1200-jähriges Jubiläum: Auch Prag gedenkt Karl des Großen

Karl der Große

Am 28. Januar sind 1200 Jahre seit dem Tod von Karl des Großen vergangen. Er war der erste europäische Herrscher, der im Frühmittelalter die kaiserliche Würde erlangte. An den Kaiser wurde auch in Tschechien gedacht.

Karl der Große
Am Vorabend des 1200. Todestags von Karl dem Großen zelebrierte Kardinal Dominik Duka einen Gottesdienst im Prager Veitsdom. Zur Eröffnung der Messe sagte er:

„Wir wollen an die Wurzeln unseres Staates und unseres Christentums erinnern. Die St.-Veit-Rotunde, die an diesem Ort einst stand, war übrigens dem karolingischen Oktogon in Aachen ähnlich. Wir wissen alle, dass von der lateinischen Form des Namens Carolus im Tschechischen wie auch in anderen slawischen Sprachen die Bezeichnung für König abgeleitet wurde – im Tschechischen ‚král‘.“

An Karl den Großen gedachten im Veitsdom auch mehrere Angehörige böhmischer Adelsfamilien, deren Wurzeln oft bei den Karolingern zu finden sind. Zum Beispiel Marie Kopečková, eine geborene Sternberg:

Marie Kopečková (links). Foto: Archiv des Kunstmuseums Benešov
„Karl der Große ist ein Begriff und eine der wichtigsten Persönlichkeiten Europas. Ich schätze ihn sehr, seine Zeit war hoch interessant. Gern lese ich darüber und befasse mich damit.“

Ob denn auch ihre Familie, die böhmische Adelsfamilie Sternberg, ihre Herkunft von Karl dem Großen ableite, wurde Marie Kopečková gefragt:

„Das kann durchaus sein. Bis zu den Přemysliden ist die Herkunft belegt worden. Ich meine, dass es in der Frauenlinie möglich ist.“

Im Prager Abgeordnetenhaus wurde anlässlich des Jubiläums von Karl dem Großen am vergangenen Dienstag eine Diskussion veranstaltet. Die Debatte stand unter dem Motto: Unvollendete Visionen Europas: Pax Romana, Pax Christiana, Pax Europeana. Dabei bezeichnete Kunsthistoriker Jan Royt den römischen Kaiser und böhmischen König Karl IV. als Nachfolger von Karl dem Großen:

Karl IV. (Foto: Kristýna Maková)
„Karl IV. orientierte sich an Karl dem Großen. In der Kreuzkapelle auf der Burg Karlstein, die Karl IV. erbauen ließ, gibt es eine Altarwand mit den so genannten heiligen Herrschern. Karl der Große nimmt in der Hierarchie der Herrscher den wichtigsten Platz ein. Er ist die einzige Person, die eine Krone auf dem Kopf trägt. Es ist kein Zufall, dass Karl IV. nach seiner Krönung in Aachen eine Büste von Karl dem Großen anfertigen ließ, auf die er die Krone der römischen Könige setzte. Karl IV. ließ zudem die Kirche des heiligen Karl des Großen und der Jungfrau Maria auf dem Prager Karlov erbauen. Ihr Grundriss ähnelt dem des Aachener Doms. Karl IV. war also bemüht, die Ideen von Karl dem Großen weiter zu entwickeln.“

Nina Nováková (Foto: Martina Schneibergová)
Die Diskussionsrunde im Parlament hatte die Abgeordnete Nina Nováková von der Partei Top 09 initiiert und organisiert:

„Ich halte es nicht für ein Klischee zu sagen: Wir können die Gegenwart und die Zukunft nicht begreifen, wenn wir uns nicht mit der Vergangenheit beschäftigen. Ich arbeite als Abgeordnete im Ausschuss für Wissenschaft, Bildung, Kultur und Jugend. Und alles, worüber wir hier diskutiert haben, gehört doch zu unserer Kultur.“