Kormorane verlieren besonderen Schutz – tschechische Fischer dennoch verärgert

Foto: Slawek Staszczuk, CC BY-SA 3.0

Seit Montag steht der Kormoran in Tschechien nicht mehr auf der Liste der gefährdeten Arten. Dies soll laut den Vorstellungen des Umweltministers den Abschuss des Wasservogels erleichtern. Eigentlich müssten sich die Vertreter der Fischereiwirtschaft nun freuen, doch das Gegenteil ist der Fall.

Kormorane (Foto: ČTK)
Das heisere Krächzen des Vogels ist derzeit an vielen Gewässern in Tschechien zu hören, so zum Beispiel am Fluss Jihlava in Mähren. Jan Kopřiva ist Vorsitzender des Fischereiverbandes Mähren:

„Der Fluss hier ist völlig von den Kormoranen leer gefressen, die haben alles herausgefischt. Seit vier Jahren bereits überwintern hier mehrere Hundert Kormorane. Im vergangenen Jahr war es am Schlimmsten, da gingen hier rund 700 von ihnen auf Fischjagd.“

Kormoran (Foto: Slawek Staszczuk, CC BY-SA 3.0)
War der Kormoran in den 1980er Jahren auch auf dem Gebiet Tschechiens fast ausgestorben, gibt es mittlerweile wieder eine stabile Population von rund 400 Paaren. Doch dies ist nicht das Problem. Vielmehr überwintern rund 10.000 der Wasservögel hierzulande, dazu kommen im Frühjahr wie im Herbst riesige Schwärme der Kormorane. Nach Schätzungen des Umweltministeriums ziehen 700.000 dieser so genannten Wasserraben regelmäßig über Tschechien hinweg.

„Es ist weder logisch noch effektiv eine Tierart zu schützen, die nicht mehr wie in der Vergangenheit bedroht ist, sondern Überhand nimmt“, sagt Matyáš Vitík, Sprecher des Umweltministeriums.

Foto: ČTK
Deswegen hat das Ressort den Kormoran von der Liste der gefährdeten Arten gestrichen - mit Gültigkeit ab dem 1. April. Nun soll der Abschuss leichter werden, der Antrag nur noch eine Formsache sein. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn vor allem kommt dies den Staat billiger. In den vergangenen Jahren zahlte der Staat den Fischereibetrieben eine Entschädigung für ihre Verluste durch die gefräßigen Vögel. Zuletzt waren dies umgerechnet etwa 1,6 Millionen Euro im Jahr. Die Fischereiverbände sehen sich daher als die Geschädigten.

Michal Kratochvíl (Foto: Archiv des Verbandes für Fischereiwesen der Tschechischen Republik)
„Die Vermehrung des Kormorans wurde auch dadurch begünstigt, dass das Umweltministerium den Vogel unsinnig lang geschützt hat. Und das obwohl Fischer und Förster schon lange darauf hingewiesen haben, dass die Lage außer Kontrolle geraten könnte“, so Michal Kratochvíl, Leiter des tschechischen Dachverbandes für Fischereiwesen.

Ornithologen beobachten indes seit einiger Zeit, dass sich die Population der Kormorane nicht mehr vermehrt. Sie weisen außerdem darauf hin, dass die jetzige Lage zum großen Teil eine Folge der Begradigung von Gewässern ist.

Zdeněk Vermouzek (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Wenn die Gewässer im natürlichen Zustand wären, dann könnte eine Vogelart wie der Kormoran sie nicht leer fischen. Da aber viele Flüsse und Bäche kanalisiert oder sonst wie reguliert sind, haben die Fische keine Orte mehr, um sich zu verstecken. Dann findet der Kormoran einfach einen gedeckten Tisch“, sagt Zdeněk Vermouzek, Leiter der Tschechischen Ornithologischen Gesellschaft.

Die Gewässer zu renaturieren erfordert allerdings mehr als eine bloße Gesetzänderung – und auch viel Zeit.