Tschechischen Eisenbahnen

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Ahoi und Signal auf Grün zu unserem Verkehrsmagazin "Mobil ans Ziel". Aus dem Prager Studio begrüßen Sie Olaf Barth und Lothar Martin.

In unserer letzten Sendung im alten Jahr haben wir Sie mit der Unfallstatistik der OSZE-Länder im Straßenverkehr bekannt gemacht. Daraus ging hervor, dass die Tschechische Republik in dieser alles andere als positiv dasteht. Der Anstieg um knapp 15 Prozent bei den Verkehrstoten ist ein unwiderlegbarer Beweis dafür. Mit der Einführung der neuen Straßenverkehrsordnung zu Jahresbeginn will man dieser Entwicklung hierzulande entgegen treten. Unsere Redaktion - die Sie darüber mehrfach informiert hat - wird diesen Prozess verfolgen und zu einem späteren Zeitpunkt auf die Auswirkungen, die die neue StVo gezeitigt hat, zurück kommen. Denn heute möchten wir uns mit der größten Alternative zur Straße, nämlich der Eisenbahn befassen und uns dabei die Frage stellen: Wie können die Tschechischen Eisenbahnen Ceské drahy (kurz: CD) das ständig steigende Verkehrsaufkommen zu ihren Gunsten nutzen, um der Straße ein ernsthafter Konkurrent im Transportwettbewerb zu sein? Eine Antwort auf diese Frage und weitere Einblicke hinter die Kulissen der staatlichen Eisenbahngesellschaft CD - dies geben und vermitteln wir Ihnen gleich.

Die Tschechischen Eisenbahnen haben im zurückliegenden Jahr 2000 einen neuen - leider negativen - Rekord eingefahren. Denn trotz staatlicher Zuwendungen in Höhe von mehr als sechseinhalb Milliarden Kronen steht als Jahresendergebnis der bisherige Höchstverlust von 4,9 Milliarden Kronen (ca. 270 Millionen Mark) zu Buche. Damit hat die unwirtschaftliche Eisenbahngesellschaft seit dem Jahr 1993, als man erstmals ihre Sanierung in Betracht gezogen hat, einen Schuldenberg von mehr als 30 Milliarden Kronen (ca. 1,7 Milliarden Mark) angehäuft. Diese Summe will ihr der Staat erlassen, falls es endlich zur lang angestrebten Transformation der Bahn kommt, die die ministerialen Beamten für das nächste Jahr vorbereiten.

Mindestens bis dahin lebt die staatliche tschechische Eisenbahn weiterhin in ihrer kleinen, eigenen Welt, fernab jeglicher Prinzipien der ökonomischen Realität. Was nichts anderes heißt: Jahr für Jahr steigen die Verluste um einige weitere Milliarden, ebenso die Schulden nach Ablauf der Zahlungsfrist, aber auch die Fahrpreise für die Reisenden und die Löhne für die Beschäftigten. Zum 28. Januar steht zum Beispiel wieder eine Fahrpreiserhöhung an, und zwar um durchschnittlich 8,9 Prozent. Besonders davon betroffen sind die Rentner, denen es nicht mehr ermöglicht wird, auch in Eil- und Schnellzügen ermäßigt reisen zu können. Von Euro- oder InterCity-Zügen ganz zu schweigen. Lediglich in der 2. Klasse können sie ab Ende Januar noch eine 50-prozentige Ermäßigung auf den Fahrpreis geltend machen. Und die übernächste Fahrpreiserhöhung ist auch schon in Sicht: sie ist für den Fahrplanwechsel zum 10. Juni vorgesehen. Dann sollen nochmals sechs bis sieben Prozent aufgeschlagen werden.

Die Vertreter der Eisenbahngesellschaft CD wehren sich jedoch gegen den Vorwurf, schlecht zu wirtschaften. "Im Vergleich zu benachbarten Ländern sind die staatlichen Zuschüsse für die Eisenbahn in Tschechien äußerst niedrig," sagte CD-Sprecher Petr Stahlavsky in einem Gespräch für die tschechische Tageszeitung "Hospodarske noviny". Und damit hat Stahlavsky auch nicht Unrecht. Während in der Tschechischen Republik nämlich nur rund 35 Prozent aller Ausgaben durch den Staat beglichen werden, sind es in Deutschland, Belgien und den Niederlanden über 40 Prozent, in Großbritannien mehr als 50 Prozent und in Italien sogar mehr als 80 Prozent sämtlicher Kosten, wie der "Hospodarske noviny" zu entnehmen ist.

"Das ist ein weltweites Problem, bei dem selbst die Europäische Union noch kein Rezept gefunden hat," sagte unlängst der stellvertretende tschechische Verkehrsminister Jiri Navratil, der dem ökonomischen Bereich im Ministerium vorsteht. Seine Aussage begründete er wie folgt: "Die Eisenbahn passt sich bedeutend schlechter den Erfordernissen des Marktes an und ist daher ein sehr teures Transportmittel."

