Widerstand gegen die Landkreisreformen

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Die neuen Landkreise - oder wie man aus Mährern Böhmen macht, so könnte man wohl das Folgende treffend überschreiben. Seit dem 1. Januar ist die Tschechische Republik nämlich in neue Landkreise eingeteilt. In diesen fehlt es zwar noch an Amtsgebäuden und verwaltungstechnischer Ausstattung - an unzufriedenen Bürgern, die sich entweder zum falschen Landkreis zugeteilt fühlen oder die Bezeichnung ihres Landkreises gerne ändern würden, fehlt es jedoch nicht. Über einen besonders delikaten Fall berichtet Olaf Barth.

Das kleine Städtchen Jevicko - ungefähr 50 km nördlich der mährischen Metropole Brünn gelegen - gehört seit dem neuen Jahrtausend zum böhmischen Landkreis Pardubice. Und das obwohl die Stadt Pardubice mehr als 100km entfernt ist, während man z.B. ins mährische Olomouc/ Olmütz nur etwa 30 Km zurücklegen muss.

Kein Wunder also, dass die Mehrheit der Bewohner empört ist. Schließlich sei er Mähre und Jevicko hätte schon seit anno dazumal zu Mähren gehört, warum sollte man also jetzt ein Teil eines böhmischen Landkreises werden, entrüstet sich denn auch ein schon etwas betagterer Ureinwohner Jevickos.

Wie man die missliche Situation lösen wolle, fragten wir den Bürgermeister Jevickos, Peter Spacil:

"Diese Situation versuchen wir schon seit zwei Jahren mittels verschiedener Petitionen zu lösen, die die Bürgerinitiative "pro Beitritt zum Brünner Landkreis" ausarbeitet. Aber die Landkreisvertretung hat eindeutig dagegen Position bezogen. Für uns ist einfach die Erhaltung der Mikroregion "mährisch Trebov" wichtig, die praktisch schon drei Jahre existiert und bereits einige Ergebnisse vorzuweisen hat. Das ist für unsere Stadt entscheidend."

Und wie schätzt er demzufolge die Chancen auf einen Beitritt zu einem anderen Landkreis ein,

"Meine persönliche Meinung ist, dass es schwer, sehr schwer sein wird, überhaupt eine Ausnahme im Parlament durchzusetzen."

Aber selbst wenn dies gelänge, wüsste man in Jevicko noch immer nicht, welchem Landkreis man sich dann anschließen sollte: Die eine Hälfte plädiert nämlich für Brünn und die andere für Olmütz. Schwere Zeiten also für alle mährischen Patrioten in Jevicko.

Autor: Olaf Barth
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