Angeln in Tschechien – auch bei Deutschen beliebt, aber immer teurer

Foto: Archiv Radio Prag

Die Tschechen angeln gern. Dieses Steckenpferd ist hierzulande in den vergangenen Jahren aber immer teurer geworden. Das beklagen sogar viele Deutsche, die vor allem die grenznahen Gebiete besuchen. Mehr zum Angelrevier Tschechien und den Gründen für die Preiserhöhungen im folgenden Beitrag.

Foto: Archiv Radio Prag
Ein Fisch hat den akustischen Bissanzeiger ausgelöst und zieht die Schnur von der Rolle. Petri Heil - Angeln ist in Tschechien mehr als nur ein Hobby, es ist eine Leidenschaft. In über 1200 Revieren in allen Teilen des Landes kommen die Tschechen ihrer Passion nach, und das auch in der Hauptstadt. Entlang der Moldau lassen sich in den Morgenstunden viele Angler antreffen:

„Ein Freund fing vor 14 Tagen einen Hecht mit 70 Zentimeter. Darüber hinaus lassen sich in der Moldau unter anderem Zander, Karpfen, Aale, Rotaugen und Brassen fangen. Im Grunde alles, was der Fluss hergibt“, so Jiří.

Alexander Šíma (Foto: Archiv des Böhmischen Anglerverbandes)
Neben diesen Fischarten sind in tschechischen Seen und Fließgewässern rund 25 weitere relevante Fried- und Raubfischarten beheimatet. Auch um ihren Erhalt kümmern sich der böhmische und der mährische Anglerverband. Alexander Šíma ist Vorsitzender des böhmischen Anglerverbandes:

„Wir schützen natürlich die Natur und die Angelreviere. Wir haben geschulte Mitarbeiter im Einsatz, die über die Einhaltung des Fischereirechts und allgemein über das Verhalten der Angler am Wasser wachen. Das Landwirtschaftsministerium schreibt uns zudem vor, welche Fischarten in welchem Umfang in die Gewässer eingebracht werden müssen. Wir kaufen die Jungfische, ziehen sie in unseren Zuchtteichen heran und setzen sie schließlich in den Revieren ein.“



Skalka-Talsperre (Foto: Zipacna1, Wikimedia CC BY 3.0)
Selbstverständlich müssen sich Angler an fest vorgeschriebene Schonzeiten halten. Zudem müssen sie die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen, genau wie in Deutschland muss ein Angelschein erworben werden. Damit weisen die Fischer Grundfertigkeiten und notwendige Kenntnisse rund um den Fischfang nach. Deutsche Fischer benötigen einen Zusatzvermerk im Angelschein. Dieser Vermerk wird vom deutschen Außenministerium gegen eine Gebühr ausgestellt. Michael Schlögl ist in deutschen Anglerkreisen als Experte bekannt, er besucht häufig die Skalka-Talsperre im Nordwesten Böhmens. Sie staut die Eger, einen Nebenfluss der Elbe.

Michael Schlögl (Foto: Archiv der Angelschule Schlögl)
„Das große Fischaufkommen, ein Mekka sozusagen, zieht die Leute hier in die Region. Aber die Preise hier haben sich stark erhöht. Für den Stausee kostet eine Tageskarte mittlerweile 17 Euro. Das ist wesentlich teurer als bei uns in Deutschland. Man muss sagen, der Besuchertrend aus Deutschland ist eher rückläufig. Es ist nicht mehr das, was es mal war“, kommentiert Michael Schlögl.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Die hohen staatlichen Auflagen treiben die Preise in die Höhe. Außerdem kaufen immer weniger Tschechen jährliche Erlaubnisscheine für die Reviere. Dieses Geld fehlt für den Neubesatz der Gewässer. Auch Schwarzfischer setzen den Fischbeständen zu. Manche natürliche Faktoren lassen sich von Menschenhand nicht beeinflussen. Alexander Šíma:

Kormorane (Foto: Eva-Maria Kintzel, CC BY 3.0 Unported)
„Hierzulande hat sich vor allem der Karpfen behauptet und verdrängt die anderen Fische. Zum anderen haben wir in den vergangenen fünf bis sechs Jahren über alle Maße mit Fischräubern zu kämpfen, ganz besonders mit dem Kormoran. Das ist nicht nur ein tschechisches Problem, sondern ein europäisches. Der Kormoran hat uns in manchen Flussläufen den Fischbestand komplett vernichtet.“

Doch unverändert locken die Angelgründe Fischer aus dem Ausland. Der Kontakt zu deutschen Anglern sowie zum deutschen Anglerverband sei gut, vor allem Wettkämpfe böten einen stetigen Anreiz. Im Übrigen: Die tschechischen Rathäuser bieten gesamtstaatliche, überregionale, regionale und lokale Erlaubnisscheine an.