Ältestes tschechoslowakisches Flugzeug ist wieder neu entstanden

Flugzeug Bohemia B5 (Foto: ČT24)

Flugzeuge werden in Tschechien beziehungsweise der ehemaligen Tschechoslowakei schon seit der Staatsgründung konstruiert. Im April 1919 – nur ein halbes Jahr nach Entstehung der Ersten Republik – hob die erste hierzulande gebaute Maschine ab. Es war der zweisitzige Doppeldecker Bohemia B5. Ein Modell dieses Maschinentyps bekommen Flugzeugfans schon bald wieder zu sehen – als Replik einer Ausstellung in der diesjährigen Prager Museumsnacht.

Flugzeug Bohemia B5 (Foto: ČT24)
Die Propeller drehen sich, die Kolben im Motor laufen, aber dennoch wird das legendäre Flugzeug Bohemia B5 nicht mehr in die Lüfte steigen. Bei der Replik der Maschine, die Flugzeugingenieure und Restauratoren in den vergangenen vier Jahren zusammengebaut haben, handelt es sich nämlich um ein echtes Holzmodell, einschließlich des Motors. Jetzt, nur wenige Tage vor der Prager Museumsnacht, kann man das originalgetreue Modell der einstigen Pioniersentwicklung bestaunen:

„Es ist das erste in der Tschechoslowakei hergestellte Flugzeug. Welchen Wert es hat? Ich denke, der Wert ist unermesslich“, sagt der Kurator der Luftfahrtsammlungen im Militärhistorischen Institut in Prag, Jan Sýkora.

Josef Pšenička (Foto: ČT24)
Der Doppeldecker Bohemia B5 war damals ein großer Erfolg für die tschechischen Flugzeughersteller. Die Maschine wurde gleich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gebaut, erklärt Restaurator Josef Pšenička:

„Die Konstrukteure nutzten dafür das Material einer abgestürzten Wright-Maschine. Auch der Motor war ein originales NAG-Wright-Modell. Der Verein Bohemia flog schon 1914 mit Wright-Maschinen und mit der Bleriot 11.“

Foto: ČT24
Allen voran Rudolf Polanecký, ein begeisterter Luftfahrtpionier der Vorkriegszeit, der den Verein Bohemia leitete. Der erste Flug der B5 fand Ende April 1919 in Plzeň / Pilsen statt. Ein paar Tage später gab es jedoch einen Unfall, so Pšenička:

„Am 7. Mai, als Staatspräsident Masaryk in Pilsen war, ist eine B5-Maschine zur Begrüßung des Präsidenten ein paar Ehrenrunden geflogen. Bei ihrer Landung aber ist einiges zu Bruch gegangen.“

Der Torso der B5-Maschine lag danach Jahrzehnte lang im Depositorium eines Museums. Bis sich vor vier Jahren die Ingenieure und Restauratoren zusammengetan haben, um sie in den Werkstätten des Flugplatzes Prag-Kbely neu entstehen zu lassen. Doch die Rekonstruktion war alles andere als einfach: Es gab keine Konstruktionspläne und für die Restauratoren waren alte Fotografien der einzige Anhaltspunkt für ihre Arbeit, erläutert Kurator Sýkora:

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„Freunde des Nationalen Technikmuseums haben uns ziemlich gute Fotos aus Pilsen besorgt. Anhand dieser Fotos wurde der ursprüngliche Rumpf des Flugzeuges nachgebaut, die Flügel sind glücklicherweise altes Originalmaterial.“

Unzählige Einzelteile wurden in der Werkstatt neu gefertigt, bei der Suche nach bestimmten Komponenten aber halfen auch Freunde und Flugzeugfans, bemerkt Pšenička:

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„Am schwierigsten gestaltete sich die Suche nach einem bestimmten Zahnrad. Das hat für uns ein Freund ganz uneigennützig aufgetrieben. Es ist ein Verbindungsrad.“

Rechtzeitig vor der Museumsnacht ist die Replik des Doppeldeckers B5 fertig geworden. Daher können Flugzeugbegeisterte den originalgetreuen Nachbau der Maschine in der Nacht vom 14. zum 15. September im Museum des Flugplatzes Prag-Kbely besichtigen.

Autor: Lothar Martin
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