Wertvolles prähistorisches Skelett: Lucy kommt nach Prag
Das tschechische Nationalmuseum bereitet sich auf einen seltenen Gast vor – auf Lucy. Das 3,2 Millionen Jahre alte Fossilskelett wird im Sommer für zwei Monate in Prag ausgestellt. Die Leihgabe aus Äthiopien wurde auf höchster Ebene verhandelt.
Es heißt, sie habe einen unschätzbaren Wert. Und damit ist die Ankündigung, dass Lucy erstmals im Prager Nationalmuseum ausgestellt wird, eine kleine Sensation. Ab 25. August ist es soweit. Dann wird das fossile Teilskelett der Vormenschenfrau hier für zwei Monate zu sehen sein.
Gefunden wurde es 1974 in Äthiopien, und zwar vom Team des US-amerikanischen Paläoanthropologen Donald Johanson. Weil die Wissenschaftler zu der Zeit oft den Song „Lucy In The Sky With Diamonds“ von den Beatles hörten, bekam das weibliche Skelett dann auch schnell seinen informellen, aber populären Namen. Sein Alter wurde auf 3,2 Millionen Jahre bestimmt.
Den weiteren Erkenntnissen zufolge war der weibliche Menschenaffe der Gattung Australopithecus afarensis 106 Zentimeter groß und wog etwa 30 Kilogramm. Das relativ kleine Gehirn und der obere Körperteil seien denen von Schimpansen ähnlich, erläutert Petr Velemínský, Leiter der anthropologischen Abteilung des Nationalmuseums. Dagegen sei der Knochenbau von Becken und Beinen schon der Gattung Homo zuzuordnen. Damit gehöre Lucy zu den Vorfahren des modernen Menschen, so Velemínský:
„Das Skelett ist zu etwa 40 Prozent erhalten. Weil wir uns drei bis vier Millionen Jahre in der Vergangenheit bewegen, ist das einzigartig. Durch die Forschungen von mehreren Jahren wurde belegt, dass sich das Wesen schon auf zwei Beinen bewegte, obwohl es noch auf den Bäumen lebte.“
Lucy ist inzwischen ein weltbekannter Schatz Äthiopiens. Auch der tschechische Premier, Petr Fiala (Bürgerdemokraten), hatte sie besichtigt, als er das Land 2023 besuchte. Fiala selbst hat sich dann für die Leihgabe nach Prag eingesetzt. Bei der Bekanntgabe der Ausstellung im Sommer betonte der Regierungschef am Dienstag vor der Presse:
„Es ist ein absolut einzigartiges Ereignis. Und dazu muss gesagt werden, dass die Knochenreste von Lucy im Original auch erstmals in ganz Europa gezeigt werden.“
Altertümliche Exponate aus Ägypten hatten die Kuratoren des tschechischen Nationalmuseums bereits im Jahr 2020 der hiesigen Öffentlichkeit präsentiert, nämlich im Rahmen der Ausstellung „Sluneční králové“ (Sonnenkönige). Damals betrug die Versicherungssumme etwa eine Milliarde Kronen (40 Millionen Euro). Jetzt müsse mit einem Vielfachen davon gerechnet werden, sagte Generaldirektor Michal Lukeš:
„Es handelt sich um eines der wertvollsten Sammlungsstücke auf der ganzen Welt. Dem werden alle detaillierten Planungen entsprechen. So wird natürlich der Transport im Geheimen organisiert. Dies haben wir mit den Kollegen aus Äthiopien bereits besprochen, und ich danke sowohl der tschechischen als auch der äthiopischen Regierung für die Unterstützung.“
Gemeinsam mit Lucy wird im Sommer in Prag das Kinderskelett Selam ausgestellt. Es stamme aus derselben Region, berichtet Anthropologe Velemínský:
„Es ist zehn Kilometer weiter gefunden worden, in der Fundstätte Dikika. Im Jahr 2000 stieß man dort auf die sterblichen Überreste eines zwei bis drei Jahre alten Kindes, das zur gleichen Gattung wie Lucy gehörte. Aber die Datierung zeigte, dass dieses Skelett rund 100.000 Jahre älter ist.“
Die Schau im Prager Nationalmuseum wird den Titel „Lidé“ tragen, zu Deutsch: Menschen.







