"Zeitloser" Don Giovanni im Prager Ständetheater

Ständetheater (Foto: CzechTourism)

Die Weltpremiere von Mozarts Oper Don Giovanni fand vor 225 Jahren im Prager Ständetheater statt. Das Ständetheater ist das einzige erhalten gebliebene und immer noch funktionierende Theater, in dem eine von Mozarts Opern uraufgeführt wurde und in dem der Komponist persönlich am Dirigentenpult stand. Don Giovanni wird zudem bis heute in dem Prager Opernhaus gespielt. Am vergangenen Samstag fand die Premiere einer Neuinszenierung von Don Giovanni im Ständetheater statt.

Foto: ČT 24
Beifall erhielten nach der Premiere vor allem Dirigent Tomáš Netopil sowie alle Solistinnen und Solisten. Netopil ist seit 2009 Chefdirigent des Orchesters des Prager Nationaltheaters. Don Giovanni ist die vierte Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, die er mit dem Ensemble des Nationaltheaters einstudiert hat. Don Giovanni habe er zum ersten Mal als 14-Jähriger gehört, erzählt Tomáš Netopil:

„Ich habe damals am Konservatorium von meinem Violinprofessor eine Aufnahme von Don Giovanni bekommen. Es war eine bezaubernde Begegnung mit Mozarts Musik, die mich zwei, drei Jahre in Bann hielt. Später studierte ich diese Oper als Dirigent in Triest ein. Nun ist dies meine dritte Begegnung mit Don Giovanni, wenn ich die Inszenierung in der Semperoper in Dresden nicht einberechne, die ich vor zwei Jahren als Dirigent übernommen hatte.“

Für die Neuinszenierung wurden junge Solistinnen und Solisten engagiert. Bis auf eine Ausnahme sind es tschechische Opernsängerinnen und Opernsänger. Die Zusammenarbeit mit den Solisten war Netopil zufolge interessant, aber auch anspruchsvoll:

„Denn die Mehrheit der Solisten hat schon einmal in Don Giovanni gesungen. Es ist immer schwierig, wieder sozusagen auf Start zurückzukehren und bei der Arbeit an der Rolle von Neuem zu beginnen. Dasselbe gilt für das Orchester. Don Giovanni wurde zuvor in Prag bis Dezember vergangenen Jahres aufgeführt.“

Seit der Weltpremiere von Don Giovanni haben die Zuschauer im Ständetheater viele traditionelle Inszenierungen dieser Oper erlebt. Legendär ist jene von Regisseur Václav Kašlík aus dem Jahr 1969. Der international anerkannte tschechische Bühnenbildner Josef Svoboda nutzte damals genial den historischen Raum des Theaters. Danach gab es bereits mehrere Versuche, die Geschichte von Don Giovanni in die Gegenwart zu versetzen.

Martin Kukučka (Foto: ČTK)
Die Regie der neuesten Inszenierung hatte das Regisseurduo „Skutr“. Martin Kukučka und Lukáš Trpišovský sind beide 1979 geboren, und ihre Theaterprojekte wurden schon mit internationalen Preisen ausgezeichnet. In diesem Fall handle es sich aber nicht um eine Versetzung von Don Giovanni in die Gegenwart, kündigten die beiden Regisseure vor der Premiere an. Don Giovanni spiele sich in ihrer Regie vielmehr in einem zeitlosen Umfeld ab. Martin Kukučka:

„Don Giovanni wurde als eine hervorragende Situationskomödie geschrieben, in der die zwischenmenschlichen Beziehungen ausschlaggebend sind. Uns ging es darum, die Beziehung zwischen Don Giovanni und dem Komtur, den er getötet hat, gründlicher zu erforschen. Diese Beziehung haben wir als Thema hervorgehoben. Dazu dient uns auch das Bühnenbild, wir arbeiten mit mehreren Metaphern. Wir hoffen, dass die Vorstellung auch Leute anspricht, die ansonsten nur wenig ins Theater gehen. Das ist unsere Vision.“

Foto: Archiv des Nationaltheaters
Doch dafür muss sich der Zuschauer in dem Labyrinth der Personen und Metaphern zurechtfinden, die bei der Inszenierung zu hören und zu sehen sind. Der Musik tut das indes keinen Abbruch. In dieser Saison wird Don Giovanni noch bis Ende Juni gespielt. Die Oper der Opern soll aber auch in der nächsten Saison auf dem Programm stehen.