48. Internationales Filmfestival in Karlsbad – Rückkehr preisgekrönter Regisseure

Foto: Kristýna Maková

Es ist so weit: In dieser Woche beginnt wieder einmal das Internationale Filmfestival in Karlovy Vary / Karlsbad. Bereits zum 48. Mal wird es am Freitag in der westböhmischen Kurstadt eröffnet, diesmal unter Anwesenheit von zwei großen Filmstars aus Hollywood und aus Europa. Der US-amerikanische Schauspieler John Travolta wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden und nimmt den Festivalpreis, den so genannten Kristallglobus, am Eröffnungsabend persönlich entgegen. An der Eröffnungsfeier wird außerdem die französische Schauspielerin Audrey Tautou teilnehmen.

Foto: Kristýna Maková
Karlsbad wird ab Freitag für zehn Tage nicht den Kurgästen, sondern auch den Filmfans gehören. Vom 28. Juni bis 6. Juli findet dort das Internationale Filmfestival statt, mit mehreren Hundert Filmen in vielen Sektionen. 14 Streifen bewerben sich um den Hauptpreis, dazu der Programmdirektor des Festivals, Karel Och.

„Der diesjährige Wettbewerb steht gewissermaßen im Zeichen der Rückkehr. Sechs der 14 Filme im Wettbewerb wurden von Regisseuren gedreht, die schon früher am Wettbewerb in Karlsbad teilgenommen haben. Das gilt zum Beispiel für den Tschechen Jan Hřebejk und den Spanier Xavier Bermúdez. Und zwei der teilnehmenden Regisseure haben in der Vergangenheit sogar einen Kristallglobus gewonnen: der Pole Krzysztof Krauze und der israelische Regisseur Joseph Madmony.“

Karel Och (Foto: Barbora Kmentová)
Diese Rückkehr von mehreren Regisseuren sei keine Absicht gewesen, sagt Karel Och:

„Es ist das Ergebnis einer günstigen Konstellation. Diese Regisseure machen alle zwei bis drei Jahre einen Film, und nun sind sie zur gleichen Zeit fertig geworden. Viele haben positive Erfahrungen in Karlsbad gesammelt, das hat dazu beigetragen, dass sie mit ihren neuesten Werken nun zurückkehren.“

Laut Karel Och lassen sich die Wettbewerbsfilme in zwei Kategorien einteilen. Zum einen jene klassischer Machart, die sich auf den Inhalt konzentrieren, zum anderen gebe es aber auch solche, bei denen sich zeige, was der Zuschauer aushalten könne, so der Programmdirektor. Damit seien in Karlsbad die neuesten Trends in der Entwicklung der Filmsprache zu sehen:

„Dies gilt besonders für den Film ‚A Field in England’, eine schwarzweiß gedrehte psychedelische Parabel aus dem 17. Jahrhundert. Der Regisseur ist bekannt für seine Kombinationen verschiedener Genres wie Horror, Groteske oder psychologisches Drama. Weiter gilt die Charakterisierung für den isländischen Film ‚XL’, ein alkoholischer Alptraum über einen korrupten Politiker und seinen vergeblichen Versuch, eine Entziehungskur zu starten. Und sicher gilt sie auch für den deutschen Streifen ‚Quellen des Lebens’ von Oskar Roehler. Manche Menschen werden vielleicht empört sein, weil der Film einige Aspekte der Nachkriegsgeschichte in Deutschland auf sehr ungewohnte Weise aufgreift.“

Dieser Gruppe ordnet der Programmleiter auch den Film „Das große Heft“ zu. Regisseur János Szász hat ihn nach einem Roman der ungarischen Autorin Agota Kristof gedreht – laut Karel Och ein „sehr intensives Erlebnis“.

Agnieszka Holland (Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
Den Vorsitz der Festivaljury übernimmt die polnische Filmregisseurin Agnieszka Holland. Welchen Film und welche Leistungen die Jury in der Hauptkategorie und in weiteren Wettbewerbskategorien auszeichnen wird, das wird sich erst am 6. Juli herausstellen. Bereits jetzt ist aber bekannt, welche Filmkünstler für ihr Lebenswerk mit dem Kristallglobus ausgezeichnet werden: Das sind in diesem Jahr neben John Travolta auch sein US-amerikanischer Landsmann, der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Oliver Stone sowie der tschechische Kostümbildner Theodor Pištěk.