Eingeschläfert: Der letzte Bulle seiner Art

Foto: ČTK

Das letzte bekannte männliche Nördliche Breitmaulnashorn auf der Welt ist tot. Es hat dem Zoo in Dvůr Králové gehört.

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Er hieß Sudan. Der letzte Bulle des Nördlichen Breitmaulnashorns auf der Welt stammte aus diesem afrikanischen Land, daher der Name. Seit dem vergangenen Jahr litt das Tier an einer Infektion am rechten Hinterbein. Zudem hatte es Hautwunden. Der Gesundheitszustand des 45 Jahre alten Bullen verschlechterte sich am Sonntag zusehends, er konnte nicht mehr aufstehen. Tags drauf entschied sich ein Team von Tierärzten, zu dem auch Vertreter des tschechischen Zoos sowie des Wildtierreservats OI Pejeta gehörten, den kranken Sudan einzuschläfern. Přemysl Rabas leitet den Zoo im ostböhmischen Dvůr Králové / Königinhof. Trotz dieses traurigen Ereignisses hatte der Experte auch eine gute Nachricht:

„Sehr wahrscheinlich werden in den nächsten Jahren Sudans Nachkommen zur Welt kommen. Es sieht gut aus. Die beiden letzten Weibchen des Nördlichen Breitmaulhorns sind noch am Leben. Sudans Sperma haben wir eingefroren. Und mittlerweile können wir auch im Labor einen Embryo erzeugen. Dieser lässt sich in die Gebärmutter des Nashornweibchens einpflanzen.“

Přemysl Rabas (Foto: Luboš Vedral, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Vor einigen Tagen, als sich Sudans Gesundheitszustand bereits verschlechtert hatte, versuchte Zoo-Direktor Přemysl Rabas die Tierfreunde zu trösten.

„Wir sollten nicht nur traurig sein. Denn Sudan hat sehr lange gelebt. Wäre er als junges Tier in freier Wildbahn geblieben, dürfte er längst tot sein. Denn Wilderer machen Jagd auf Nashörner. In der Natur erreicht ein Tier nie ein so hohes Alter.“

Sudan wurde 1979 wurde gemeinsam mit fünf weiteren Nashörnern im Süden Sudans gefangen. Der damalige Direktor des Zoo in Dvůr Králové, Josef Vágner, ließ sie nach Tschechien transportieren. Vor einigen Jahren gab es den Plan, die gefährdete Tierart zu retten. Deswegen wurden Sudan, ein weiteres Männchen namens Suni und zwei Weibchen des Breitmaulnashorns 2009 aus Tschechien nach Kenia gebracht. Die Experten hofften damals, dass sich die Tiere in der freien Wildbahn fortpflanzen würden. Tatsächlich paarten sie sich auch. Doch es gab Probleme mit dem Hormonzyklus der Weibchen. 2014 starb aus Altersgründen schon der Nashornbulle Suni. Nun wollen Zoologen eben versuchen, die Tierart mit künstlicher Befruchtung zu retten.