Der ehemalige tschechische Verkehrsminister Martin Riman weiß die Unrentabilität der Tschechischen Eisenbahnen (CD) noch drastischer zu formulieren: "Dies ist ein unwirtschaftlicher Koloss, der durch eine geringe Arbeitsproduktivität und eine starke Gewerkschaft gekennzeichnet ist." Belegt wird diese Aussage durch das langanhaltende Absinken der Transportleistungen, sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr, die Stilllegung von Zugstrecken einschließlich des Arbeitsplatzabbaues, und das bei gleichzeitigem Anstieg der Kosten. Die immer weiter anwachsenden Einbußen würden lediglich durch die ständigen Fahrpreiserhöhungen "reguliert". Die einzige Möglichkeit, dies zu ändern, sieht Riman in der Aufsplittung der Eisenbahn in eine Betreiber- und eine Verwaltungsgesellschaft. Allerdings sei er skeptisch, dass sich am gegenwärtigen Zustand der CD-Eisenbahngesellschaft schon in ein, zwei Jahren etwas ändern werde.

Bei solch einer niederschmetternden Prognose ist es sicher nicht unangenehm zu erfahren, dass sich wenigstens partiell einige Verbesserungen bei der tschechischen Staatsbahn einstellen werden. Dieser Tage nahm bei der Gesellschaft Ceské drahy nämlich die dritte Schnellzug-Lokomotive der slowakischen Eisenbahn ihren Betrieb auf und erhöht damit die Anzahl der Zugverbindungen, bei denen die Reisenden mit einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern befördert werden können. Allerdings ist das Fahren dieser Geschwindigkeit derzeit nur auf den ausgebauten Strecken des I. Eisenbahn-Korridors zwischen Prag und Usti nad Labem/Aussig, Prag und Chocen sowie zwischen Brno/Brünn und Breclav möglich. Deshalb soll die Modernisierung des I. Korridors von Decin/Tetschen über Prag nach Breclav und die des II. Korridors von Petrovice über Prerov nach Breclav so schnell als möglich vorangetrieben werden. Hierbei soll die Modernisierung des 384 km langen I. Korridors im Jahr 2002 und die des 299 km langen II. Korridors ein Jahr später abgeschlossen werden. Na denn, allzeit gute Fahrt!


Zum Abschluss unserer heutigen Sendung haben wir noch zwei Hinweise aus dem Straßenbereich für Sie. Der erste betrifft die oft gestellte Frage nach Zeitraum und Betrag der in Tschechien auf Autobahnen und ausgewiesenen Schnellstraßen pflichtigen Vignetten. Für PKW-Fahrer kommt es hierbei zu keinerlei Veränderungen. Für Fahrzeuge mit einem Gewicht bis zu 3,5 Tonnen zahlt man für die Jahresvignette 800, die Monatsvignette 200 und die Zehn-Tages-Vignette 100 Kronen. Für Fahrzeuge zwischen 3,5 und 12 Tonnen allerdings ist der Preis für den Monatskupon von 800 auf 1000 Kronen und für die Zehn-Tages-Karte von 300 auf 400 Kronen gestiegen. Der entsprechend doppelte Preis muss für Fahrzeuge über 12 Tonnen entrichtet werden. Eine Veränderung betrifft jedoch alle Fahrzeuge: die Vignette hat nämlich ab sofort zwei Bestandteile - die eine Hälfte wird nach wie vor hinter die Windschutzscheibe geklebt, die zweite Hälfte verbleibt beim Fahrzeughalter. Damit soll den dreisten Diebstählen der Vignette, beim denen die Täter auch vor dem Zertrümmern einer Autoscheibe nicht zurück schreckten, Einhalt geboten werden. Die Vignetten sind vorrangig an Grenzübergängen, Tankstellen und bei den Zweigstellen der Tschechischen Post erhältlich.

Der zweite Hinweis betrifft alle motorisiert Reisenden, die an diesem Wochenende ins Isergebirge zum Skilaufen aufbrechen wollen. Dort findet am Sonntag der 34. Jahrgang des traditionellen 50-km-Isergebirgslaufes statt und aus diesem Grunde müssen sie vom Samstag 20 Uhr bis zum Sonntag 16 Uhr mit weiträumigen Absperrungen im Raum um Liberec/Reichenberg und Jablonec nad Nisou/Gablonz rechnen. Zum Start- und Zielort Bedrichov kommen Sie am besten mit dem von Reichenberg und Gablonz eingesetzten Pendelverkehr.

Autoren: Lothar Martin , Olaf Barth
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