Vor 35 Jahren wurde der erste Forschungsreaktor der Tschechoslowakei in Betrieb genommen
Dreieinhalb Jahrzehnte ist es her, dass in der Tschechoslowakei der erste Forschungsreaktor in Betrieb genommen wurde. Die Anlage funktioniert bis heute – und wurde bereits dafür verwendet, um die Knochen eines Mammuts zu durchleuchten.
Die Atomkraft spielt in Tschechien eine tragende Rolle. In Politik und Gesellschaft gibt es kaum Kritik an dieser Form der Energiegewinnung. Und im südmährischen Dukovany haben bereits die vorbereitenden Arbeiten für den Ausbau des dortigen Meilers begonnen.
Um angehende Kernphysiker auszubilden und die Wissenschaft auf diesem Gebiet voranzubringen, steht seit 35 Jahren ein Forschungsreaktor im Prager Stadtteil Troja. Er trägt den schlichten Namen „VR-1“ und wird von der Technischen Universität ČVUT betrieben. Ein Sicherheitsrisiko geht von dem Gerät nur kaum aus. Denn anders als die Anlagen in großen Kraftwerken dient der VR-1 nicht zur Energiegewinnung.
„Die maximal zulässige Leistung liegt bei 500 Watt. Dies entspricht einem schwachen Wasserkocher“, sagt Jan Rataj, Leiter des Instituts für Kernreaktoren.
Der VR-1 wird nicht nur von tschechischen und ausländischen Studierenden und Wissenschaftlern genutzt. An dem Gerät absolvieren auch die Mitarbeiter der beiden tschechischen Kernkraftwerke in Dukovany und Temelín ihre Fortbildungen. Rataj schildert:
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„Sie sind hier meist für eine Woche und müssen verschiedene Aufgaben am Reaktor erledigen. Neben den Mitarbeitern der tschechischen Kraftwerke kommen auch jene aus der Slowakei hierher.“
Zudem wird die Gerätschaft von der Feuerwehr und Archäologen genutzt. Denn durch die Bestrahlung mit radioaktivem Material können die Experten etwa das Alter eines Objekts bestimmen.
„Wir haben hier schon Proben eines Mammuts untersucht, um herauszufinden, was es gefressen haben könnte und was sich in seinem Körper befand.“
Bei seiner Inbetriebnahme am 3. Dezember 1990 war VR-1 der erste Forschungsreaktor in der damaligen Tschechoslowakei. Der Weg dahin sei jedoch lang gewesen, sagt Rataj. So hätten die Planungen bereits in den 1960er Jahren begonnen:
„Die Unterstützung zu erhalten und die Gelder aufzutreiben, war damals ganz und gar nicht einfach und kostete viel Kraft. Erst 1985 konnte mit dem Bau begonnen werden.“
Heute gibt es an der ČVUT noch einen weiteren Atomreaktor. Er ging 2023 ans Netz und trägt den passenden Namen VR-2. Insgesamt stehen damit in Tschechien zehn Kernreaktoren – vier dienen zu Forschungszwecken, sechs zur Energiegewinnung in den beiden AKWs.









