Tschechische Wissenschaftler weisen Antidepressiva in Flussfischen nach
Dass die Rückstände von Medikamenten in Gewässer gelangen, ist ein weltweites Problem. Ein tschechisch-amerikanisches Wissenschaftlerteam konnte nun psychoaktive Substanzen, die etwa Bestandteil von Antidepressiva sind, bei Fischen in Südböhmen nachweisen – und aufzeigen, wie die Medikamente die Tiere in ihrer Entwicklung beeinträchtigen.
Für ihr Forschungsprojekt haben die Wissenschaftler Forellen in freier Wildbahn gezüchtet und ausgesetzt. Dafür wurden zunächst Inkubatoren an zwei Stellen des Baches Živný potok im südböhmischen Prachatice eingelassen. Die Chemikerin Kateřina Grabicová von der Fischereifakultät der Südböhmischen Universität in České Budějovice / Budweis erläutert:
„Wir haben je einen Inkubator oberhalb und unterhalb der Kläranlage platziert. Zunächst entstand dort Rogen, daraus dann Embryos mit einem Dottersack, und nach rund drei Monaten haben wir die Fische im Živný potok ausgesetzt. Anschließend wurden sie nach drei und dann noch einmal zwei Monate später mit einem Fangaggregat eingesammelt.“
Nach der Entnahme wurden die Forellen im Labor untersucht. Roman Grabic arbeitet ebenfalls an dem Projekt und schildert, dass man dabei auf zahlreiche Rückstände von Medikamenten gestoßen sei:
„Von 89 untersuchten Arzneimitteln konnten wir 15 in verschiedenen Entwicklungsstadien der Fische nachweisen. Am häufigsten und in der höchsten Konzentration handelte es sich um psychoaktive Medikamente. Darauf folgte Blutdruck- und Herzmedizin.“
Die Stoffe wurden dabei nur in den Eiern und bei den ausgewachsenen Tieren nachgewiesen, die sich unterhalb der Kläranlage befanden. Die Forscher überprüften die Fische aber nicht nur auf das bloße Auftreten der Medikamente. Sie gingen auch der Frage nach, wie die Substanzen die Tiere beeinflussen.
„Die Medikamente, aber auch weitere Faktoren, die mit der Reinigung des Wassers zusammenhängen, wie etwa Nährstoffe und die Temperatur, beeinflussen die Entwicklung der Fische sehr negativ. Auch bei ausgewachsenen Exemplaren konnten wir nachweisen, dass psychoaktive Stoffe bestimmte Reflexe verlangsamen, etwa das Aufsuchen eines Verstecks oder auch Fluchtinstinkte.“
Die Konzentration der schädlichen Substanzen hänge dabei vor allem von der Fließgeschwindigkeit der Gewässer ab, sagt Grabic.
„Die Konzentration in diesem Bach ist wesentlich höher als etwa in der Moldau hinter Prag. Denn dort mischt sich das Wasser aus der Kläranlage viel mehr mit dem sonstigen Flusswasser.“
Für ihr Forschungsprojekt haben die Wissenschaftler der Südböhmischen Universität mit Kollegen aus Texas zusammengearbeitet. In dem US-amerikanischen Bundesstaat stellt die Verseuchung von Gewässern mit Medikamenten ein großes Problem dar. In Europa ist laut Grabic nun eine neue Richtlinie in Planung. Diese sieht laut dem Experten vor, dass vor allem bei Trinkwasserquellen Schadstoffe effektiver aus dem Wasser entfernt werden müssen.
Die Forscher betonen in ihren Ausführungen, dass sie mit ihrem Experiment keinesfalls Antidepressiva verteufeln wollen. Roman Grabic sagt:
„Das Ziel der Untersuchung ist, auf die potentielle Gefährdung durch diese Stoffe hinzuweisen. Wir wollen aber auch einen Beitrag dazu leisten, dass umweltfreundlichere Formen dieser Arzneimittel entwickelt werden. Und uns geht es zudem um die Entsorgung dieser Medikamente. Dazu kann jeder etwas beitragen: In dem man nicht-verwendete Medizin zurück in die Apotheke bringt.“
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