Volkszählung

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Ab dem 1. März dieses Jahres wird auf dem Gebiet der Tschechischen Republik die achte Volkszählung seit Gründung der Tschechoslowakischen Republik im Jahr 1918 durchgeführt. Mehr dazu von Silja Schultheis.

In der bevorstehenden Volkszählung sollen erstmals seit Auflösung der tschechoslowakischen Föderation im Dezember 1992 die Bevölkerung der Tschechischen Republik sowie alle Häuser und Wohnungen auf deren Territorium gesondert erfasst werden.

Die Durchführung des Zensus erfolgt auf traditionelle Weise mittels dreier Fragebögen, welche Angaben zur Person sowie zur Wohnsituation abfragen. Von der Zählung werden nicht nur tschechische Staatsbürger betroffen sein, sondern auch alle Ausländer - inklusive Touristen -, die sich zum Zeitpunkt der Umfrage auf dem Gebiet der Tschechischen Republik aufhalten. Von letzteren werden hingegen lediglich allgemeine Daten wie Name, Staatsangehörigkeit u.ä. ermittelt.

Die bevorstehende Befragung ist ein sowohl in personeller als auch in finanzieller und zeitlicher Hinsicht äußerst aufwendiges Vorhaben: Über 50.000 Volkszähler sowie einige Ministerien und charitative Organisationen werden sich daran beteiligen. Die Kosten belaufen sich schätzungsweise auf 2,4 Milliarden Kronen (umgerechnet mehr als 133 Mio. DM), wobei der Großteil dieser Summe für die Entlohnung des eingesetzten Personals aufgewendet wird.

Mit den Vorbereitungen für den Zensus wurde bereits im Jahr 1997 begonnen, definitive und umfassende Ergebnisse sind voraussichtlich erst im Jahr 2003 zu erwarten.

Welche konkreten Erkenntnisse die Zählung ans Licht befördern soll und inwiefern die erhobenen Daten möglicherweise künftige Planungen beeinflussen könnten, verriet in einem Gespräch mit Radio Prag die Vorsitzende des Tschechischen Amtes für Statistik, Marie Bohata:

"Ich glaube, dass die Zählung sicherlich von Vorteil ist, da sie zur Verbesserung der Lebensbedingungen, des Lebensstandardes führt. Wir werden z.B. erfahren, wie die Menschen zur Arbeit, zur Schule gelangen, infolgedessen wird es möglich sein, diese Dinge genauer zu erfassen, was wichtig ist für die künftige Entwicklung, für die Konzipierung der staatlichen Sozialpolitik, für den Wohnungsbau, für die Entwicklung der Infrastruktur u.ä. Das ist alles in hohem Maße wichtig für jeden Einzelnen."

Inwieweit die Bevölkerung hingegen den Zensus tatsächlich als Vorteil begreift und in welchem Maße sie sich letztlich an der Umfrage beteiligen wird, bleibt abzuwarten.

Bohata äußerte hierzu:

"Natürlich ändern sich die gesellschaftlichen Bedingungen sehr und auch die Bereitschaft der Menschen, über sich selbst persönliche Angaben preiszugeben, nimmt ab. Unser Amt muß damit auf irgendeine Weise fertigwerden."

Infolgedessen wird die Hauptaufgabe der Volkszähler - so Bohata weiter - darin bestehen, die einzelnen Haushalte bereits im Vorfeld der Umfrage von der Wichtigkeit der ganzen Aktion zu überzeugen und sie auf diese Weise zur Teilnahme zu motivieren.

Befürchtungen hinsichtlich der mangelnden Geheimhaltung persönlicher Angaben brauche niemand zu hegen, da die Gewährleistung eines maximalen Datenschutzes für das Tschechische Statistische Amt oberste Priorität besitze.

Die ersten vorläufigen Ergebnisse der Umfrage werden Anfang Juni dieses Jahres erwartet. Wir halten Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, in unseren Sendungen über den Fortgang der Zählung auf dem Laufenden.