Vor 85 Jahren: Nationalsozialistische Planungen zur „Endlösung der tschechischen Frage“
Am 31. August 1940 wurde Adolf Hitler ein Dokument vorgelegt, das das Schicksal des tschechischen Volkes entscheidend prägen sollte. Die geplante „Endlösung der tschechischen Frage“ sah die schrittweise Germanisierung des Protektorats Böhmens und Mährens vor.
Wenngleich das Vorhaben im Gegensatz zur „Endlösung der Judenfrage“ mit keiner physischen Liquidierung der Bevölkerung rechnete, war es das Ziel, die tschechische Identität zu zerstören und aus den Tschechen gehorsame deutsche Bürger zu machen. Denn die Nationalsozialisten behaupteten, dass die Tschechen durch das jahrhundertelange Zusammenleben mit den Deutschen unterdrücktes „deutsches Blut“ in sich hätten. Geplant war, Menschen mit nachweisbar deutschen Wurzeln zu unterstützen. Alle anderen sollten nach Rassenkriterien eingeteilt werden. Manche Menschen sollten germanisiert, andere umgesiedelt werden – im Extremfall bis ans Nordpolarmeer.
„Blut und Boden“
Unter der Leitung von Reichsprotektor Konstantin von Neurath, K. H. Frank, Walther Darré und Reinhard Heydrich wurde die Böhmisch–Mährische Landgesellschaft gegründet. Ihre Aufgabe war es, tschechische Ländereien unter Deutschen zu verteilen. Im Einklang mit der Blut-und-Boden-Ideologie sollten nach und nach deutsche Familien in den ländlichen Regionen angesiedelt werden. Die realen Zahlen blieben aber weit hinter den Erwartungen der Nationalsozialisten zurück, so wurden zwischen 1941 und 1944 lediglich 6000 Volksdeutsche angesiedelt.
Nürnberger Prozesse
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die deutsche Germanisierungspolitik einer der Anklagepunkte der Nürnberger Prozesse. Verurteilt wurden nicht nur Neurath und Darré, sondern auch Beamte, die über Rassenreinheit, Ehen und Umsiedlungen entschieden hatten.







