20 Jahre Babybox in Tschechien
Schon seit 20 Jahren gibt es in Tschechien Babyboxen. Wie alles anfing.
Vor 20 Jahren wurde auch im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunk über die Installation der allerersten Babybox hierzulande berichtet. Das war genau am Internationalen Kindertag 2005. Seitdem können Menschen, die nicht in der Lage sind, sich um ihr Neugeborenes zu kümmern, das Kind anonym und sicher abgeben.
Die Babybox mit der Nummer eins befindet sich auf dem Gelände der Privatklinik in Prag-Hloubětín.
„Es war damals wirklich ein Kampf, denn ich bin bei Ministerien und Ämtern auf Widerstand gestoßen“,
erinnert sich Ludvík Hess, der Initiator der Babyboxen in Tschechien. Aus dem Gesundheitsministerium habe es damals geheißen, dass eine solche Einrichtung ein unverantwortliches Verhalten von Eltern legalisiere. Andere Gegenargumente hätten sich etwa auf die Form der Box bezogen, so Hess. Die beheizten Vorrichtungen hielten dann aber allen Tests stand. Und mittlerweile hat sich auch bei den hiesigen Ämtern die Überzeugung durchgesetzt, dass es besser ist, ein Kind in die Obhut von Ärzten zu übergeben, als sein Wohlergehen und womöglich auch sein Leben zu gefährden.
Der erste Säugling wurde in der Hloubětíner Klinik neun Monate nach Eröffnung der Babybox gefunden. Der von Hess gegründete Stiftungsfonds Statim hat inzwischen ein landesweites Netz an diesen Rettungsstationen aufgebaut. Zum diesjährigen runden Jubiläum wurde vergangenen Sonntag bereits die 89. Babybox eingeweiht, nämlich im ostböhmischen Trutnov. Eigentlich sind die Einrichtungen für neugeborene Kinder vorgesehen. Hess berichtet, dass aber auch schon ein anderthalbjähriger und fast zehn Kilogramm schwerer Junge vorgefunden wurde:
„Er wurde in Pelhřimov abgegeben und zwar von beiden Eltern. Sie waren von irgendwo in Südböhmen gekommen, um keine Spur zu hinterlassen. Der Großvater fand die Spur aber trotzdem, als er seinen Enkel suchte. Er erfuhr aus der Zeitung von dem Fund eines großen Kindes in Pelhřimov.“
Der Stiftungsfonds Statim finanziert sich durch Spenden. In den vergangenen 20 Jahren konnten in den Babyboxen in Tschechien bereits 277 Kinder in Obhut genommen werden. Häufig werden für sie Adoptionseltern gefunden. Einige dieser Kinder erzählen ihre Geschichte auch öffentlich. So etwa Anežka:
„Meine Eltern sind lieb. Sie haben mir wirklich eine schöne Kindheit mit lauter tollen Erinnerungen ermöglicht. Ich liebe sie dafür, dass sie mir ein so schönes Leben gegeben haben.“
Und auch Anežkas Adoptivmutter ist immer noch froh über die damalige Entscheidung:
„Mein Mann und ich sind glücklich. Anežka sind im Prinzip neue Wurzeln gewachsen, hinein in unsere Familie und zu unseren Verwandten.“
Zuletzt wurde in Tschechien vor knapp drei Wochen eine Babybox genutzt. Die Ärzte des städtischen Krankenhauses in Ostrava / Ostrau fanden ein neugeborenes Mädchen, das den Namen Linde bekam. Die Kleine ist inzwischen bei Pflegeeltern untergebracht.







