Zwei Tschechinnen in Ägypten an Säurevergiftung gestorben – Gatte und Vater der Toten unter Mordverdacht

Foto: ČT24

Am vergangenen Dienstag schreckte eine traurige Nachricht die tschechische Öffentlichkeit auf: Im ägyptischen Urlaubsort Hurghada wurden zwei Tschechinnen, eine 36-jährige Frau und ihre 8-jährige Tochter, in ihrem Hotelzimmer tot aufgefunden. Was jedoch ursprünglich wie die Folge einer Lebensmittelvergiftung aussah, scheint nun doch ein Kriminalfall zu sein. Die Obduktion hat nämlich ergeben, dass die Toten an einer Säurevergiftung gestorben sind. Und dass eine Fremdeinwirkung, also Mord, dabei nicht auszuschließen sei. Als Hauptverdächtiger gilt mittlerweile der Ehemann und Vater der Getöteten, obwohl er selbst mit schwerwiegenden Darmproblemen in einem örtlichen Krankenhaus behandelt wurde.

Hurghada (Foto: Free Domain)
Im vorliegenden Fall sind sich alle Betrachter einig: Es handelt sich um eine Tragödie. Doch nicht wie vielleicht zunächst vermutet, um eine Urlaubstragödie, bei der zwei junge Menschen infolge des Konsums von verdorbener Nahrung ums Leben kamen, sondern um eine Familientragödie. Die Obduktion der beiden Leichen wurde mittlerweile in der staatlichen Klinik von Hurghada vorgenommen. Deren Chefarzt gab am Samstag bekannt, dass die Magen der beiden Opfer durch eine Säure stark verätzt worden seien. Und er erklärte auch, wie die Säure seiner Meinung nach dort hinkam:

„Ich denke, dass die Mutter und die Tochter das Gift mit einem Getränk zu sich genommen haben“, sagte der Arzt. Eine Lebensmittelvergiftung indes wurde von ihm ausgeschlossen. Außerdem habe die Obduktion keine Darmprobleme nachgewiesen, so der Arzt.

Petr K., der 35-jährige Ehemann und Vater (Foto: ČT24)
Auch wenn die offiziellen Ergebnisse der Obduktion noch nicht vorlagen, so hat dieser Fall nun doch eine anfangs kaum in Betracht gezogene Wendung erhalten. Denn der dritte Mitreisende der Familie aus dem schlesischen Karviná, der 35-jährige Ehemann und Vater, rückt auf einmal von der Rolle des mitbetroffenen Leidtragenden in ein ganz anderes Licht: als Hauptverdächtiger für eine vermutliche Mordtat. Dabei hatte der Mann zuvor behauptet, er habe an derselben Vergiftung wie Ehefrau und Tochter gelitten:

Monika K. und Klára K., die Opfer (Foto: ČT24)
„Mir ist es am vergangenen Montag am schlechtesten von uns Dreien ergangen. Ich habe mich mindestens sechsmal in der Stunde übergeben, vielleicht auch öfter, meine Frau und meine Tochter dagegen hat es nicht so schlimm erwischt“, sagte der Mann in einem Telefonat mit seiner Mutter und seiner Schwester in der Heimat. Das Gespräch war vom Tschechischen Fernsehen (ČT) mitgeschnitten worden.

Doch für das Hotelmanagement, die ägyptischen Ärzte und die dortige Polizei war nicht erklärlich, weshalb nur diese drei unter den Hotelgästen an Magen- und Darmproblemen gelitten haben sollten. Denn der Vater hatte versichert, nirgendwo anders als im Hotel gegessen zu haben. Dazu der tschechische Notarzt Petr Kolouch, der von der Europäischen Versicherung (EVR) nach Hurghada entsandt wurde:

„Das Hotel hat auf mich einen sehr sauberen Eindruck gemacht. Alle Räumlichkeiten, die ich mir mit dem Hotelmanager angesehen habe, haben keinen Grund für irgendeine Beanstandung gegeben. Wir hatten das Gefühl, das alle hier untergebrachten Hotelgäste zufrieden sind.“

Die tschechische Reisegruppe, mit der auch die Familie aus Karviná angereist war, ist mittlerweile wieder auf der Heimreise. In Ägypten zurückbleiben musste lediglich der Ehemann und Vater der beiden Toten. Sein Pass wurde von der Polizei einbehalten. Es sieht ganz so aus, als wenn er sich jetzt ganz unliebsamen Fragen stellen muss. Mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit handle es sich um einen Mord, bei dem der Vater der Familie der Hauptverdächtigte sei, zitiert die Tageszeitung „Lidové noviny“ die ägyptische Polizei. Der Vater hat als das einzige Familienmitglied die Tragödie überlebt.