Zusammenarbeit im tschechisch-deutschen Grenzgebiet

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Willkommen zu Begegnungen sagt Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, Martin Jezek. Diesmal wollen wir einen Blick sozusagen in die eigenen Reihen werfen.

Es geht um eine Zusammenarbeit im tschechisch-deutschen Grenzgebiet. Und es geht - wie angedeutet - um das journalistische Metier!

Schmuggel, Diebstahl, Sextourismus. Das sind die häufigsten Themen in den Regionalzeitungen an der tschechisch-deutschen Grenze. Sozusagen anspruchsvollere Themen kommen nur selten. Letztes Wochenende hat sich im nordbayerischen Hof eine Gruppe angehender Journalisten zusammengeschlossen, die das ändern wollen.

So einer der Teilnehmer, Michal Farkas. Nicht nur über Positives wollen die 20 jungen Journalisten berichten. Sie waren ein Wochenende lang auf der Suche nach allen möglichen gemeinsamen tschechisch-deutschen Themen.

Die jungen Journalisten aus Böhmen, Bayern und Sachsen nehmen am so genannten "West- Ost- Recherche-Projekt" teil. Warum gerade ein Recherche-Projekt? Was war der erste Impuls für die Entstehung des Projektes? Das erläutert der Projektleiter Georg Schatz selbst.

Das Wochenede in Hof war nur der Anfang des Ganzen. Die Journalisten sollten vor allem Inspiration finden, wo die Themen liegen könnten. Sie haben sich am Samstag den französischen Film Gadjo Dilo - Geliebter Fremder von Tony Gatliff angesehen. Der Film erzählt vom Roma-Ethnikum in Rumänien. Und ein fremder will auf einmal zu ihnen gehören. Mit den Filmpublizisten Jan Kastner und Holger Twele haben die Journalisten anschliessend darüber diskutiert, welche Vorurteile oder sogar Angst vor dem Fremden im Film thematisiert werden.

Das wichtigste haben aber alle noch vor sich. Sie werden ein halbes Jahr Zeit haben, um tiefgehende Recherchen zu ihrem Thema zu machen. Jenseits der Grenze, wohlgemerkt. In der Gruppe mussten alle deswegen jeweils einen Partner aus dem Nachbarland finden. Die Themen sind da, die Partner auch. Peter Astashenko aus dem oberpfälzischen Wiesau will eine Reportage über die Polizei und den Rettungsdienst in Cheb/Eger machen und sein tschechischer Partner Tomas Prochazka will den Lesern einen Einblick in den grenzübergreifenden Holzhandel vermitteln. Alle Beiträge sollen laut der Organisatoren in den Zeitungen und Radiostationen der Grenzregionen erscheinen und gesendet werden. Der Projektleiter Georg Schatz sagte, dass das Rechercheprojekt auf einer Partnerschaft mit Regionalmedien basiert. Trotz der grossen Arbeit, die noch ansteht, zeigen sich alle sehr enthusiastisch. Jiri Tous aus Pilsen hat eine klare Meinung:

"Ich denke, dass es ein super Gedanke ist. Als ich hierher kam, wusste ich nicht genau, was ich erwarten soll. Es sind aber Leute hier, die die regionalen Medien gut verstehen. Ich will mehr aus der journalistischen Arbeit lernen."