20 Jahre selbständig: Geschichte auf tschechischen und slowakischen Plätzen

Foto: Martina Schneibergová

Die Mitgliedschaft in der Nato und der Beitritt zur EU, der Olympiasieg des tschechischen Eishockeyteams in Nagano, aber auch Proteste gegen die Regierung. Von diesen historischen Ereignissen der letzten 20 Jahre zeugen Fotos aus Prag und aus Bratislava. Sie sind Bestandteil einer Ausstellung, die anlässlich des 20. Jahrestags der Entstehung der zwei selbständigen Republiken Tschechien und Slowakei im Prager Nationalmuseum eröffnet wurde.

Im Gebäude der früheren Föderalversammlung trafen mehrere ehemalige tschechische und slowakische Abgeordnete zusammen. Sie setzten sich nach mehr als 20 Jahren wieder auf jene Bänke der einstigen Kammer der Nationen, auf denen im November 1992 über die Auflösung der Tschechoslowakei entschieden wurde. Diesmal sind sie gekommen, um an der Vernissage einer Fotoausstellung teilzunehmen. Vorbereitet wurde sie vom Nationalmuseum in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen. Der Leiter des Prager Nationalmuseums, Michal Lukeš, sagte während der Vernissage, es sei für ihn ein großes Erlebnis an diesem Ort zu reden:

„Wir befinden uns in jenen symbolischen Räumlichkeiten, in denen die letzte gesetzgebende Versammlung der Tschechen und Slowaken tagte. Der Raum ist seit Jahren nicht mehr Schauplatz von politischen Auseinandersetzungen, der Genius Loci von 1992 ist hier aber immer noch zu spüren.“

Lukeš bezeichnete die Ausstellungsräume im ehemaligen Parlamentsgebäude als Teil der neuen Ausstellung. Sie trägt den Titel „20 Jahre auf tschechischen und slowakischen städtischen Plätzen“. Initiiert wurde sie von den Tschechischen Zentren. Tomáš Zahradníček stellte die Fotoausstellung zusammen:

„Der Auftrag lautete ursprünglich, einem ausländischen Publikum 20 Jahre der Tschechischen Republik vorzustellen. Wir wollten zeigen, wie die öffentlichen Räume ausgesehen haben, wozu die städtischen Plätze genutzt wurden. Einmal wurde dort demonstriert, ein anderes Mal erfolgreiche Sportler gefeiert. Konzentriert haben wir uns auf Plätze im Zentrum von Prag und von Bratislava. Die Bewohner sind gewöhnt, eben an diesen Orten Geschichte zu machen. Und diese Geschichte zeigen wir in verschiedenen Kulissen und Kostümen.“

Auf den rund 50 Fotos aus Prag und aus Bratislava sei zu erkennen, dass sich dort in den letzten Jahren zum Glück keinerlei „große Geschichte“ abgespielt habe, betont Zahradníček:

„Hier ist viel Alltag zu sehen. Es hat sich gezeigt, dass die Fans von Sportereignissen die großen Plätze viel häufiger als andere brauchen. Ab und zu gibt es Protestdemonstrationen, wenn die Regierungen unerträglich geworden sind. Sonst passiert auf den zentralen Plätzen nicht viel.“

Bald sollen auch Interessenten im Ausland die Möglichkeit haben, die Fotoausstellung zu besichtigen. Die Programmdirektorin der Tschechischen Zentren, Monika Koblerová:

Nach dem Olympiasieg des tschechischen Eishockeyteams in Nagano
„Die Ausstellung wird nach Prag zuerst in Bratislava gezeigt. Danach wandert sie durch die Tschechischen Zentren oder diplomatischen Vertretungen in vielen Ländern der Welt. Sie wird beispielsweise in Brasilien sowie in vielen europäischen Städten zu sehen sein, darunter in Berlin, Brüssel, den Haag, Mailand, München, Sofia und Wien. Und wir bereiten Präsentationen auch in Hongkong, in Los Angeles, Tiflis oder in Riga vor.“

Die Fotoausstellung, die durch Dokumentaraufnahmen des Tschechischen Fernsehens ergänzt wurde, ist im neuen Gebäude des Nationalmuseums in Prag noch bis zum 8. Februar zu sehen.

Fotos: Martina Schneibergová