Wehrkunde wieder da – Minister wollen Pflichtgefühl wecken

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An die tschechischen Schulen soll der Wehrkunde-Unterricht zurückkehren. Bereits im laufen Schuljahr sollen die Schüler wieder lernen, wie sie sich in gefährlichen Situationen zu verhalten haben. Die Pläne sind eine gemeinsame Initiative des Verteidigungs- und des Bildungsministeriums.

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Branná výchova – Wehrausbildung. Dieser Begriff weckt bei den meisten Tschechen Erinnerungen an ihre Schulzeit im Kommunismus. Wie zieht man eine Gasmaske auf, wie verhält man sich im Falle eines Atomkriegs und natürlich: Wie wirft man Granaten. Um solche martialischen Dinge soll es aber heutzutage nicht mehr gehen, erklärte Verteidigungsminister Vlastimil Picek am Dienstag bei einer Pressekonferenz in einer Prager Schule:

„Wir wollen auf keinen Fall zu einer Wehrausbildung zurückkehren, an die sich einige von uns noch sehr lebendig erinnern. Damals mussten wir mit Plastiktüten an Händen und Füßen sowie einer Gasmaske auf dem Kopf den nächsten Atombunker finden. Das wollen wir auf keinen Fall.“

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Heute soll es vielmehr darum gehen, das Verhalten in Krisensituationen zu üben, zum Beispiel bei Evakuierungen oder Naturkatastrophen. Man lebe schließlich nicht im Paradies auf Erden, in dem nichts passieren könne, fügte der Verteidigungsminister hinzu.

In der Grundschule sollen die Schüler zunächst im Rahmen des Sachkundeunterrichts grundlegendes Wissen über die Sicherheitsstrukturen der Tschechischen Republik lernen, zum Beispiel welche Aufgaben ein Polizist, ein Zöllner oder ein Soldat haben. In der weiterführenden Schule soll den Kindern dann vermittelt werden, welche Aufgaben die Streitkräfte bei der Landesverteidigung haben oder welche Rolle die Tschechische Republik in der Nato spiele, erklärte der Verteidigungsminister. Picek hat auch konkrete Vorstellungen, wer den Unterricht übernehmen könnte:

Vlastimil Picek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Natürlich die größte Abteilung, die wir gerade zur Verfügung haben, die vierte Brigade der schnellen Eingreiftruppe. Ihre Angehörigen könnten an dieser Aktion teilnehmen und einiges zum Thema in den Schulen sagen. Und wir dürfen die Luftstreitkräfte nicht vergessen, zum Beispiel in Čáslav.“

Denn obwohl die Armee historisch derzeit das größte Vertrauen genieße, hätten viele vergessen, dass auch der Normalbürger im Krisenfall Pflichten gegenüber dem Staat und seinen Mitbürgern habe, so Verteidigungsminister Picek. Auch der Bildungsminister sieht den neuen Wehrkundeunterricht eher in einem breiteren Kontext. Dalibor Štys will mehr Verantwortung durch Vaterlandsliebe:

Dalibor Štys (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Ich denke, das Verhalten gegenüber dem Staat ist schlecht und die Ausbildung zum Patriotismus wird vernachlässigt. Eine ganze Reihe von Problemen, die wir sehen, hat dort seine Ursachen: in einer fehlenden Erziehung zu Patriotismus und in der fehlenden Aufklärung, welche Pflichten der Bürger gegenüber dem Staat hat.“

Das Programm mit dem Namen Pokos läuft bereits seit dem 1. September an ausgewählten Schulen. Weitere Interessenten können bei den Ministerien Schulungen und Materialien beantragen. Ob das Programm aber weiterläuft, ist offen. Denn beide Minister sind nur kommissarisch im Amt.