35 Jahre "Ein Kessel Buntes" - und Tschechen waren auch dabei

Karel Gott

Viele von Ihnen erinnern sich sicher noch an "Ein Kessel Buntes", über lange Jahre hinweg das Paradepferd der DDR-Fernsehunterhaltung. Am 15. Juli 1972, also genau vor 35 Jahren, strahlte der Fernsehsender DDR 1 die erste Ausgabe dieser Samstagabend-Revue aus. Was hat das mit Tschechien zu tun? Auch einige Schlagerstars und Popgrößen aus dem damaligen sozialistischen Bruderland Tschechoslowakei traten immer wieder dort auf - und zwar mit deutschsprachigen Titeln. Folgen Sie uns in die wilde Schlagerwelt der Siebziger Jahre.

Am Anfang und am Ende, da steht Karel Gott - im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten das Synonym für den böhmischen Akzent in Pop und Schlager. Aber auch noch andere tschechische Stars und Sternchen haben sich im deutschen Schlagerfach erprobt, meist in der großen DDR-Fernseh-Revue "Ein Kessel Buntes" - in Tschechien bis heute das Synonym für großes Fernsehtheater mit Federboa und Glitzerkleidern. Den Kessel in einen Hexenkessel verwandeln, dass konnte diese Frau: Helena Vondrackova, hier in einer Aufnahme von 1978.

"Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut, sei auf der Hut! Ein kleiner Funken reicht, das Sie durch Deine Hand noch mal entflammt. Du spielst mit einem Feuer, das auch dich verbrennen kann - Doch wenn Du gern gefährlich lebst, dann ruf mich einfach an! Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut, das weißt Du gut! Ein Wort genügt, dann bin ich heute noch bei Dir - komm sag es mir!"

"Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut" - Leidenschaft mit Augenzwinkern von Schlager-Königin Helena Vondrackova. In knapp zwei Monaten feiert sie übrigens ihren 60. Geburtstag. Zum Urgestein der tschechischen Pop-Musik gehört auch die Gruppe Olympic um Frontmann Petr Janda - seit 1963 sind sie mit dabei! Zehn Jahre später hatte Olympic mit "Nebe nad hlavou" einen großen Hit in der Tschechoslowakei. Über den deutschen Text breitet man dagegen besser gnädig den Schleier des Vergessens:

"Über uns hängt die Luft so schwül, kommt in den Wald, da ist es kühl!

Lasst alles stehen und lasst uns gehen, bitten Wälder um Asyl.

Seht nur das Reh vor Angst wie´s bebt, und wie der Fuchs den Tag verlebt,

Wildschweine schnaufen, Hasen sich raufen, Spinnentier sein Wunder webt,

Himmel über dir atmet frische Luft,

Himmel über dir atmet einen Duft,

Himmel über dir, über mir, über dir, über mir die Luft,

Himmel über dir, weites Wolkenfeld spannt weit über uns ein Zelt,

Nimm dir Zeit, genieß die Welt wie´s dir gefällt!"

Olympic mit "Der Himmel über dir". Man sieht: auch in Mitteleuropa birgt die freie Natur noch verborgene Gefahren. Zwar sind die wilden Tiere aus dem Böhmerwald schon längst verjagt - schlimme Reime aber gibt es dort noch genug. Pavel Novak, unser nächster Interpret, ist daher musikalisch lieber in der Stadt geblieben. Seiner mährischen Heimat Prerov wird der heute 62-jährige Sänger und Autor in der folgenden Aufnahme von 1976 allerdings untreu:

Pavel Novak (Foto: CTK)
"Tausend Farben wünsch' ich mir,

Nur um meine Stadt zu malen,

Tausend Farben für mein Prag

Und diesen sonnigen Tag.

Rot für die Sonne, die über der Stadt erwacht,

Blau für den Himmel, der sie überdacht.

Grün für alle Bäume, die leuchten Jahr für Jahr,

Aber wie stell ich die Straßen und das bunte Leben dar?

Tausend Farben wünsch' ich mir..."

Tausend Farben, die wünscht sich Pavel Novak. "Der Meister", wie der nächste Interpret in Tschechien gerne genannt wird, der kommt heute nur mit zwei Farben aus - "Rot und Schwarz":

"Die rote Tür, ich streiche sie ab heute schwarz,

Denn alles, was so rosarot war ist jetzt schwarz.

Oh, sag mir doch, was ist mit uns denn nur geschehn?

Warum muss ich jetzt alles schwarz in schwarz nur sehn?"

Haben Sie es erkannt? Karel Gott mit einem waghalsigen Stück aus Jugendtagen, "Rot und Schwarz" aus dem Jahr 1969 - "Paint it Black" von den Rolling Stones als Hardcore-Folklore. Man beachte den Unterschied: Während die Nihilisten der Stones über alles lustvoll ihre schwarze Farbe ausgießen, geht bei Karel Gott bald wieder die Sonne auf - die rote Sonne, wohlgemerkt!

"Die Nacht ist schwarz und alles scheint um uns so tot.

Doch irgendwo da schimmert schon das Morgenrot!

Und bald, da wird die Sonne hoch am Himmel stehn,

Rot so wie Feuer wird sie wieder für uns glühn..."

"Paint it black" in rotem Anstrich und ein Karel Gott, wie man ihn nicht kennt!