Wirklich die letzten Worte? Analyse des Masaryk-Briefes präsentiert
Vor einem Monat wurde auf Schloss Lány unter großem öffentlichem Interesse ein Brief geöffnet, der angeblich die letzte Botschaft von Tomáš Garrigue Masaryk enthielt. Der erste Präsident der Tschechoslowakei hatte, wie sich zeigte, seinem Sohn vom Krankenbett aus einige grundlegende Gedanken diktiert. Das Dokument ist nun umfassend untersucht worden, und die Analyse wurde am Mittwochabend live im Tschechischen Rundfunk präsentiert.
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„Ich bin krank, ernsthaft krank. Das ist das Ende. Aber ich habe keine Angst. Ihr führt die Arbeit weiter. Ihr wisst, wie. Ihr müsst vorsichtig sein. Achtung. Aber ihr wisst, wie man sich verhalten soll. Darum muss ich nichts mehr sagen. Ich bin ganz überflüssig. Ganz überflüssig.“
So beginnt jenes historische Dokument, das wohl in diesem Jahr die meiste Aufmerksamkeit in Tschechien erregt hat. Milan Vojáček, der Direktor des tschechischen Nationalarchivs, verlas am Mittwochabend den Brief von Tomáš Garrigue Masaryk in Gänze, live übertragen vom Tschechischen Rundfunk.
Was bis zum Öffnungsdatum am 19. September dieses Jahres als die wohl letzte Botschaft des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei an das Volk gehandelt wurde, ist nun einen Monat lang von den führenden Historikern und Archivaren des Landes eingehend analysiert worden. Vojáček verlas in der Sondersendung am Mittwoch die wortwörtliche Übersetzung aus dem englischen Original ins Tschechische. Masaryks Sohn Jan hat, wie man bereits weiß, diese Äußerungen seines Vaters an dessen Krankenbett notiert. Weiter erläuterte Vojáček:
„Unsere Konservatoren haben herausgefunden, dass die Notizen mit einem nicht angespitzten Bleistift gemacht wurden. Sie sind auf Papierbögen geschrieben, die Initialen und Monogramme zeigen, die per Hand aufgetragen wurden. Es handelt sich um sehr gutes Papier, und die Blätter wurden dann in das gleiche Format geschnitten. Wahrscheinlich waren es zunächst unterschiedliche Bögen. Es ist also eine gewisse Eile bei den Aufzeichnungen zu erkennen.“
Das Dokument stamme mit Sicherheit aus dem Jahr 1934, konstatierte Dagmar Hajková vom Masaryk-Institut und Archiv der Akademie der Wissenschaften. Dies hätten die Vergleiche mit Archivalien aus derselben Zeit ergeben. Weiter betonte die Historikerin, bei den Notizen handle es sich nicht um einen Brief oder eine Botschaft an die Nation, wie vorher lange angenommen wurde:
„Am 31. August 1934 überträgt Jan Masaryk seine Notizen in Reinschrift und mit einem Füllfederhalter. Er gibt als Ort Schloss Lány sowie besagtes Datum an und schreibt, diese Worte habe Tomáš Garrigue Masaryk in Anwesenheit von Edvard Beneš vorgetragen. Wir können also feststellen, dass dies gewisse Instruktionen an Beneš sind, die gegenüber Jan Masaryk gemacht wurden.“
Edvard Beneš, 1934 noch tschechoslowakischer Außenminister, wurde im Jahr darauf als Nachfolger Tomáš Garrigue Masaryks ins Präsidentenamt gewählt. Masaryk ging offenbar schon beim Diktat seiner Gedanken an seinen Sohn davon aus, im Sterben zu liegen. Er lebte jedoch noch bis zum 14. September 1937, allerdings weiterhin schwer krank. Zunächst sei die Öffentlichkeit noch nicht regelmäßig über den Gesundheitszustand des Präsidenten informiert worden, schilderte Hajková. Erst 1937 wurden die ärztlichen Berichte veröffentlicht:
„Er starb im Prinzip in Live-Übertragung. Im Radio wurde damals sehr oft verkündet, wie es Masaryk gerade gehe. Wenn sich sein Zustand besserte, wurde angeblich auch fröhlichere Musik gespielt. Wenn sich der Zustand jedoch verschlimmerte, waren ernstere Klänge zu hören.“
Es habe sie überrascht, auf welch enormes Interesse der Masaryk-Umschlag und seine Öffnung in diesem Jahr gestoßen seien, merkte Hajková zudem an. Sie sei froh, dass diese historische Figur in Tschechien wieder zum Thema geworden ist. Und Archivdirektor Vojáček fügte hinzu:
„Für mich ist wichtig, dass wir erreicht haben, was wir wollten – dass Masaryk nämlich wieder in die Schulen kommt. Außerdem werden damit die Arbeit und die Bedeutung von Archiven für die Gesellschaft wieder sichtbar.“
Das Nationalarchiv im Prager Stadtteil Chodov stellt das Originaldokument kommende Woche von Dienstag (21. Oktober) bis Freitag (24. Oktober) für die Öffentlichkeit aus. Fotos der Papierbögen, ihr gesamter Inhalt sowie Analysen und Kommentare sind auf einer Sonderseite des Tschechischen Rundfunks zu sehen, nämlich unter www.irozhlas.cz/tajemnaobalka.
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