Tschechischem Zoll gelingt Schlag gegen Nashorn-Schmuggel

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Zollfahndern in Tschechien ist ein Schlag gegen den internationalen Nashorn-Schmuggel gelungen. Die Beamten fassten eine Bande, die Jäger als Safari-Touristen nach Südafrika schickte, um dort unter falschen Vorgaben an die begehrten Hörner zu kommen. Am Prager Flughafen beschlagnahmte der Zoll 24 illegal eingeführte Hörner, die den Angaben zufolge einen Schwarzmarktwert von rund vier Millionen Euro haben. 15 Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

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Bei einer großangelegten Razzia brach eine Sondereinheit der Polizei jüngst mehrere Wohnungstüren auf und nahm Mitglieder der Bande in ihren Wohnungen fest. Gegenüber dem Tschechischen Fernsehen bestätigte Polizeikommissar Daniel Živocký, dass es sich bei den Festgenommenen nicht nur um die vermeintlichen Jäger der Dickhäuter handelt:

„Unter den festgenommenen Personen sind sowohl Nashorn-Jäger als auch die Organisatoren des Hörner-Schmuggels.“

Die internationale Bande nutzte für ihr Verbrechen die Möglichkeit, dass sich Ausländer nach ihrer Nashornjagd in Südafrika das Horn des jeweiligen Tieres als Trophäe mitnehmen können. Pro Jäger sei allerdings nur der Abschuss eines Nashorns erlaubt. Also schickten die Organisatoren mehrere Tschechen nach Südafrika, damit sie ihnen die Hörner beschaffen. Jana Zachařová von der tschechischen Umweltinspektion erklärt die Vorgehensweise:

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„Tschechische Bürger vietnamesischer Herkunft heuern so genannte Pseudo-Jäger an, die sie dann gen Süden schicken, von wo sie die begehrten Trophäen mitbringen.“

Für nichtkommerzielle Zwecke ist das durchaus erlaubt, doch in diesem Fall sollten die Rhino-Hörner geschäftlich weiterveräußert werden. Und zwar nach China und Vietnam, wo das keratinhaltige Horn als Statussymbol und vermeintliches Heilmittel begehrt ist. In der traditionellen chinesischen Medizin glaubt man fest daran, dank der in den Hörnern befindlichen Wirkstoffe so ziemlich alles heilen zu können, angefangen bei Typhus, über Fieber, Arthritis bis hin zur Vertreibung böser Geister. Das bestätigt der Reporter des chinesischen Portals CeNews, Jie Huang:

Přemysl Rabas (Foto: ČTK)
„Gewiss ist die Anzahl der Interessenten schon zurückgegangen, doch es finden sich immer noch genügend Privatpersonen, die an die heilende Wirkung des Rhino-Horns glauben. Und diese Leute sind in der Lage, hohe Summen dafür zu bezahlen.“

Im vorliegenden Fall hätten die Schmuggler der Horn-Trophäen vermutlich um die vier Millionen Euro auf dem Schwarzmarkt abgesahnt. Wegen dieser Summen werden die Rhino-Hörner, insbesondere die des Südlichen Breitmaulnashorns, aber nicht nur von Safaris mitgebracht. In Tschechien ist das Horn des Dickhäuters im vergangenen Jahr bei Ausstellungen gestohlen worden, und das sowohl aus Museen als auch im Zoo Dvůr Králové. Zoo-Direktor Přemysl Rabas:

„Wir haben seitdem die Maßnahmen zum Schutz der Tiere verschärft. Ich würde behaupten, dass unsere Nashörner relativ gut geschützt sind.“

Breitmaulnashorn (Foto: Zdeněk Čermák, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Im Zoo Dvůr Králové werden übrigens sechs Exemplare des stark vom Aussterben bedrohten Nördlichen Breitmaulnashorns gehalten, und zwar zwei Bullen und vier Kühe. Ansonsten sind diese seltenen Tiere in Menschenobhut nur noch im San Diego Zoo Safari Park in den USA (zwei Kühe) zu finden.