100 Jahre Sommerferien! Seit 1925 haben tschechische Schüler im Juli und August frei

Dass die Sommerferien in Tschechien immer im Juli und August sind, wurde vor 100 Jahren eingeführt.

Historisches Klassenzimmer | Foto: Petra Štrymplová,  Tschechischer Rundfunk

Mit einem Erlass vom 12. Juli 1925 hat das damalige tschechoslowakische Bildungsministerium den Beginn und das Ende des Schuljahrs republikweit vereinheitlicht. Die Schüler hierzulande haben seitdem die Sommerferien immer im Juli und August. Bis dahin hatte jede Schule ihre Ferien selbst bestimmt. Dabei orientierte man sich nach den Feldarbeiten. Denn die Kinder halfen damals oft im Stall und auf den Feldern. Der Beginn des Schuljahrs war vor 100 Jahren noch regional unterschiedlich, je nachdem, wo und welche Feldfrüchte angebaut wurden.

Bohuslav Primas | Foto: Roman Miler,  Tschechischer Rundfunk

Als der heute über 80-jährige Bohuslav Primas zur Schule ging, gab es zwar schon die einheitlichen Sommerferien. Er erinnert sich trotzdem noch daran, wie er in seiner Kindheit den Eltern auf dem Feld geholfen hatte. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte er:

„Während der Ferien war Erntezeit. Mein Vater mähte, meine Mutter ging hinterher, und ich band die Garben zusammen. Helfen musste ich jedoch auch manchmal während des Schuljahrs, aber erst nach dem Unterricht. Die Schule durfte ich nicht schwänzen, das ging nicht.“

Auch die Kinder beteiligten sich an der Farmarbeit | Foto: Archiv von Ludvík Jersák/Paměť národa

Maria Theresia führte 1774 in den böhmischen Ländern die Schulpflicht ein. Wegen Feldarbeiten hörten die Kinder jedoch oft auf, zur Schule zu gehen. Aus diesem Grund hätten die Behörden die Schulferien eingeführt, sagt Martina Halířová. Sie leitet die historisch-pädagogische Abteilung im Prager Nationalmuseum für Pädagogik und die Comenius-Bibliothek:

Martina Halířová | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

„Bis 1925 galt, dass die Schulferien fünf Wochen dauern müssen. Der Schuljahrbeginn war nicht einheitlich. Es gab Regionen, in denen das Schuljahr am 1. September begann, anderswo jedoch erst am 1. November. Es kam auf die regionalen Bedingungen an.“

1948 ergriffen die Kommunisten die Macht in der Tschechoslowakei. Das Regime nutzte die Sommerferien bald aus, um die Schüler die ganze Zeit über bei Feldarbeiten oder in den Fabriken einzusetzen. In einer Archivaufnahme des Tschechoslowakischen Rundfunks von 1974 wird dieser Zwangseinsatz von Jugendlichen in der Landwirtschaft und in der Industrieproduktion folgenderweise hervorgehoben:

Hopfenernte,  60er Jahre | Foto: Státní okresní archiv Louny

„Die Zusammenarbeit der Schüler und Studenten mit den Arbeitern, Landwirten und Technikern trägt zur Festigung der Bündnisse der studierenden Jugend mit der Arbeiterklasse und mit anderen Werktätigen bei.“

Zurück jedoch in die Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stellte die Kinderarbeit ein großes Problem dar. Der Staat habe sich bemüht, diese zu reduzieren, meint Martina Halířová:

„In der Ersten Republik wurde viel mehr als zuvor versucht, die Lage zu regeln. Wichtig war, dass die Kinder zur Schule gehen. Wenn ein Kind auf einem Bauernhof zu Hause war, war es nicht einmal erwerbstätig, sondern half seinen Eltern bei der Ernte. Sofern es Regelungen zur Kinderarbeit gab, betrafen sie die Industriebranche. Kinder durften beispielsweise nicht in den Gruben arbeiten. Von 14-Jährigen wurde jedoch schon erwartet, dass sie ihrem Vater, falls er ein Gewerbetreibender war, in diesem Beruf helfen werden.“

Kleine Helfer auf den Feldern um Říčany,  1930er Jahre | Foto: Fotoalbum der landwirtschaftlichen Arbeiten/Museum Říčany

Die Form der zweimonatigen Sommerferien hierzulande überlebte den Zweiten Weltkrieg, das kommunistische Regime sowie die Wende nach 1989. Wie Martina Halířová anmerkt, ist dies eine der wenigen Maßnahmen aus der Zeit der Ersten Republik, die bis heute unverändert besteht.

Autoren: Martina Schneibergová , Ľubomír Smatana | Quelle: Český rozhlas
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