Vinyl aus Mittelböhmen: GZ Media ist der weltgrößte Hersteller von Schallplatten

Die klassische Schallplatte hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt. Bei GZ Media im mittelböhmischen Loděnice hat man gut daran getan, die Fertigung der runden Musikträger auch in den schweren Zeiten der 1990er Jahre nicht aufzugeben. Heute ist die Firma der weltgrößte Hersteller von Vinyl-Schallplatten.

Vinyl - die Grundlage für die Herstellung von Schallplatten | Foto: Jan Langer,  ČT24

Es ist laut und heiß in dem Werk. Hier wird PVC-Granulat für die Vinyl-Schallplatten so erhitzt, dass daraus der sogenannte Presskuchen geformt werden kann. Und das läuft so ab, dass dieser Kuchen zwischen die beiden Matrizen – also für die erste und zweite Seite der Schallplatte – gelegt und zusammengepresst wird. Heraus kommt die typische schwarze Scheibe, die wohl jeder kennt…

Michal Štěrba ist Leiter von GZ Media, dem größten Plattenhersteller der Welt. Das Stammwerk der Firma befindet sich im mittelböhmischen Loděnice. Er sagt:

Die besten Musikstudios machen Schallplatten in Loděnice bei Beroun. Rolling Stones,  U2 oder Lady Gaga haben Platten von hier. | Foto: Barbora Kvapilová,  Tschechischer Rundfunk

„Dies ist eine Automatik-Presse, die wir selbst bei uns konstruiert und hergestellt haben. Es ist die wichtigste Maschine zur Fertigung von Schallplatten. Wir können mal schauen, welchen Interpreten wir gerade hier haben… Es ist Marc Almond mit ‚Open All Night‘.“

Marc Almond – das ist die singende Hälfte des 1980er-Musikduos Soft Cell. Heute ist er auf Solopfaden unterwegs. „Open All Night“ ist sein Album von 1999.

Foto: Jan Langer,  ČT24

Tiefpunkt 1990er Jahre

Michal Štěrba | Foto: Zdeňka Kuchyňová,  Radio Prague International

Im Büro von Michal Štěrba ist es ruhig – die richtige Atmosphäre für das weitere Gespräch.

„Bei uns laufen die Maschinen rund um die Uhr. An einem Tag stellen wir knapp 200.000 Schallplatten her“, so der Firmenchef.

Jedes vierte Vinyl, das heute in den Musikgeschäften verkauft wird, stammt aus einem der Werke von GZ Media. Im vergangenen Jahr fertigte die Firma insgesamt 51 Millionen Tonträger.

Produktion von CDs in der Manufaktur von GZ Digital Media | Foto: Jan Langer,  ČT24

Dabei hatte das Musikbusiness schon den Abgesang auf die schwarzen Scheiben angestimmt. Grund dafür war zunächst der Siegeszug der CDs und später dann der digitalen Speichermedien. Auch bei GZ Media kam es zu einer großen Delle in der Produktion. Štěrba erinnert sich:

„Als der Ruhm der Schallplatte in den 1980er Jahren zu verblassen begann, haben wir mit der Produktion von Musikkassetten begonnen. Dann kamen die CD und die DVD. Mitte der 1990er Jahre befand sich die Plattenherstellung bei uns auf dem niedrigsten Stand. Damals lag unsere Jahresproduktion nur so hoch wie das, was wir heute in zwei Tagen leisten können. 1994 waren es lediglich rund 300.000 Platten. Aber wir wollten weiter Vinyl herstellen, auch wenn wir die letzten dieser Art sein würden. Für uns lag der Grund darin, dass wir Respekt hatten vor der langen Tradition dieses Tonträgers. Zugleich ergab die Fertigung auch dann noch Sinn, als die Zahlen sehr niedrig lagen. Zu unserer Überraschung wurde dann aus der Nostalgie wieder ein florierendes Geschäft. Die Nachfrage steigt mittlerweile wieder deutlich an, und wir können die Zukunft unserer Firma auf dieses Kerngeschäft bauen.“

Schallplatten werden seit 1951 in Loděnice hergestellt | Foto: Archiv von GZ Media

GZ Media schaut bereits auf mehr als 70 Jahre Geschichte zurück. Die ersten Platten, damals noch aus Schellack, wurden aber bereits in der Zwischenkriegszeit in der damaligen Tschechoslowakei gefertigt…

„Schon in der Ersten Republik wurden diese an zahlreichen Orten produziert, so etwa in Prag oder in Ústí nad Labem – aber nicht hier. Unsere Geschichte beginnt erst nach der kommunistischen Machtübernahme im Jahr 1948. Damals wurde die Schallplattenproduktion konsolidiert und verstaatlicht. Man entschloss sich also, die Scheiben nur noch an einem zentralen Ort zu fertigen. Die Wahl fiel dabei auf Loděnice. Die erste Schallplatte wurde hier 1951 gepresst“, so der Firmenchef.

