Zemans Wirtschaftsvisionen

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Der tschechische Premierminister Milos Zeman hat am Donnerstag auf der Konferenz "Wirtschaft in der Tschechischen Republik im Jahre 2000" viele der Anwesenden mit einer überschwänglichen Prognose überrascht. Olaf Barth berichtet.

Milos Zeman betätigte sich nämlich als Wirtschaftsweiser und prophezeite für sein Land ein Wirtschaftswachstum von sechs Prozent. Nach Meinung des Premiers soll diese Wachstumsquote bereits im Jahr 2003 oder 2004 erreicht werden. Im Jahr 2000 betrug der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes 3,1 Prozent. Laut Zemans Wachstumswunschzettel soll das tschechische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr aber um 4 und im nächsten um 5 Prozent wachsen - zumindest sofern es zu keinen von außen einwirkenden Turbulenzen komme.

Wie der hoffnungsfrohe Wirtschaftsexperte Zeman zu solchen optimistischen Prognosen kommt, blieb bisher offen. Die Zahlen der Opposition sehen naturgemäß anders aus. So hält ODS- Chef Vaclav Klaus einen Zuwachs von 3,5 % für realistisch. Die Wirtschaftsfachleute der Tschechischen Nationalbank sprechen von einer Spanne zwischen 1,7 und 3,7 Prozent, der Internationale Währungsfonds hingegen von 3%.

Miroslav Sevcik vom Liberalen Institut bezeichnet Zemans Prognose als einen frommen Wunsch:

"Dieses Versprechen bewegt sich eher in der Sphäre von Science Fiction. Ein solches Wachstumstempo können wir erst dann erwarten, wenn sich hier ein unternehmerisches Klima entwickelt hat und wenn der Einfluss des Staates reduziert sein wird."

In das gleiche Horn stieß auch der vor allem durch seine ausgedehnten Kuba-Reisen zu internationaler Bekanntheit gelangte Finanzminister des Schattenkabinetts der Viererkoalition, Ivan Pilip (ZITAT): "Ein sechsprozentiges Wachstum wäre möglich, aber dazu müsste die Regierung einige grundlegende Reformen durchführen. Ansonsten lässt sich das nicht realisieren."

Die geforderten Reformen beziehen sich u.a. auf Maßnahmen zur Reduzierung der Verschuldung der öffentlichen Hand. Und dort weiß sich die Opposition mit der EU einig, die in dieser Woche das sich vergrößernde Haushaltsdefizit Tschechiens kritisierte. Aus EU-Kommissionskreisen hieß es dazu, dass falls diese Situation anhalten werde, sich dies negativ im kommenden EU-Bewertungsbericht niederschlagen könne.

Autor: Olaf Barth
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