren Versuch zu unternehmen, das benötigte Geld im Budget des eigenen ressorts zu finden bzw. die Parlamentsabgeordneten davon zu überzeugen, die zusätzlichen Finanzierungsbedürfnisse der Hochschulen im Haushaltsentwurf 2002 zu berücksichtigen. Die Lösung, sich das Geld zu leihen, stieß nämlich auf keine eindeutig positive Resonanz der Hochschulvertreter. Der Rektor der Karlsuniversität Ivan Wilhelm möchte die Anleihe mit der Erarbeitung eines Konzeptes verbinden, in dem klipp und klar steht, wie das Geld genutzt würde. Und noch etwas: "Es wäre unverantwortlich", so Wilhelm in einem Presseinterview, "wenn wir uns das Geld leihen würden und nicht wüssten, aus welchen Quellen es zurückgezahlt werden könnte". Er räumte ein, dass die Hochschulen auf den Staat Druck ausüben könnten, einen Okkupationsstreik aber schloss er aus.

Eine Entscheidung wurde jedoch nicht gefasst, eine Lösung der kritischen Situation bleibt nach wie vor offen. Die Zeit drängt. Spätestens Ende Oktober müssen die Universitäten über die Quoten der im kommenden Jahr aufzunehmenden Studenten entscheiden. Es besteht aber nur ein ganz geringer Hoffnungsschimmer, dass im von der Regierung bereits abgeschlossenen Haushaltsentwurf eine Zwei-Milliarden-Kronen-Reserve gefunden wird.