Weltpremiere nach 144 Jahren: Dvořáks erste Oper „Alfred“ in deutscher Originalfassung

Prager Rundfunksymphonieorchester (Foto: YouTube)

Ein einzigartiges Kulturereignis wird am Mittwoch beim Musikfestival Dvořáks Prag in der tschechischen Hauptstadt erwartet. Denn zum überhaupt ersten Mal erklingt das Opernerstlingswerk von Antonín Dvořák „Alfred“ in seiner deutschen Originalfassung.

Alfred der Große (Foto: Odejea, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Der 29jährige Antonín Dvořák hat die Oper „Alfred“ im Jahr 1870 komponiert. Er vertonte ein Libretto des deutschen Romantik-Dichters Karl Theodor Körner. Es schildert den Heldenkampf der Angelsachsen unter Alfred dem Großen gegen die dänischen Wikinger. Zu Dvořáks Lebzeiten wurde seine erste Oper weder aufgeführt noch herausgegeben. Sie wurde nur einmal einstudiert, und zwar 1938 in Olmütz, damals allerdings in tschechischer Übersetzung. Beim Festival „Dvořáks Prag“ erklingt nun zum überhaupt ersten Mal die originale deutsche Version der Oper. Die Weltpremiere kommt dank der Zusammenarbeit des Tschechischen Rundfunks, des Festivals Dvořáks Prag und des Verlags ArcoDiva zustande. Das einzigartige Konzert wird mitgeschnitten und „Alfred“ soll bis Ende dieses Jahres auf einer CD herausgegeben werden. Das Orchestermaterial wurde aus dem Autograph von Mitarbeitern des Tschechischen Rundfunks und Musikhistorikern aus der Akademie der Wissenschaften vorbereitet. Die Einstudierung wurde dem deutschen Dirigenten Heiko Mathias Förster, dem Prager Rundfunksymphonieorchester und dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn anvertraut. Dirigent Heiko Mathias Förster beschreibt das Werk:

Der 29jährige Antonín Dvořák
„Als wir in die Noten hineingeschaut und alles auf Klavier für uns erstmal gespielt und erlernt haben, waren wir erstaunt, dass wir den Dvořák, den wir kennen, in diesem Stück nicht finden. Vielleicht liegt es daran, dass Dvořák selber Musiker war und im Orchester gespielt hat, und so alltäglich mit allen Einflüssen der Musik in Verbindung gekommen ist. Dabei können drei Namen erwähnt werden von Musikern, die irgendwie in diesem Werk erklingen. Das sind meiner Meinung nach Schumann, Mendelssohn und Wagner. Und da er nicht nur eine Kopie von diesen Komponisten anbieten wollte, hat er eben eine sehr überraschende, sehr chromatische, auch manchmal etwas verrückte Art gefunden, mit den Harmonien und den Akkorden umzugehen. Das stellt uns vor große Schwierigkeiten, weil man den folgenden Takt nicht erahnen kann. Die Richtung seiner Melodieführung ändert sich ständig.“

Dennoch lasse sich in dem Werk bereits ein sehr talentierter Musiker erahnen, unterstreicht der Dirigent:

Prager Rundfunksymphonieorchester mit Heiko Mathias Förster (Foto: YouTube)
„Ich möchte betonen, dass auch in dieser Oper schon ein echter, für uns bekannter Dvořák enthalten ist. Natürlich hat er Melodien erfunden, vielleicht vor allem in der Gebetsmusik im dritten Akt, wo wir den echten, fast folkloristischen und böhmischen Dvořák hören können.“

Die Einstudierung war extrem schwer. Darin sind sich der Dirigent, die Musiker und Sänger einig. Petra Froese verkörpert die Hauptfrauenfigur Alvina. Sie hat sich seit einem halben Jahr mit ihrem Part befasst:

Petra Froese (Mitte). Foto: YouTube
„Als ich die Noten aufgeklappt habe, konnte ich erstmal nicht glauben, dass ich das wirklich so singen soll. Ich konnte mir nie vorstellen, dass Dvořák so etwas hätte komponieren können, ein Werk, noch viel schwieriger als Wagner oder Strauss. Es war eine große Überraschung, aber es war nur der erste Schock. Wenn man sich dann reinsingt und die Harmonien versteht, findet man Stellen, wo man auch ein bisschen locker werden kann. Also jetzt bin ich schon sehr viel ruhiger.“

Jörg Sabrowski singt die Bariton-Rolle des Gothron in der Oper:

„Ich finde es ganz interessant, vor allen Dingen aus dem einfachen Grund, dass man sehr selten die Möglichkeit hat, von einem so bedeutenden Komponisten eine Uraufführung zu singen. Man ist der erste, der ein Stück von einem so bekannten Komponisten wie Dvořák gesungen hat, das eigentlich schon längst zur Aufführung hätte kommen müssen. Man fragt sich immer, wieso ist das noch nicht gemacht worden, und jetzt auf einmal – so viele Jahre später – wird es gemacht. Das finde ich äußerst spannend.“

Wieso ist die Oper bisher noch nicht aufgeführt worden? Das ist eine der Fragen, die Radio Prag auch dem Dirigenten Heiko Mathias Förster gestellt hat. Sie können das Interview im Kultursalon am kommenden Samstag hören.