Zur wichtigsten Entwicklung bei der Schallplatte kam es rund ein Jahrzehnt später:

Hier wird der Ton transkribiert. Die Spitze ritzt eine Rille in eine Stahlplatte,  die mit einer speziellen Schicht bedeckt ist | Foto: Barbora Kvapilová,  Tschechischer Rundfunk

„In den 1960er Jahren gab es den größten Modernisierungsschritt. Damals wurde Schellack durch PVC ersetzt, also Polyvinylchlorid, oder kurz: Vinyl. Während die Schellackplatten noch hart, schwer und zerbrechlich waren, wurden die neuen Scheiben weicher im Material und weniger zerbrechlich.“

Vor zwei Jahrzehnten ist GZ Media dazu übergegangen, nicht mehr nur die Platten an sich herzustellen. Heute fertigt das Unternehmen auch die Covers an. Und das kam so, wie Michal Štěrba erzählt:

Druckerpresse | Foto: GZ Media

„Um die Jahrtausendwende war klar, dass die digitale Revolution wirklich groß ist und auf die Form der Verbreitung von Musik starke Änderungen zukommen werden. Wir waren daher davon überzeugt, dass auf die CD kein weiteres Format eines physischen Tonträgers folgen wird. Wir wollten aber mit der Plattenherstellung überleben. Daher haben wir uns entschieden, neben den Platten auch wunderbare Covers anzufertigen. Deswegen haben wir schrittweise eine polygrafische Abteilung aufgebaut. Das gesamte Vorgehen mussten wir uns erst einmal selbst aneignen.“

Plattencovers und Verpackungen

GZ Media produziert eine ganze Palette an Verpackungen, und das mit allen Möglichkeiten des Designs.

Die erste gepresste Platte aus Nashville  (19.8.2022) das Album Viva Las Vengeance des amerikanischen Rock-Soloprojekts Panic! In der Disco. | Foto: GZ Media

Aber nicht nur das: Das Unternehmen fertigt längst nicht mehr nur am Stammsitz in Mittelböhmen. Mittlerweile hat man sieben Tochterfirmen in Europa und Nordamerika…

„Das erste Werk im Ausland, das wir eröffnet haben, war jenes nahe Toronto in Kanada, konkret im Städtchen Burlington. Das ist bis heute unsere größte Produktionsstätte, auch wenn sich das im kommenden Jahr ändern wird. Denn unsere beiden Werke in den USA – jenes in Memphis und das in Nashville – werden stark ausgebaut“, sagt Štěrba.

Zu den Künstlern, deren Alben in Loděnice auf Vinyl gepresst werden, gehören unter anderem die Rolling Stones, U2 oder Lady Gaga. Doch wie ist der Weg von der Einspielung zur Schallplatte?

Platten der Rolling Stones | Foto: GZ Media

„Die Band oder der Musikverlag haben eine Aufnahme und eine Zeichnung des Plattencovers. Meist bringt der Kunde die entsprechenden Unterlagen in elektronischer Form zu uns. Aus diesen entsteht dann in mehreren Schritten das Endprodukt. Bei der Platte müssen wir zuerst ein Masterstück erstellen. Dafür muss der Ton der Aufnahme noch bearbeitet werden, das nennt sich Re-Mastering. Danach wird mit der Aufnahmemaschine die entsprechende Rille in ein Kupferblech geritzt. Um eine Schallplatte zu machen, müssen wir einen Negativabdruck des Masters anfertigen. Dazu kommt das Master in ein Bad, in dem es langsam vernickelt wird. Wenn die Nickelschicht ausreichend dick ist, wird diese vom Master abgezogen. Damit haben wir eine Pressmatrize gewonnen“, erläutert der Chef.

Zwei Matrizen werden dann – wie bereits beschrieben – in einer Maschine gegen das zähflüssige Vinyl gedrückt. So wird die Platte gepresst. Da auch das Cover vor Ort angefertigt wird, verlässt schließlich das komplette Endprodukt die Werkhallen von GZ Media.

Foto: Jan Langer,  ČT24

Und dann darf man auch in Mittelböhmen gespannt sein, wie sich das Produkt verkauft – und etwa auch, ob die Band beziehungsweise der oder die Einzelkünstler oder Einzelkünstlerin dafür ausgezeichnet werden. Michal Štěrba:

„Es gibt auch Wettbewerbe, bei denen es um die Gestaltung der Platte geht. Einige solcher Auszeichnungen haben wir bereits gewonnen. Die größte Ehrung war aber in diesem Jahr die Verleihung eines Grammys für die gelungenste Gestaltung einer Spezialedition. Es war ein Plattenset von George Harrison, das bei uns gefertigt wurde. Die Auszeichnung selbst hat die Plattenfirma erhalten, aber wir haben das Produkt von Anfang bis Ende bei uns hergestellt.“

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