Anschlag in Paris: Tschechien trauert um Opfer von „Charlie Hebdo“

Foto: ČTK

Zwölf Tote und zehn Verletzte forderte am Mittwoch der Terroranschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris. Während in Frankreich nach den Tätern gefahndet wird, trauern Menschen weltweit um die Opfer. Auch in Tschechien meldeten sich unmittelbar nach den Anschlägen Politiker und Religionsvertreter zu Wort. Dabei gab es auch Stimmen, die vor einer pauschalisierenden Verurteilung des Islam warnten.

Anschlag in Paris (Foto: ČTK)
Staatspräsident Zeman zeigte sich am Mittwoch bestürzt über das „blutige Verbrechen“ von Paris. In einem Beileidsschreiben an den französischen Präsidenten Francois Hollande bezeichnete der den Anschlag als Angriff auf die Pressefreiheit und die Grundwerte der europäischen Gesellschaft. Das tschechische Regierungskabinett tagte gerade, als die Nachricht von dem Terroranschlag um die Welt ging. Premier Bohuslav Sobotka trat im Anschluss vor die Presse:

„Im Namen der Regierung der Tschechischen Republik möchte ich unser tiefstes Bedauern über den terroristischen Anschlag in Paris zum Ausdruck bringen, der zwölf Menschenopfer gefordert hat. Diesen Anschlag möchte ich eindeutig als terroristischen Akt und als verabscheuungswürdigen Anschlag auf die Meinungsfreiheit verurteilen. Ohne Meinungsfreiheit kann eine demokratische Gesellschaft nicht funktionieren.“

Anschlag in Paris (Foto: ČTK)
Im Vordergrund stehe nun die Unterstützung Frankreichs auf europäischer Ebene:

„Zugleich möchte ich meine Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass im Kampf gegen den Terrorismus eine starke und intensive internationale Zusammenarbeit notwendig ist. In Europa stellen wir uns diesem Risiko gemeinsam. Es ist sehr wichtig, dass wir gemeinsam unsere Werte verteidigen, und dass wir uns nicht von solchen terroristischen Anschlägen einschüchtern lassen.“



Lubomír Zaorálek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Sicherheitsvorkehrungen in Tschechien werden laut Sobotka vorerst nicht verstärkt, Wachsamkeit sei aber dennoch geboten. Der Premier verwies in diesem Zusammenhang auf die zahlenmäßig sehr kleine muslimische Minderheit in Tschechien. Die Terrorgefahr sei hierzulande geringer als etwa in Frankreich oder Deutschland. Außenminister Lubomír Zaorálek wiederum lehnte es entschieden ab, Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Von einer religiös motivierten Tat sei nicht zu sprechen:

„Ich habe den Eindruck, dass die Religion als Vorwand für Radikalismus und Extremismus missbraucht wird. Diejenigen, die diese Taten begangen haben, sind für mich in erster Linie Verbrecher und Straftäter. Denn der Mord an Menschen lässt sich durch nichts rechtfertigen.“

Muneeb Alrawi (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Gleichlautend äußerte sich der Vorsitzende der muslimischen Gemeinden (ÚMO), Muneeb Alrawi. Er ließ in einer Stellungnahme verlauten, das Attentat habe nichts mit dem Islam gemeinsam und sei eine Schande. Einen Tag nach dem Terroranschlag wollen auch in Tschechien Menschen auf die Straße gehen, um ihre Solidarität zu zeigen. Unter dem Motto „Je suis Charlie“ wird am Donnerstagabend vor der französischen Botschaft in Prag eine Kundgebung stattfinden.