Zinnschatz und Kapuzinerbibliothek in Sušice

Foto: Nissan0, Wikimedia CC BY-SA 3.0

Sušice / Schüttenhofen liegt in Südwestböhmen und wird oft das „Tor in den Böhmerwald“ genannt. In der Vergangenheit ist der Ort als Zündholzstadt weltweit bekannt geworden. Die Herstellungsgeschichte von Streichhölzern ist daher auch das Thema einer Dauerausstellung im dortigen Böhmerwaldmuseum. Vor zwei Wochen haben wir Sie in unserer Sendung bereits durch diese Dauerausstellung geführt. In der heutigen Ausgabe der Sendereihe „Reiseland Tschechien“ besuchen wir nun die anderen Expositionen im Museum von Sušice.

Foto: Martina Schneibergová
Das Böhmerwaldmuseum ist in einem historischen Haus am Markplatz von Sušice untergebracht. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss stehen im Zeichen der Zündholzproduktion. Einige Treppenstufen hinauf geht es in die weiteren Dauerausstellungen. Jan Lhoták ist Historiker des Museums in Sušice. Im Interview verrät er mehr über die Geschichte der Institution:

„Das Museum in Sušice wurde 1880 ins Leben gerufen, und zwar vom hiesigen Lehrer Josef Holík. Er war allgemein eine wichtige Persönlichkeit in der Stadtgeschichte, denn er gründete auch die erste Zeitung in Sušice.“

War das Museum von Anfang an in diesem historischen Haus untergebracht?

„Nein. Zuerst befand sich das Museum im Rathaus. Erst in den 1930er Jahren zog es in dieses Gebäude um. Die Räumlichkeiten sind aber mittlerweile für das Museum zu klein. Darum haben wir zwei Museumsabteilungen ausgelagert: nach Kašperské Hory / Bergreichenstein und nach Železná Ruda / Markt Eisenstein. 1880 nannte sich unsere Institution einfach ‚Stadtmuseum‘, 1960 wurde es bereits zum Kreismuseum erhoben. Heute ist es nicht nur ein Museum, das sich auf die Stadt oder die Gegend von Sušice beschränkt, sondern es ist für den ganzen Böhmerwald zuständig.“

Böhmerwaldmuseum (Foto: Archiv des Böhmerwaldmuseums)
Welche Dauerausstellungen gibt es im Böhmerwaldmuseum?

„Im Museumsgebäude in Sušice steht die Geschichte der Zündholzproduktion im Vordergrund. Zudem wird hier der sogenannte ´Zinnschatz´ ausgestellt, es handelt sich dabei um einen sehr interessanten Fund aus dem 20. Jahrhundert. In einer weiteren Dauerausstellung werden bürgerliche Wohnungseinrichtungen des 19. Jahrhunderts dargestellt. Schließlich wird hier noch die Kapuzinerbibliothek aufbewahrt, denn in Sušice besteht seit dem 17. Jahrhundert ein Kapuzinerkloster. In Kašperské Hory wiederum steht die Glasproduktion im Böhmerwald im Blickpunkt. Glas ist auch eines der Hauptthemen in Železná Ruda. Das Museum ist dort im Haus untergebracht, in dem früher die Glasmacherfamilie Abele wohnte. Eine weitere Dauerausstellung in Železná Ruda konzentriert sich auf das Schmiedewesen.“

Jan Lhoták (Foto: Martina Schneibergová)
Das Böhmerwaldmuseum besitzt eine einzigartige Sammlung von Zinngeschirr. Das Geschirr wurde 1930 in einem Wohnhaus auf dem Marktplatz von Sušice gefunden. Arbeiter fanden es bei Renovierungsarbeiten. Sie versuchten aber, Teile des Zinnschatzes zu unterschlagen. Die Polizei musste die einzelnen Stücke mühsam wieder zusammensuchen. Jan Lhoták:

„Seit 1937 wird der ganze Fund in unserem Museum aufbewahrt. Insgesamt handelt es sich um etwa 70 Teile Zinngeschirr: um Schüsseln, Teller, Kannen und anderes mehr.“

Aus welcher Zeit stammt das Zinngeschirr?

„Die Zinngeschirrsammlung stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Ein gewisser Adam Čech lebte damals hier in der Stadt, er war Protestant. Als er die Stadt verlassen musste, mauerte er den Zinnschatz in seinem Haus ein. Erst Jahrhunderte später wurde dann der Schatz gefunden.“

Klosterkirche Sankt Felix (Foto: Nissan0, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Auch ein weiterer Teil des Museumsbestandes bezieht sich auf den Dreißigjährigen Krieg. Damals beschlossen die Bürger der Stadt, einen Kirchenorden nach Sušice zu holen, der den vom Krieg gezeichneten Bewohnern geistlichen Trost spenden sollte. Daher ließen sich Kapuziner dort nieder. 1655 wurde deren neue Klosterkirche Sankt Felix feierlich geweiht, einige Jahre später wurde das Klostergebäude errichtet. Im 17. und 18. Jahrhundert lebten etwa 15 bis 20 Kapuziner in Sušice, die vor allem Seelsorge betrieben. Das Klosterleben wurde größtenteils aus Spenden von Adeligen und Bürgern der Stadt finanziert. Die Ordensbrüder waren dafür dankbar, und als 1707 ein großer Brand in der Stadt ausbrach, halfen sie tatkräftig den Einwohnern. Unter Josef II. und während der Napoleonischen Kriege wurden den Kapuzinern staatlicherseits sämtliche Gold- und Silbergegenstände abgenommen. Das Kloster hatte jedoch eine sehr wertvolle Bibliothek, und diese wird heute vom Böhmerwaldmuseum verwaltet. Der Historiker über die Bibliothek:

Kapuzinerkloster (Foto: Jiekeren, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Natürlich gibt es hier geistliche Literatur, aber auch Geschichtsbücher. Das Kloster wurde 1657 gegründet, die meisten älteren Bücher stammen also aus dem 17. Jahrhundert. Wir haben hier aber auch 15 oder 16 Inkunabeln, die Wiegendrucke genannt werden. Diese stammen aus dem 15. Jahrhundert. Zudem befindet sich Literatur aus dem 19. und 20. Jahrhundert in den Regalen. Die Bibliothek wurde nach der Auflösung des Ordens im Jahre 1950 geschlossen, sodass es hier Literatur bis 1950 gibt. Die Bibliothek ist im Besitz des Kapuzinerordens, dem Museum wurde sie nur geliehen.“

Im Museum in Sušice ist nach einigen Monaten wieder die berühmte mechanische Weihnachtskrippe in Betrieb. Besichtigen kann man sie das ganze Jahr hindurch. Das Böhmerwaldmuseum ist von Dienstag bis Samstag von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

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