100 Jahre integrative Betreuung – Jedličkův ústav feiert Jubiläum

Foto: Archiv des Jedlička-Instituts

Im Jahr 1913 wurde in der damaligen Prager Vorstadt Vyšehrad ein absolutes Novum eröffnet: eine für die damalige Zeit fortschrittliche Sozialeinrichtung für körperlich behinderte Kinder. Initiator war der Verein für die Erziehung Körperbehinderter unter der Führung des tschechischen Chirurgen und Radiologen Rudolf Jedlička. Nach dem Arzt wurde die Einrichtung dann auch benannt. Das „Jedličkův ústav“ (Jedlička-Institut) ist bis heute aktiv und hatte am 1. April seinen 100. Geburtstag.

Etwa 200 Schüler nimmt das Jedlička-Institut derzeit auf und bietet ihnen eine Rundumbetreuung: Zu ihrem Programm gehören neben dem Schulbesuch auch Sport, Musik und Berufseingliederungsmaßnahmen. Die körperlich beeinträchtigten Schüler wohnen im Institut und werden natürlich auch medizinisch rundum versorgt. Der derzeitige Direktor ist Jan Pičman:

„Ich bin manchmal so frech zu sagen, dass wir heute eigentlich dahin zurückkehren, womit Jedlička angefangen hat. Hauptsächlich bedeutet das, den Akzent auf Ausbildung und soziale Integration zu legen. Wir drängen oder zwingen manchmal sogar unsere Schüler, sich so gut wie möglich auf eine Rückkehr in eine normale Umgebung vorzubereiten und einmal Arbeit zu finden.“

Kateřina Morozová (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Dazu gibt es auch einen Übungsraum, in dem die Schüler mit Hilfe von Assistenten das tägliche Leben als Angestellter trainieren können. Generell möchte die Institution die Kinder dabei unterstützen, ganz normalen Tätigkeiten nachzugehen. Kateřina Morozová zum Beispiel wird in diesem Jahr ihr Abitur machen und möchte auf die Filmhochschule:

„Am besten gefällt mir der Filmschnitt. Ich habe schließlich bereits auf meinem Notebook einige Filme produziert“

Sie liegt dabei auf einer Liege und bedient den Touchpad ihres Computers mit dem Kinn.

Pičman nennt die individuelle Betreuung eines jeden Schülers „begleitende Arbeit“. Er und seine Mitarbeiter nutzen dabei jede Möglichkeit, die Kinder neben der Schule auf den Alltag außerhalb der betreuten Einrichtung vorzubereiten – auch, um den Schülern selbst zu verdeutlichen, was sie alles beherrschen. Und das sei seit der Gründung immer das Hauptziel der Einrichtung gewesen, so Pičman:

Jan Pičman (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Das eigentlich Neue am Jedlička-Institut war, dass es sich nicht nur auf die körperliche Heilung konzentrierte, sondern auf die Rehabilitation, die Wiedereingliederung und auf eine qualifizierte Ausbildung. Gleichzeitig mit dem eigentlichen Institut entstand auch die Schule - und alle mussten diese besuchen. Die älteren Schüler konnten sich auf diese Weise qualifizieren, um sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und auch wieder arbeiten zu gehen.“

Noch heute befindet sich die Einrichtung an ihrem ursprünglichen Ort im Prager Stadtteil Vyšehrad. In den letzten zehn Jahren hat das Institut begonnen, auch geistig behinderte Kinder aufzunehmen und den integrativen Ausbildungsansatz auf sie auszudehnen.