Tschechien zeigt Solidarität mit Frankreich

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Am Wochenende wurde in Paris der Opfer des Terroranschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gedacht. Gedenkveranstaltungen fanden aber auch in Tschechien statt. Innenminister Milan Chovanec sagte in diesem Zusammenhang, dass hierzulande nur wenig Gefahr von religiös motivierten Attacken bestehe. Trotzdem wollen sich Politiker und Behörden verstärkt um die Sicherheitslage kümmern.

Bohuslav Sobotka (Foto: ČTK)
Der tschechische Premier Bohuslav Sobotka und Außenminister Lubomír Zaorálek waren am Sonntag in Paris. Sie schlossen sich wie mehrere Hunderttausend weitere Menschen dem Trauermarsch für die Opfer des Terroranschlags an. Sobotka sagte danach zu Journalisten, er halte es für wichtig, Frankreich in dieser schweren Zeit zu unterstützen.

„Es war der richtige Moment, um der Menschen zu gedenken, die bei dem Terroranschlag in Paris ermordet wurden. Es war auch eine gute Gelegenheit, unsere Unterstützung und Solidarität der französischen Regierung, Frankreich und den französischen Bürgern im Kampf gegen den Terrorismus zu bekunden. Und es war eine sehr gute Gelegenheit, die Grundwerte zu unterstützen, auf denen die Europäische Gemeinschaft und die Demokratie stehen, vor allem die Freiheit des Wortes.“

Trauermarsch in Paris (Foto: ČTK)
Nach dem Trauermarsch zeigte sich der tschechische Premier beeindruckt von der Welle der Solidarität:

„Es kamen Vertreter aus fast allen EU-Mitgliedsstaaten, aber auch zum Beispiel aus den arabischen Ländern. Dies war meiner Meinung nach ein sehr deutliches Signal des Widerstands gegen den Terrorismus, gegen den Fanatismus, gegen die Gewalt.“

Auch in Prag zeigten mehrere Hundert Menschen am Samstag und Sonntag ihre Anteilnahme. Mit Kerzen und Plakaten mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ versammelten sie sich vor der französischen Botschaft. Einer der Teilnehmer sagte dem Tschechischen Rundfunk:

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„Wir haben hier Kerzen angezündet, weil ein Anschlag an jedem beliebigen Ort der Welt passieren kann. Wir wollten der Menschen gedenken, die unschuldig waren und nur ihre Meinung geäußert haben.“

In Folge der Ereignisse in Paris wird nun über die Sicherheitslage auch in Tschechien diskutiert. Laut Innenminister Milan Chovanec besteht hierzulande derzeit keine Gefahr von terroristischen Anschlägen. Dies sagte der Innenminister am Sonntag bei einer Fernsehtalkshow. Die Polizei verfüge derzeit über keinerlei Informationen darüber, dass hierzulande eine Terrorzelle aktiv sei, so Chovanec weiter. Er betonte, dass sich die Lage hierzulande von der in Frankreich unterscheide:

Milan Chovanec (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Das Maß an Radikalisierung und die Zahl einzelner, aktiver Radikaler sind in der Tschechischen Republik sehr gering. Das steht in keinem Verhältnis etwa zu Deutschland oder Frankreich. Andererseits beobachten wir alle eventuellen Erscheinungen. Die Regierung hat den Nachrichtendienst BIS beauftragt, sich auf dieses Thema zu konzentrieren.“

Es ließe sich aber nicht ausschließen, dass kleinere Gruppen vielleicht Anschläge verüben könnten, sagte Chovanec. Terrorakte wie in Frankreich könnten sich wiederholen, meint der Minister. Daher wurden die Sicherheitsvorkehrungen auch hierzulande verschärft:

Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„In der ersten Phase haben wir mit mehr Aufmerksamkeit verfolgt, welche Personen aus Frankreich per Flugzeug hier herreisen. Und wir schützen verstärkt Menschen und Institutionen in Tschechien, die in Gefahr stehen könnten.“

Für die Geheimdienste will der Minister nun mehr Geld. Er fordert eine Budgeterhöhung um 1,5 Milliarden Kronen (54 Millionen Euro). Zudem sprach sich Premier Sobotka am Sonntag für eine Stärkung und Modernisierung des Sicherheitsdienstes BIS aus.