Zwei Jahre nach Havels Tod: Sein Vermächtnis wird hochgehalten

Foto: Kristýna Maková

Am 18. Dezember jährt sich zum zweiten Male der Tag, an dem einer der bedeutendsten Tschechen des 20. Jahrhunderts verstorben ist: der Dichterpräsident Václav Havel. Aus diesem Anlass wird am Mittwoch hierzulande mit vielfältigen Veranstaltungen der großen Vaterfigur der Samtenen Revolution von 1989 gedacht. Aber auch im Ausland wird Havel geehrt.

Foto: Kristýna Maková
Einer der Orte, an dem das Vermächtnis von Václav Havel besonders hochgehalten wird, ist die nordböhmische Stadt Litoměřice / Leitmeritz. Das liegt nicht zuletzt an einem Geistlichen, der hier aktiv ist: der evangelische Pfarrer Zdeněk Bárta. Als einer der ersten unterschrieb Bárta vor 36 Jahren die Charta 77, die Václav Havel initiiert hatte. Später traf er mit dem damaligen Oppositionellen zusammen. Wie Havel wurde auch Bárta von der kommunistischen Polizei verhört. Der Pfarrer erinnert sich:

„Das sind diese Momente, in denen man spürt: Man darf nichts Schlechtes tun, um sich nicht vor den Menschen, die man gerne hat oder die für einen ein Vorbild sind, schämen zu müssen. Und Havel war für mich ein solches Vorbild, vielleicht sogar das wichtigste. Das hat mich sehr stark gemacht.“

Zdeněk Bárta (Foto: Ben Skála, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Heute, zwei Jahre nach dem Tod des Dichters, Dissidenten und Präsidenten, spricht Bárta offen aus, was er ohne Václav Havel besonders vermisse:

„Havel war ein feiner Mensch und dennoch eine Führungspersönlichkeit. Wir haben derzeit keine intellektuellen Vorbilder, die glaubhaft sind und denen die Leute von Vornherein vertrauen. Damals haben viele von uns die Charta 77 unterschrieben, ohne Havel zuvor persönlich kennengelernt zu haben. Wir sind ihm auch dann noch gefolgt, als es nur wenig Erfolg versprach. Seine Aura wirkte einfach. Und das fehlt mir.“

Magda Vášáryová (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Nach der Samtenen Revolution von 1989 wurde Václav Havel Präsident der föderativen Tschechoslowakei. Auf seine Empfehlung wurde kurz danach die von ihm geschätzte slowakische Schauspielerin Magda Vášáryová als Botschafterin nach Wien berufen. In dieser Funktion war sie einige Zeit später auch eine der ersten, die Havel offen sagten, dass sich die Slowakei vom tschechischen Landesteil abspalten wolle. Das habe ihm damals gar nicht gefallen, sagt Vášáryová:

„Václav hat mit mir geschimpft, er war mir lange Zeit auch böse wegen dieser Botschaft. Er hatte nämlich andere Pläne. So wollte er mich zur Vizepräsidentin der Tschechoslowakei machen, denn er hoffte, damit etwas für den Zusammenhalt des Landes tun zu können.“

Bertrand Delanoë (Foto: Marie-Lan Nguyen, Wikimedia CC BY 2.5)
Das klappte aber nicht, doch Havels Verdienste für die Erringung von Freiheit und Demokratie in der Tschechoslowakei der Nach-Wende-Zeit sind unbestritten. Dafür erfreut er sich besonders in den USA bis heute großer Popularität. Zum 77. Geburtstag, den Havel dieses Jahr gefeiert hätte, wurde zum Beispiel im Campus der Georgetown-Universität in Washington ein Gedenkort für ihn eingerichtet. Dem feierlichen Akt wohnte auch die mit Havel befreundete ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright bei. In Paris wurde zudem unlängst eine neue Bibliothek nach Václav Havel benannt. Bei der Einweihung sagte der Pariser Oberbürgermeister Bertrand Delanoë über Havel:

„Ich war froh darüber, dass ein intellektueller und kreativer Mensch wie er zum Präsidenten wurde.“

Aber auch unter Tschechiens Künstlern wird Havels Vermächtnis hochgehalten. So hat die Folkband Marien dieser Tage das Lied „Stopy z mysu Roca“ herausgebracht – eine Hommage an Václav Havel und seine Aussage „Wahrheit und Liebe müssen über Lüge und Hass siegen“ (Pravda s láskou přeci musí zvítězit nad lží a nenávistí).