Alfons Mucha: Slawisches Epos, Jugendstil-Plakate, Banknoten

Alfons Mucha vivió en el Palacio de Zbiroh, foto: Wikimedia Commons, Public Domain

Vor 160 Jahren wurde der weltberühmte tschechische Jugendstil-Maler Alfons Mucha geboren.

Alfons Mucha (Foto: © Mucha Trust 2019)

Alfons Mucha wurde am 24. Juli 1860 in Ivančice / Eibenschütz geboren. In seiner mährischen Heimatstadt wurde am Freitagvormittag des Künstlers gedacht. Und zwar wurde ein Projekt zur Restaurierung des dortigen Alfons-Mucha-Denkmals präsentiert. Zudem wurde die Replik einer alten Banknote im Wert von 500 Kronen vorgestellt, die Mucha 1919 für den neuen tschechoslowakischen Staat entworfen hatte. Die Banknoten kann man ab Samstag im Informationszentrum in Ivančice kaufen, wie Vizebürgermeister Roman Sládek gegenüber dem Tschechischen Rundfunk bestätigte.

„Wir haben 5000 Stück drucken lassen. An der Herausgabe der Banknoten hat neben der Tschechischen Nationalbank und der Druckerei auch der Enkel des Malers, John Mucha, mitgearbeitet. Er hat den Text dazu übersetzt und war an dem Projekt beteiligt.“

In Ivančice startete Mucha seine berufliche Karriere als Gerichtsschreiber, seit den frühen Jugendjahren wollte er aber eigentlich Maler werden. Der Weg dorthin führte über eine Wiener Firma, die Kulissen und Bühnendekorationen für berühmte Theater herstellte. Später studierte Mucha an den Kunstakademien in München und Paris.

Theaterplakat für die Pariser Schauspielerin Sarah Bernhardt (Foto: Kateřina Srbková)

In der französischen Hauptstadt erwarb er seinen internationalen Ruf, dank seiner Werke im dekorativen Jugendstil. Ein Theaterplakat für die Pariser Schauspielerin Sarah Bernhardt bedeutete den Durchbruch für ihn. Das Plakat unterschied sich stark von den damaligen Gepflogenheiten bei der Gestaltung. Es war schmal, und die Schauspielerin wurde darauf fast lebensgroß dargestellt und das in ungewöhnlichen Farben: lila, rosa, grün, braun und golden.

Den Sinn seines Schaffens sah der Maler allerdings nicht in der angewandten Kunst wie jenen Plakaten, die ihn berühmt machten. Vielmehr war es das „Slawische Epos“, an dem er 1912 bis 1926 arbeitete. Die monumentalen Bilder des Zyklus sind bis zu acht Meter breit und sechs Meter hoch. 1928 wurden sie erstmals im Prager Messepalast ausgestellt. Vor acht Jahren kehrten sie genau dorthin auch zurück. Die Kunsthistorikerin Lenka Bydžovská erläuterte aus diesem Anlass gegenüber Radio Prag International die Idee des Malers:

„Der Betrachter darf nicht jedes Bild wörtlich nehmen. Das Slawische Epos illustriert nicht die Geschichte, sondern Mucha schuf hier seine eigene fiktive Welt. Die einzelnen historischen Ereignisse hat er so angepasst, dass sie seinem Anliegen entsprachen. Und sein Anliegen war, eine Metapher auf ein Volk zu schaffen, das friedlich ist, Kultur und Schrifttum pflegt und das seine Freiheit verteidigen kann, indem es Harmonie erreicht und zum Vorbild für die Menschheit wird.“

Slawisches Epos (Foto: Tomáš Berger)

Auf zehn der Leinwände geht es um die böhmische Geschichte, auf weiteren zehn um die Geschichte weiterer slawischer Völker.

1928 schenkte der Maler seinen Bilderzyklus der Stadt Prag. Mucha stellte aber eine Bedingung: Prag sollte einen eigenen Pavillon für das Slawische Epos bauen. Zwar hat sich die Stadt seither bemüht, dieser Aufgabe gerecht zu werden, bis heute aber ohne Erfolg. Mehrere Jahrzehnte war das Epos daher in Moravský Krumlov / Mährisch Kromau untergebracht, weshalb die Stadt in Südmähren ebenfalls Anspruch erhebt auf die zwanzig großformatigen Bilder. Die Zukunft des Slawischen Epos bleibt also offen, seine Bedeutung ist allerdings unumstritten. Kunsthistorikerin Lenka Bydžovská:

Alfons Mucha (Foto: Davide Mauro, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

„An Mucha ist interessant, dass er einerseits ein großer Patriot, andererseits aber auch ein Weltbürger war. Er schaffte es, sich überall in der Welt durchzusetzen. Es ist fast unglaublich, dass ein Mensch, der aus sehr bescheidenen Verhältnissen stammte, um die Jahrhundertwende in Paris mit den größten Stars seiner Zeit in Kontakt stand. Und das betraf Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik. Mucha muss nicht nur großes Talent, sondern auch ein starkes Charisma besessen haben. Und bestimmt war er imstande, sich für viele Sachen zu begeistern.“