Vor 40 Jahren: Die Flugzeugkatastrophe von Suchdol

Foto: ČT24

Es ist bis heute das schlimmste Flugzeugunglück auf tschechischem Boden: Vor 40 Jahren zerschellte ein Flieger aus Jugoslawien kurz vor der Ankunft in Prag, 79 Menschen starben.

Flugzeug der Gesellschaft Adrio Aviopromet  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Prager Flughafen Ruzyně. Die Maschine der jugoslawischen Gesellschaft Adrio Aviopromet zerschellte am 30. Oktober 1975 am felsigen Moldauufer im Prager Vorort Suchdol. Die Anwohnerin Alena Antonyová war damals Augenzeugin:

„Es gab einen Donner, und dann ist es nach unten getaumelt. Ich hatte gleich das Gefühl: Da ist etwas Schreckliches passiert. Dann hab ich den Rumpf gesehen und bin schnell zum Telefon.“



Foto: ČT24
Es war ein Urlaubsflieger. 115 tschechoslowakische Staatsbürger kamen mit Flug JP 450 aus dem montenegrinischen Tivat zurück, meldete der tschechoslowakische Rundfunk am selben Tag. Außerdem an Bord: fünf Besatzungsmitglieder. Alena Antonyová:

„Das Flugzeug prallte auf den Felsen, rutschte dann an ihm runter, und die Menschen wurden herausgeschleudert. Schrecklich, die Schreie waren einfach schrecklich, das vergisst man nicht mehr. Während wir hier versucht haben, wenigstens irgendjemandem zu helfen, kamen die ersten Sanitäter. Ich habe gesagt, Jesus, nur ein Sanitätsauto für so viele Menschen, und sie sagten: Die anderen sind auf dem Weg.“

Foto: National Archiv - Fond des Amtes für Zivil-Luftfahrt
Einer der Sanitäter damals war Karel Skružný. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks schilderte er nun, welches Bild sich ihm damals bot:

„Ich habe den Krieg nicht erlebt, aber ich denke, (der Unglücksort sah nicht viel anders aus als ein Schlachtfeld) das war nicht viel anders als ein Schlachtfeld. Dort lagen Tote und Verletzte durcheinander. Dann ist eine sogenannte fachliche Medizineinheit des Militärs dazugekommen, sie haben die ersten Schritte unternommen, die Lebensfunktionen überprüft und die Verletzten schnell in Krankenhäuser gebracht.“

Foto: National Archiv - Fond des Amtes für Zivil-Luftfahrt
Der Unglücksort war nur 150 Meter von Suchdol und den ersten Häusern entfernt. Auch die Anwohner haben damals mit angepackt, um den Verletzten zu helfen, erinnert sich Alena Antonyová:

„Als noch nicht viele Menschen hier waren, haben wir auch versucht zu helfen. Zum Beispiel Menschen zum Sanitätsauto zu tragen und solche Dinge. Da konnten wir wenigstens etwas Sinnvolles tun. Es ist ein gutes Gefühl, dass wegen uns vielleicht jemand überlebt hat.“

Von den 140 Menschen an Bord überlebten am Ende 41 – wie durch ein Wunder, hieß es in den Medien. Die Ursache für das Unglück war für die Anwohner damals offensichtlich. Alena Antonyova:

Foto: National Archiv - Fond des Amtes für Zivil-Luftfahrt
„Es war furchtbar nebelig, eine richtige Nebelsuppe. Da konnte der Höhenmesser nur sehr schwer eingestellt werden. Vermutlich hat er sich an der Moldau ausgerichtet, und das ist ein riesiger Unterschied. Das hat sich später bei den Untersuchungen herausgestellt: Als die Piloten das merkten, versuchten sie die Maschine hochzuziehen. Aber da war es schon zu spät.“