Überfahren am Übergang? Polizeiaktion zum Schuljahresbeginn

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Am ersten September beginnt das neue Schuljahr, und damit beginnt auch die alljährliche Diskussion über das Thema Schulwegsicherheit. Für die ersten beiden Schultage hat die Polizei eine "Aktion scharf" angekündigt. Wie diese der Öffentlichkeit gegenüber dargestellt wird, darüber berichtet Gerald Schubert:

Allein in Prag werden am Donnerstag und Freitag 200 Polizisten über 150 Fußgängerübergänge wachen. Das Ende der Ferien bedeutet nämlich nicht nur für den Alltag der Familien, sondern auch für den Straßenverkehr eine plötzliche Umstellung. Vor allem in größeren Städten. David Kubalak vom tschechischen Polizeipräsidium:

"Die Kinder und die Autofahrer müssen sich nun daran gewöhnen, dass sie einander wieder öfter begegnen werden als während der Ferien. Wir konzentrieren uns daher in unserer Aktion vor allem auf das richtige Überqueren der Straße seitens der Fußgänger, egal ob es sich um Kinder oder Erwachsene handelt. Und wir richten unser Augenmerk auf Autofahrer, die bei Rot über die Kreuzung fahren."

Die Autofahrer aber sollten bekanntlich nicht nur bei Rot stehen bleiben, sondern vor jedem Zebrastreifen ohne Ampel, wenn diesen gerade jemand überqueren will. Ein Bild, das man in Prag eher selten bestaunen kann. Nicht nur Autolenker, sondern auch viele Fußgänger scheinen Zebrastreifen mehr als Verzierung des Stadtbildes wahrzunehmen, im Zweifelsfall hat der Stärkere, also das Auto, Vorrang. Der Zebrastreifen als Gefahrenzone? Jiri Kotrous, Direktor der Prager Stadtpolizei:

"In Prag ist das ein riesiges Problem. Vor allem dort, wo sich eine zusammenhängende Kolonne gebildet hat. Wenn zum Beispiel am rechten Fahrstreifen nur im Schritttempo gefahren wird, dann weiß jemand, der auf den linken Fahrstreifen fährt und vielleicht abbiegen will, oft nicht genau, warum der Fahrer vor ihm plötzlich stehen geblieben ist. Ob dieser etwa einen Fußgänger überqueren lässt, oder ob die ganze Kolonne hält. Diese Situationen sind sehr gefährlich! Ich möchte den Fußgängern daher raten, auf den Verkehr zu achten und sehr vorsichtig zu sein."

Übrigens: Als das Thema zuletzt im April etwas ausführlicher in den tschechischen Medien behandelt wurde, da ging dem nicht etwa ein Rat an die Autofahrer voraus, auf den Verkehr zu achten, sondern ein Gesetzesvorschlag eines tschechischen Abgeordneten. Dieser sah vor, dass Fußgänger die Straße nur noch in Gruppen überqueren dürfen. Eine solche "Rudelbildung" hätte einen übersichtlicheren Verkehr zur Folge, meinte der Abgeordnete damals.

Beschlossen wurde das Gesetz nicht. Auch Schüler dürfen im neuen Schuljahr die Straße überqueren, ohne vorher ein entsprechendes Rudel zu bilden. Vorsicht ist dennoch geboten.