Adiós, Spanien: letztes Buch der Prager deutschen Autorin Lenka Reinerová

Foto: Labyrint Verlag

Lenka Reinerová galt als die letzte Deutsch schreibende Autorin aus Prag. Sie starb 2008, ihr letztes Buch erschien posthum im vergangenen Jahr. Nun wurde es anlässlich des Holocaust-Gedenktages im Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren vorgestellt.

Foto: Labyrint Verlag
Lenka Reinerová wurde 1916 in einer Prager deutsch-jüdischen Familie geboren. Überwiegend lebte sie in Prag, bis zu ihrem Tod pflegte Reinerová die Tradition deutschsprachiger Literatur aus dieser Stadt. „Adiós, Španělsko“ also „Adiós, Spanien“ heißt die schmale Erzählung, die nun aus dem Nachlass der Autorin herausgegeben wurde - und zwar in tschechischer Übersetzung. Dies sei ganz atypisch, betont die Herausgeberin Viera Glosíková. Die früheren Texte von Reinerová erschienen immer zuerst auf Deutsch und erst danach auf Tschechisch. Der nun vorliegende Erzählband verknüpft Prag und Spanien während des Bürgerkriegs in den 1930er Jahren. Viera Glosíková:

„Das ist ein großes Thema von Lenka Reinerová: der Kampf gegen den Faschismus im breitesten Sinne. Das heißt auch gegen Xenophobie, gegen alle möglichen Arten von Feindschaften zwischen den Menschen und Völkern. Es ist die Geschichte eines jungen Pragers, der sich entscheidet, nach Spanien zu gehen, um für die Demokratie und gegen den Faschismus zu kämpfen.“

Viera Glosíková (Foto: Archiv des Prager Literaturhauses)
Im Mittelpunkt stehe die Frage des „Warum“, erläutert Glosíková:

„Die Frage lautet: Warum gingen diese jungen Menschen von Prag aus zum Beispiel nach Spanien, wenn der Krieg in Spanien sie persönlich eigentlich nicht betroffen hat? Warum waren sie bereit, nach Spanien zu gehen und ihr junges Leben zu opfern?“

Viera Glosíková betont, dieser letzte Text habe dieselbe Poetik wie auch die vorangegangenen Bücher Reinerovás:

„Diese Poetik bedeutet, dass das Vergangene mit dem Gegenwärtigen verbunden wird. Das heißt, es wird eine Geschichte erzählt, die immer wieder unterbrochen wird. Die Autorin kommentiert dies aus der heutigen Sicht oder nimmt Stellung zu den Ereignissen. Andererseits war ein Credo von ihr das ‚Schreiben gegen das Vergessen’.“

Lenka Reinerová (Foto: Archiv ČRo 7)
Neben der Erzählung enthält der Band auch noch einen weiteren Text, den Viera Glosíková aus dem Deutschen übertragen hat:

„Es handelt sich um Auszüge aus den spanischen Tagebüchern von Theo Balk, dem Ehemann von Lenka Reinerová. Theo Balk war als Arzt bei den Internationalen Brigaden in Spanien dabei und schrieb dort ein Tagebuch. Dieses Tagebuch ging verloren, und erst auf eine abenteuerliche Art kam Theo Balk in den 1960er Jahren zu seinen Papieren zurück. Er hat sie bearbeitet, sie kamen aber erst zwanzig Jahre nach seinem Tod heraus, und zwar 1996 in Deutschland, unter dem Titel ‚Wenn die Kugel von Madrid nicht traf’.“

Die literarischen Texte von Lenka Reinerová und Theo Balk werden durch eine historische Betrachtung von Hana Bortlová ergänzt. Sie hat sich mit den tschechoslowakischen Interbrigadisten in Spanien in den Jahren 1936 bis 1939 beschäftigt. Das Buch ist, wie auch die früheren tschechischen Ausgaben von Reinerovás Werken, im Prager Verlag Labyrint erschienen. Übersetzt wurde es von Olga Walló.