Prag verleiht Slawisches Epos nach Moravský Krumlov

Visualisierung der Ausstellung in Moravský Krumlov

Das sogenannte Slawische Epos von Alfons Mucha wird demnächst schon in Moravský Krumlov zu sehen sein. Da die Stadt Prag derzeit keine entsprechenden Räumlichkeiten hat, wurden die 20 großformatigen Bilder in die mährische Kleinstadt verliehen.

Visualisierung der Ausstellung in Moravský Krumlov | Foto: Stadt Moravský Krumlov

In Moravský Krumlov / Mährisch Kromau war das Monumentalwerk bereits von 1963 bis 2011 ausgestellt. Deswegen erhebt man dort Anspruch darauf, die Bilder zeigen zu dürfen. Die tschechische Hauptstadt hat nun zumindest zugestimmt, das Slawische Epos für fünf Jahre dem Schloss von Moravský Krumlov zu überantworten. Die Entscheidung fiel am Donnerstag bei der Sitzung der Prager Stadtverordneten. Kulturstadträtin Hana Třeštíková:

„Wir haben sehr strenge Bedingungen dafür gestellt. Da geht es genauso um die technische Ausstattung wie um die Versicherung der Bilder. In den Räumen mussten zudem ein Feueralarm und ein Sicherheitssystem installiert werden.“

Selbstbildnis von Alfons Mucha | Foto:  Gallica / Bibliothèque nationale de France,  Wikimedia Commons,  gemeinfrei

Vor zehn Jahren hatte Prag die Gemälde aus Moravský Krumlov zurückgeholt. Schließlich waren sie von Mucha eigentlich der tschechischen Hauptstadt versprochen worden. Der Maler schuf den Zyklus zwischen 1910 und 1928. Ab der Fertigstellung bis 1933 war er komplett im Prager Messepalast zu sehen. Dann wanderten die 20 Bilder aber ins Archiv. Mucha hatte nämlich zur Bedingung gemacht, dass die Stadt eigene Räumlichkeiten bauen muss, um das Werk zu zeigen. Bis heute ist das nicht geschehen. Allerdings darf das nicht verwundern. Schließlich brauchen die Bilder viel Raum, sie sind bis zu acht Meter breit und sechs Meter hoch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchte das Monumentalwerk zudem im Schloss von Moravský Krumlov auf, und dort blieb es auch erst einmal für rund 60 Jahre. 2011 befanden die Prager Stadtverordneten jedoch, dass das damals heruntergekommene Schloss kein sicherer Aufbewahrungsort mehr sei und ließen den Zyklus ins Archiv der Nationalgalerie bringen. Mittlerweile wurde die Residenz aber restauriert.

Tomáš Třetina | Foto: Aktron,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

„Wir haben weitere drei Säle saniert. In ihnen werden die Bilder so gezeigt, dass die Besucher ein wunderbares, bewegendes Erlebnis haben werden“, sagte der Bürgermeister von Moravský Krumlov, Tomáš Třetina (Top 09), in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Zehn der Leinwände zeigen die böhmische Geschichte, weitere zehn die Geschichte anderer slawischer Völker. Die neue Dauerausstellung könnte laut Bürgermeister Třetina bereits im Juli eröffnet werden.

Hana Třeštíková | Foto: Elena Horálková,  Tschechischer Rundfunk

Wenn die Leihe nach fünf Jahren endet, kommen die Bilder aber zurück nach Prag – obwohl die Stadt selbst dann noch nicht die Bedingungen von Alfons Mucha erfüllen wird. Ein eigener Ausstellungsaal soll nämlich erst ein Vierteljahrhundert später entstehen. Kulturstadträtin Třeštíková:

„Nach der Rückkehr aus Krumlov im Jahr 2026 werden die Bilder im Palais Savarin ausgestellt. Das ist für 25 Jahre geplant. In der Zwischenzeit lässt Prag im Viertel Těšnov einen Pavillon oder ein Haus errichten.“

Visualisierung der Ausstellung in Moravský Krumlov | Foto:  Stadt Moravský Krumlov

Im Übrigen steht der Transport des Zyklus nach Moravský Krumlov unter strengster Geheimhaltung – aus Sicherheitsgründen wird der Termin nicht öffentlich gemacht.

Autor: Till Janzer
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