Alles für Lída? Verteilung der Filmfördergelder sorgt für Ärger

Foto: Renjith Krishnan, FreeDigitalPhotos.net

Es gibt Ärger in der tschechischen Filmbranche, genauer gesagt im „Fond kinematografie“. Vor kurzem tagte die Auswahlkommission, die hierzulande die staatlichen Fördergelder an die Produzenten verteilt. Das Ergebnis war einigermaßen überraschend: Ein Prestigeprojekt über Lída Baarová, Goebbels einstige Geliebte, soll 60 Prozent der Förderungssumme erhalten. Weil für andere Projekte kaum noch etwas übrig bleibt, hat sich die Mehrheit des Gremiums von der eigenen Entscheidung distanziert.

Lída Baarová (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Es ist schon fast ein Wunder, dass es so lange gedauert hat. Das Leben der Schauspielerin Lída Baarová, die zu Goebbels Geliebter wurde, und danach von deutscher wie von tschechischer Seite geächtet wurde – es ruft geradezu nach einer Verfilmung.

„Den Film Lída Baarová habe ich eineinhalb Jahre lang unterstützt, darüber habe ich immer gesprochen. Ich habe immer gesagt, dass ich für ein Projekt bin, das die Menschen in die Kinos bringt“,

sagt Zdena Štěpánková. Sie gehört zum zwölfköpfigen Auswahlkommission beim Rat der tschechischen Kinematografie. Ende November hat sie beschlossen, Regisseur Filip Renč für seinen Film über Lida Baarová 15 Millionen Kronen zu geben, also umgerechnet etwa eine halbe Million Euro. Das ist mehr als die Hälfte der 25 Millionen im Fördertopf. Nur für zwei weitere Filme bleibt darüber hinaus noch Geld. Das Vorgehen ist absolut unüblich, in der Vergangenheit wurde wesentlich breiter gefördert. Innerhalb des Gremiums gibt es darum nun Widerstand. Sieben Mitglieder veröffentlichten auf der Website des Fonds eine Erklärung, in der sie Regelverstöße anprangern. Gegenüber den Inlandssendungen des tschechischen Rundfunks kritisierte Ratsmitglied Tereza Brdečková das Auswahlverfahren:

Tereza Brdečková (Foto: Jindřich Nosek, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Es gibt einige Kriterien, die eigentlich nicht zu ändern sind. Man kann zum Beispiel Jan Svěrák in der Kategorie ‚professionelle Verdienste‘ nicht leer ausgehen lassen. Das bedeutet also, dass offensichtlich eine größere Anzahl der Ratsmitglieder die Kriterien nicht beachtet hat. Sonst hätte es nicht dazu kommen können. Denn es standen zehn Projekte zur Auswahl, über die in der Diskussion gesagt wurde, sie seien eigentlich die besten.“

Insgesamt 14 Filme kamen in die Endauswahl, darunter auch Projekte von renommierten Regisseuren wie Jan Hřebejk und Bohdan Sláma. Der Streifen von Renč schnitt in den vorausgehenden Diskussionen und Bewertungen eher unterdurchschnittlich ab. Wenn sieben der zwölf Gremiumsmitglieder sich nun von der Entscheidung distanzieren, dann kann wohl im anonymen System der Punktevergabe etwas nicht stimmen. So sieht es Filmemacher Robert Sedláček, der im Verfahren ebenfalls leer ausging.

Foto: Renjith Krishnan, FreeDigitalPhotos.net
„Das Problem ist, dass dieses Punktesystem ja eigentlich entstanden ist, um die Vergabe objektiver und demokratischer für die Projekte und Filmleute zu machen. Dieses Beispiel, soviel wir bislang darüber wissen, zeigt uns, wie biegsam dieses Verfahren doch ist, wenn sich das bewahrheitet, was die Mehrheit des Gremiums sagt. Unter ihnen sind auch der Ratsvorsitzende Petr Vítek und der stellvertretende Vorsitzende, also wirkliche Autoritäten.“

Auf der Website des kinematographischen Fonds steht nun Wort gegen Wort. Auch Zdena Štěpánková und vier weitere Räte haben dort eine Erklärung veröffentlicht, sie werfen den sieben Abtrünnigen wiederum undemokratisches Verhalten vor. Die Entscheidung sei ordnungsgemäß gefallen und müsse nun akzeptiert werden. Danach sieht es momentan allerdings nicht aus. Die tschechische Film- und Fernsehszene unterstützt wohl überwiegend den Ratsvorsitzenden Petr Vítek und seine sechs Mitstreiter. In einem offenen Brief an Kulturminister Daniel Herman verlangen Vertreter mehrerer Institutionen, wie etwa der Verband der tschechischen Filmproduzenten oder die Filmakademie Famu, dass in Zukunft nur noch renommierte Fachleute in das Gremium aufgenommen werden sollten.

Autor: Annette Kraus
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