Vor 25 Jahren starb Liedermacher und Idol Karel Kryl

Karel Kryl (Foto: Tschechisches Fernsehen)

Vor 25 Jahren ist der Liedermacher Karel Kryl verstorben. Er war einer der populärsten Interpreten seiner Zeit in der Tschechoslowakei. Ab dem stürmischen Jahr 1968 bis zu seinem Tod wurde er hierzulande sehr verehrt.

Karel Kryl (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Karel Kryl stammt aus einer Buchdruckerfamilie im mährischen Kroměříž / Kremsier. Doch schon sehr früh beschließt er, Dichter und Sänger zu werden. Seit 1966 werden seine Lieder im Tschechoslowakischen Rundfunk gespielt. Keines davon bekommt jedoch genügend Hörerstimmen, um sich in einer viel gehörten Hitparadensendung durchzusetzen. Das ändert sich erst im Januar 1969, erinnert sich der Leiter der Sendung, der Musikkritiker Jiří Černý. Das war indes jenes Jahr, in dem bereits die große Ernüchterung eingezogen ist nach dem viel umjubelten, aber abrupt beendeten Prager Frühling 1968. Aus Enttäuschung über diese Entwicklung verlässt Kryl die Tschechoslowakei und beantragt im September 1969 in Deutschland politisches Asyl. Von München aus, wo er mit dem Sender Radio Freies Europa zusammenarbeitet, gelangen seine Lieder fortan auch in die Heimat.

Im Jahr 1968 gelingt Karel Kryl der musikalische Durchbruch, und zwar mit dem Lied „Bratříčku, zavírej vrátka“, (auf Deutsch: „Brüderchen, schließ die Türchen“). Er hat es angeblich in der Nacht nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten geschrieben, der das jähe Ende des Prager Frühlings bedeutet. Es geht in die Geschichte ein als d e r Protestsong gegen die Okkupation der Tschechoslowakei. In einem nicht datierten Interview in den 1980er Jahren sagt Kryl über sich selbst, dass er sich nicht für einen Sänger von Protestsongs halte. Die Tschechen und Slowaken aber fühlen in seinen Liedern immer auch ein Aufbegehren gegen die Vormundschaft des kommunistischen Regimes.

Nach gut 20 Jahren im Exil kehrt Kryl erstmals Ende November 1989 in seine Heimat zurück. Es ist die spannende Zeit des politischen Umbruchs, und Kryl nimmt dann auch aktiv an den Demonstrationen der Samtenen Revolution teil. Zum Abschluss der Kundgebung am 4. Dezember singen er und Karel Gott gemeinsam die Nationalhymne. Ihr Duett ist ein Symbol für den breiten Konsens, den der Widerstand gegen die Kommunisten nun gefunden hat. Von der Teilung der Tschechoslowakei am 1. Januar 1993 ist der Sänger jedoch sehr enttäuscht, denn er hatte während der gesamten Zeit im Exil nie seine tschechoslowakische Staatsbürgerschaft aufgegeben. 14 Monate nach der Teilung stirbt der Sänger am 3. März 1994 in München an Herzversagen.

Autor: Lothar Martin
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