Tschechische Vereine nutzen staatliche Unterstützung für die Instandsetzung deutscher Gräber
Das tschechische Ministerium für Regionalentwicklung hat im Rahmen des Programms zur Instandsetzung historischer deutscher Gräber in diesem Jahr 55 Projekte unterstützt.
Um die Rettung von alten Gräbern namhafter deutscher Persönlichkeiten in Tschechien bemühen sich vor allem verschiedene lokale Vereine. Der Staat förderte in diesem Jahr die Instandsetzung von historischen deutschen Grabstätten mit rund 9,5 Millionen Kronen (394.000 Euro). So lässt beispielsweise die Kommunalstiftung Ústecká komunitní nadace aus Ústí nad Labem die Gruft der Familie Tschinkel im nordböhmischen Lovosice restaurieren. Kateřina Valešová leitet die Stiftung. In den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks merkte sie zur Familie Tschinkel an:
„Franz Tschinkel war einer von vier Brüdern, die gemeinsam mit ihrem Vater an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Lovosice ein Grundstück erwarben und eine Keksfabrik errichteten. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie die Stadt verlassen, und die Familiengruft verfiel allmählich. Von da an war sie ihrem Schicksal überlassen. Viele Zierelemente brachen ab, und die Grabplatte verschwand. Der kleine Zaun musste auch repariert werden.“
Der Steinmetz Pavel Malý beteiligt sich an der Sanierung der Familiengruft. Er beschreibt ihren jetzigen Stand:
„Das Grabmal weist ein neues Gesims, die gesamte Rustizierung, eine neue Deckplatte sowie Steinmetz- und Maurerarbeiten auf, wenn auch letztere nur geringfügig waren. Nun steht noch der Anstrich in einem von der Stiftung ausgewählten Farbton aus.“
Die Instandsetzung des Grabs der Familie Tschinkel wird rund 400.000 Kronen (16.600 Euro) kosten, wobei der Zuschuss vom Ministerium für Regionalentwicklung etwa 150.000 Kronen (6224 Euro) abdeckt.
Das Dorf Měrunice liegt etwa 20 Kilometer nordwestlich von Lovosice. Auf dem Dorffriedhof wird das Grab des Pfarrers Karl Eckardt (1874–1926) restauriert. Nach den Worten von Ján Boháč gehörte Eckardt zu den außerordentlich gebildeten Persönlichkeiten der Region. Boháč ist Mitglied des lokalen Vereins zur Wiederbelebung der Traditionen und zur ländlichen Entwicklung, der die Rettung des Grabs initiiert hat. Über den gebildeten Geistlichen sagte er:
„Der damalige Gemeindepfarrer sorgte dafür, dass Eckardt in Rom studieren konnte. Auf dem Grabstein steht, dass Karl Eckardt Doktor des Kirchenrechts und Bakkalaureus der Philosophie war.“
Der Verein entschied sich, das Grab des Pfarrers anlässlich seines 100. Todestags zu sanieren. Ján Boháč:
„Die Instandsetzung kostete rund 120.000 Kronen (4980 Euro, Anm. d. Red.). Das Grab sieht jetzt bedeutend besser aus. Früher bestand es nur aus Beton und Erde.“
Der öffentliche Zuschuss betrug in diesem Falle 75.000 Kronen (3110 Euro). Die staatliche Unterstützung kann generell bis zu 70 Prozent der Kosten der Instandsetzung einer Grabstätte abdecken.
Die Fördergelder wurden beispielsweise auch in Teplice, Šluknov und Děčín genutzt. Dort wurde etwa das Grab der Familie von Rudolf Brettschneider (1867–1933) restauriert. Dieser Druckereibesitzer gehörte in der Vorkriegszeit zu den bedeutendsten Unternehmern in der Region.







