UNESCO Welttag der Poesie

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Kultur ist immer aktuell, grenzüberschreitend und völkerverständigend. Diese These unterstützte die UNESCO mit einem "Welttag der Poesie". Alle Mitgliedsstaaten waren aufgefordert, lokale Veranstaltungen zur Pflege der Poesie zu organisieren. In Berlin nahm sich dessen die Literaturwerkstatt der Kulturbrauerei mit Unterstützung des Tschechischen Zentrums, des Slowakischen Instituts und des Haus Ungarn an. "Zwischen manchen Worten ist kein Zwischenraum" lautete das Motto. Lena Knäpple berichtet.

Das besondere an den geladenen Lyrikern aus der Tschechischen Republik, der Slowakei, Österreich und Ungarn findet sich in der Tatsache, dass all jene neben Autoren auch Übersetzer sind. So auch der bekannte tschechische Lyriker Petr Borkovec aus Cernosice bei Prag. Ob er lieber selbst schreibt oder die Werke anderer -in seinem Fall hauptsächlich russischer- Autoren übersetzt, beantwortet er so:

"Beides gleich gern. Ich glaube, es lässt sich nicht vergleichen. Selbstverständlich sind es zwei unterschiedliche Prozesse. Zugleich besteht aber auch ein gewisser Zusammenhang zwischen ihnen. Für mich bedeutet das ein Durchdringen, das sogar soweit geht, dass ich in meinen eigenen Gedichten teilweise die Formen anderer Autoren verwende. Für den Entschluss, ein Gedicht zu übersetzen, gibt es sicher viele Gründe. Für mich spielt es eine Rolle, dass ich so dem übersetzten Autor dadurch meine Bewunderung für sein Werk zeigen, in seiner Nähe und in der Nähe seiner Sprache sein kann."

Die slowakisch-ungarische Lyrikerin Mila Haugova dagegen übersetzt hauptsächlich an sogenannten "gedichtlosen Tagen", an denen ihr der Rhythmus eines neuen Gedichtes fehlt. Sie sieht das Übersetzen durchaus auch als Arbeit zur Deckung der Lebenshaltungskosten. Den grenzübergreifenden Aspekt sieht Mila Haugova auch in der Vielfalt der Rezeptionsgewohnheiten der unterschiedlichen Völker. Mit Begeisterung liest sie ihre Gedichte vor Publikum, eine Sache, die in der Slowakei nicht unbedingt sehr gefragt sei, wie sie erklärt.

"Darüber kann ich mich gerade bei den deutschsprachigen Ländern bedanken, denn in der Slowakei gibt es keine Tradition, Gedicht laut zu lesen. Slowakische Leser gehen mit dem Buch in eine Ecke, oder, bildlich gesprochen, mit einer Kerze in das kleine Kämmerchen zum Lesen. Zum ersten Mal habe ich meine Gedichte laut in Wien gelesen, dann in München, jetzt in Berlin. Das "Lautlesen" kommt also aus diesem Bereich."

So definieren sich diese Lyriker über den Charakter ihrer Arbeit und nicht über Nationalitätenzugehörigkeit. Ganz im Sinne der UNESCO.

Autor: Lena Knäpple
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