Wirtschafts-Wochenrückblick: 3. bis 9. September

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Tschechien sorgt sich um seinen Export und erhebt Einspruch gegen die Russland-Sanktionen. Die tschechische Industrie wächst jedoch, insbesondere der Automobilsektor. Dies sind nur zwei Meldungen zu den Wirtschaftsthemen, über die in der vorigen Woche berichtet wurde. Die Informationen dazu sind im aktuellen WirtschaftsCzech zusammengefasst, es sind Meldungen vom 3. September bis 9. September 2014.

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Die tschechische Industrieproduktion wächst weiter. Im Juli wurde ein Anstieg von 8,6 Prozent verzeichnet, wie das Tschechische Statistikamt am Montag mitteilte. Der Zuwachs lag im Vormonat Juni noch bei 8,3 Prozent. Den Hauptanteil am Wachstum hatte die Automobilindustrie. Auch der Export entwickelte sich im Juli positiv, die Bauproduktion musste hingegen einen Einbruch von 3,7 Prozent hinnehmen. Das Statistikamt machte darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse dieser Monate von den landesweiten Sommerferien beeinflusst waren. In der Industrie habe der Umfang neuer Aufträge im Juli um 17,6 Prozent zugenommen, auch hierbei sei die Automobilproduktion führend gewesen. Experten befürchten jedoch, dass die Zuwächse in der Industrie in den kommenden Monaten etwa aufgrund der Russland-Sanktionen wieder geringer sein könnten.


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Unter anderem wegen dieser Befürchtungen hat das tschechische Kabinett vergangene Woche beschlossen, dass Premier Bohuslav Sobotka gegen einige der geplanten Strafmaßnahmen bei der EU Einspruch einlegen darf. Der Premier will erreichen, dass insbesondere sogenannte Dual-Use-Güter weiter ausgeführt werden können. Das sind Maschinen und Technologien, die sowohl im zivilen Bereich wie auch militärisch genutzt werden können. Das tschechische Industrieministerium hat für dieses Jahr bereits genehmigt, dass Dual-Use-Güter im Wert von umgerechnet rund 61 Millionen Euro nach Russland verkauft werden dürfen. Industrie- und Gewerkschaftsverbände reagierten daher in der Mehrheit erleichtert auf den Beschluss des Kabinetts. Doch es gab auch scharfe Kritik an Sobotkas Vorstoß, insbesondere von den mitregierenden Christdemokraten und der Oppositionspartei Top 09. Vertreter beider Parteien mahnten eine klare Haltung zu Werten wie Freiheit und Demokratie an.


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Die Deflationsgefahr scheint in Tschechien gebannt. Im August stiegen die Verbraucherpreise stärker als erwartet, im Jahresvergleich standen plus 0,6 Prozent zu Buch. Dies geht aus den Zahlen hervor, die das tschechische Statistikamt vergangene Woche veröffentlicht hat. Die Schätzungen der Nationalbank hatten indes um zwei Prozentpunkte niedriger gelegen. Zur Beschleunigung beim Anstieg der Verbraucherpreise trugen vor allem Lebensmittel wie Reis, Eier, Pflanzenfett und Zitrusfrüchte bei, führt das Statistikamt an. Zugleich hätten auch die Preise für Schuhe und Kleidung angezogen, hieß es weiter. Die Nationalbank hatte im November vergangenen Jahres begonnen, die tschechische Krone durch den Verkauf von Reserven auf dem Devisenmarkt zu schwächen. Dadurch sollte eine Deflation verhindert werden. Dieses Ziel haben die Währungshüter jetzt wohl erreicht.


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Aber auch aus einzelnen Branchen gibt es positive Berichte. Die tschechische Schuhindustrie verzeichnete 2013 einen Aufwärtstrend. Auf der einen Seite wurden weniger Schuhe als im Jahr zuvor importiert, auf der anderen Seite wurde eine Rekord-Zahl an tschechischen Schuhen exportiert. Im Jahr 2013 wurden fast doppelt so viele Schuhe aus Tschechien im Ausland verkauft wie im Jahr zuvor. Dieser Trend gilt aber ebenso für einige Nachbarländer Tschechiens: Auch deutschen Schuhfirmen etwa gelang es, die Massenproduktion aus Asien etwas vom europäischen Markt zu verdrängen. Die absoluten Zahlen sprechen allerdings noch eine andere Sprache. So sind im Jahr 2013 mehr als 104 Millionen Paar Schuhe nach Tschechien eingeführt worden. Demgegenüber wurden 64 Millionen Paar Schuhe aus Tschechien exportiert. Weitere vier Millionen Paar Schuhe wurden laut dem tschechischen Verband für Schuh- und Lederwaren für den Binnenmarkt produziert.


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Neben der Schuhproduktion steigt auch die Hopfenproduktion in Tschechien. Nach 14 Jahren wurde die Fläche der Hopfenfelder hierzulande auf insgesamt 4460 Hektar Fläche erweitert. In diesem Jahr werden die Züchter etwa 5600 bis 5800 Tonnen Hopfen ernten. Der Vorsitzende des Verbandes der tschechischen Hopfenpflanzer, Luboš Hejda, teilte vergangene Woche mit, dass bereits etwa zwei Drittel Hopfen geerntet worden seien. Dank des milden Winters begannen die Arbeiten auf den Feldern im Frühjahr früher als sonst. Während es im Frühling vor allem in der Region von Rakovník und in Mähren wenige Niederschläge gab, regnete es im Sommer ausreichend. Etwa 80 Prozent der Ernte wird exportiert: vor allem nach Japan, Deutschland, China und Russland. Tschechien ist der drittgrößte Hopfenproduzent der Welt und der größte Produzent von leicht aromatischem Hopfen.