Muchas „Slawisches Epos“ kehrt nach Prag zurück

Foto: Štěpánka Budková

Das „Slawische Epos“ des Malers Alfons Mucha sind 20 großformatige Gemälde mit Motiven aus der tschechischen Geschichte und Geschichte der slawischen Völker. Mucha hat es in den Jahren 1912 und 1926 gemalt und der Stadt Prag geschenkt. Seit diesem Donnerstag ist der Gemäldezyklus im Messepalast in Prag zu sehen.

Alfons Mucha und seine großformatige Gemälde (Foto: Štěpánka Budková)
Der Maler Alfons Mucha lebte von 1860 bis 1939. Seinen großen internationalen Ruf erwarb er in Paris, dank seiner Werke im dekorativen Jugendstil. Den Sinn seines Schaffens sah er allerdings nicht in der angewandten Kunst wie Plakaten, die ihn berühmt machten. Viel mehr war es das „Slawische Epos“, an dem er 1912 bis 1926 arbeitete. Seit dem 10. Mai sind die 20 monumentalen Bilder im Messepalast in Prag zu sehen - dort, wo sie 1928 zum ersten Mal ausgestellt wurden. Die Ausstellung der Galerie der Hauptstadt Prag geht von Muchas Originalkonzept aus. Die Bilder sind daher chronologisch nach den dargestellten Ereignissen angeordnet. Autorin der Ausstellung ist die Kunsthistorikerin Lenka Bydžovská. Ihrer Meinung nach muss das Werk als eine Geschichte des tschechischen Volkes und der Slawen betrachtet werden, wie sie der berühmte Maler gesehen habe:

Karel Srp (Foto: Archiv des Prager Magistrats)
„Das Slawische Epos illustriert die Geschichte nicht, sondern Mucha schuf hier seine fiktive eigene Welt. Die einzelnen historischen Ereignisse hat er so angepasst, dass sie seinem Anliegen entsprechen. Und sein Anliegen war die Metapher auf ein Volk zu schaffen, das friedlich ist, Kultur und Schrifttum pflegt und es mit der Zeit schafft, seine Freiheit zu verteidigen, indem es Harmonie erreicht und zum Vorbild für die Menschheit wird.“

Der Kurator Karel Srp ergänzt:

Foto: Štěpánka Budková
„Das Slawische Epos war sein Leben. Mucha beschäftigte sich bereits in den 1880er Jahren mit den Slawen. Und sein letztes, unvollendetes Bild, bevor er 1939 zwar im Alter von 79 Jahren, aber vorzeitig starb, war ein Bild mit dem Motiv der Eintracht der Slawen. Er hat sich kontinuierlich mit den Slawen beschäftigt, er näherte sich dem Epos allmählich an, bis er dank der Förderung von Charles Crane das Epos realisieren konnte.“

Die Hälfte der Gemälde ist der Geschichte des tschechischen Volks gewidmet, die andere Hälfte gilt anderen slawischen Nationen. Muchas figurative historische Malerei hat rege Diskussionen sowie Kritik hervorgerufen. Mucha veröffentlichte die ersten Teile des Zyklus in der Zeit, als sein Freund František Kupka sein erstes abstraktes Bild „Fuge in zwei Farben“ vorstellte und die junge Künstlergeneration sich zum Kubismus bekannte. Kunsthistorikerin Markéta Theinhardt:

Markéta Theinhardt
„Das Werk wurde als eine Rückkehr zur akademischen historischen Malerei älteren Typs betrachtet. Damals wurden kaum innovative Elemente gesehen, aber sie gibt es und man kann sie nun auf der Ausstellung betrachten.“

So umstritten die zeitgenössische Rezeption des Werkes war, so umstritten ist auch seine Präsentation. Mucha hat das „Slawische Epos“ der Stadt Prag geschenkt, mit der Bedingung, dass die Hauptstadt dazu einen neuen Pavillon baut. Dazu ist es allerdings bis heute nicht gekommen. Zwischen den 1930er und 1960er Jahren lagen die Gemälde im Archiv. Ab 1963 wurden sie im Schloss von Moravský Krumlov / Mährisch Kromau ausgestellt. Als 2010 der Prager Magistrat beschloss, die Bilder wieder zurück in die Metropole zu holen, entbrannte ein heftiger Rechtsstreit mit Moravský Krumlov, der bis heute nicht beigelegt ist. Die Ausstellung im Messepalast ist vorerst für zwei Jahre geplant, bereits jetzt wird aber schon eine Verlängerung erwogen. Gleichzeitig plant Moravský Krumlov, nach der Renovierung seines Renaissanceschlosses Muchas Gemälde wieder zu erwerben.