Westeuropa ist interessiert an tschechischen Arbeitskräften

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Ging noch vor Jahren in den Ländern der Europäischen Union das Schreckgespenst der billigen Arbeitkräfte aus Mittel- und Osteuropa um, so bemüht man sich heute Bürger Tschechiens, Polens und Ungarns aus allen Berufssparten mit attraktiven Arbeitsangeboten zu ködern. So scheint es auch für Tschechen so einfach wie nie zuvor, Arbeit in einem Land westlich der Landesgrenzen zu finden. Was dran ist an der so plötzlichen Meinungsänderung in Westeuropa und wie es konkret mit den Angeboten aussieht, dazu mehr von unserem freien Mitarbeiter Armin Sandmann:

In ganz Westeuropa, schon scheint es, fehlt es mehr und mehr an Arbeitkräften im produktiven Alter. Diese Löcher auf dem Arbeitmarkt müssen nun in schnellster Zeit gestopft werden, will man auf dem EU-Binnenmarkt konkurrenzfähig bleiben. Speziell auf dem Gebiet der Computer - und Telekommunikationstechnik fehlt es an qualifizierten Arbeitkräften. So machte Deutschland den ersten Schritt, als man vor einigen Monaten bis zu 20.000 Aufenthaltsgenehmigungen und Arbeitgenehmigungen für ausländische Bürger in Aussicht stellte. Ein weiteres Land, wo Telekommunikationstechniker gesucht werden ist Irland. Doch auch andere Berufssparten sind gefragt. So warten auf Kellner, Serviererinnen und Köche eine reiche Auswahl an Erwerbsmöglichkeiten. 30.000 bis 75.000 Kronen, ca. 1700 bis 4200 DM, kann das monatliche Bruttoeinkommen ausmachen. Dies bedeutet das 4 bis 5-fache von dem, was man in der gleichen Berufssparte in Tschechien verdienen würde. In Norwegen hingegen werden zum Beispiel eher Krankenschwestern und weiteres Pflegepersonal gesucht. Aber auch die klassischen Handwerksberufe aus dem Baugewerbe sind in den westlichen Nachbarländern Tschechiens gefragt.

Zu den exotischeren Angeboten, die von vielen tschechischen Jugendlichen heute auch genutzt werden, gehört die Arbeit auf einem Luxusliner in der Karibik. Ob sich dies auszahlt, dazu die Wirtschaftsstudentin Michaela Skalnikova aus Brünn:

"Sicher hat es sich für mich ausgezahlt, obwohl diese Arbeit als Serviererin eigentlich nicht meinem Bildungsstand entspricht, doch aus dieser Sicht darf man die ganze Angelegenheit nicht betrachten. Es war interessant, man hat etwas neues hinzugelernt und finanziell war es auch zufriedenstellend."

Doch die Tschechen sind trotz der willkommenen Angebote, im Ausland Geld verdienen zu können, recht träge. Daher noch einmal abschließend Michaela Skalnikova zur Frage, ob sie ihren Mitbürgern die Erfahrungen mit einer Anstellung im Ausland empfehlen kann:

"Ich würde meinen Mitbürgern, die einen abenteuerlichen Geist haben und sich nicht fürchten auf eigene Füssen zu stehen, solch eine Erfahrung empfehlen. Manchmal kann man sich gar nicht vorher vorstellen, was mit solch einem Auslandsarbeitsaufenthalt alles verbunden sein kann."

Autor: Armin Sandmann
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