Tschechische Zirkusse unter Druck - wegen Tierschutz und Straßenmaut

Illustrationsfoto: Petr Vavrouška, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Der traditionelle tschechische Zirkus besteht aus drei Elementen: den Clowns, den Artisten und den Tieren. Nun sehen die Zirkusbetreiber dieses Fundament erschüttert. Mit einer Petition wollen sie sich dagegen wehren, dass das Landwirtschaftsministerium ihnen immer strengere Tierschutz-Maßnahmen vorschreibt. Das Ministerium ist da allerdings anderer Ansicht.

Illustrationsfoto: Petr Vavrouška, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Keine Giraffen, keine Nilpferde und keine Affen: Das Tierschutzgesetz aus dem Jahr 2006 hat zahlreiche Tierarten aus den Manegen der tschechischen Zirkusse verbannt. Nun befürchten die Betreiber noch strengere Vorschriften – und beginnen sich zu wehren. Ludvík Berousek, Geschäftsführer des Zirkus Bernes:

„Wir haben Angst, dass wir bald nur noch einheimische Tiere zeigen dürfen, wie Katzen, Hunde oder Ziegen. Was soll dann an der Vorstellung noch spannend sein? Sogar größere Tiere wie Pferde könnten bald verboten werden. Aber solche Tiere gehören beim Zirkus einfach dazu. Deshalb kämpfen wir für den Erhalt des ursprünglichen tschechischen Zirkus.“

Die Familie Berousek führt den Zirkus Bernes bereits in achter Generation. Der Geschäftsführer sieht seinen Betrieb durch die verschärften Regelungen zur Tierhaltung nun ernsthaft gefährdet. Diese Befürchtungen teilt auch Patrik Joo, technischer Leiter des Zirkus Jo-Joo.

„Ich frage mich, was mit den Tieren geschehen soll, falls das Verbot tatsächlich durchgesetzt wird. Wir haben beispielsweise in den vergangenen zwei Jahren 19 sibirische Tiger aufgezogen. Das ist eine bedrohte Tierart. Alle diese Tiere sind seit ihrer Geburt bei uns. Man kann man sie nicht mehr in die freie Wildbahn aussetzen. Und ich gebe sie auch nicht weg. Für mich gehören sie zur Familie. Ich würde noch eher mit ihnen das Land verlassen, als sie herzugeben.“

Ludvík Berousek (Foto: Archiv der Offiziellen Seiten der tschechischen Zirkusse)
Dass Zirkusse, die ihre Tiere schlecht behandeln, bestraft werden müssen, darin sind sich Joo und Berousek einig. Aber gerade deshalb erscheinen ihnen die Verschärfungen nicht gerechtfertigt: Trotz regelmäßiger Kontrollen habe man bei ihnen noch nie einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz beanstandet.

Ein weiterer Aspekt verschärft die Situation zusätzlich: Diesen Sommer schlagen zum ersten Mal Zirkusse aus Ungarn und Italien ihre Zelte auf tschechischem Boden auf. Problematisch sei vor allem, dass die härteren Auflagen für die ausländischen Zirkusse nicht gelten würden, so Joo und Berousek. Gegen diese Konkurrenz zu bestehen, sei deshalb so gut wie unmöglich. Um weitere gesetzliche Einschränkungen zu verhindern, hat der Verband der tschechischen Zirkusse nun eine Petition lanciert. Diese richtet sich primär an das Ministerium für Landwirtschaft. Dessen Sprecherin Dana Večeřová hält die Bedenken für unbegründet:

„Was diese Forderungen betrifft, möchte ich betonen, dass das Landwirtschaftsministerium keine Verschärfung der bestehenden Vorschriften plant. Im Gegenteil: Zum 1. Januar dieses Jahres wurde das Gesetz sogar wieder gelockert, was für die Halter einen deutlich geringeren administrativen Aufwand bedeutet. Ich habe deshalb den Eindruck, dass die Befürchtungen der Zirkusbetreiber voreilig und pessimistisch sind.“

Doch die Leiter der Zirkusse plagen noch andere Sorgen: Seit einigen Jahren fallen erhöhte Straßennutzungsgebühren an, die ihr Budget stark belasten.

Illustrationsfoto: Petr Vavrouška, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Das Problem besteht darin, dass wir Lastwagen haben, die wir für den Transport der Tiere und als Wohnwagen verwenden. Mit diesen Fahrzeugen legen wir in einem Jahr etwa gleich viele Kilometer zurück wie die Lkw-Fahrer eines Transportunternehmens an einem Tag. Und trotzdem müssen wir genau dieselben Gebühren entrichten“, so Patrik Joo.

Joo und Berousek wünschen sich vom Staat mehr Anerkennung und Unterstützung, so dass sie sich um wichtigere Dinge kümmern können – zum Beispiel um das Wohlergehen ihrer Tiere.