Archäologen suchen nach sterblichen Überresten politischer Gefangener auf Friedhof in Prag-Ďáblice
Auf dem Friedhof im Prager Stadtteil Ďáblice suchen Archäologen derzeit nach sterblichen Überreste von drei tschechoslowakischen Widerstandskämpfern aus dem Zweiten Weltkrieg, die 1949 von den Kommunisten hingerichtet wurden.
Die Archäologen suchen nach den Gebeinen von drei Helden des Widerstandskampfes, Vilém Sok (1902–1949), Miloslav Jebavý (1911–1949) und Karel Sabela (1917–1949). Sie wurden alle drei in politischen Prozessen der Kommunisten zum Tode verurteilt und am 18. Juli 1949 hingerichtet. Die Toten wurden auf dem Friedhof im Prager Stadtteil Ďáblice jedoch nicht normal bestattet, sondern ähnlich wie viele andere politische Gefangene in einen der Abfallschächte geworfen. Nun sollen die sterblichen Überreste der drei Hingerichteten gefunden werden, damit ihre Familien sie bestatten können.
Der Archäologe Martin Čechura vom Prager Stadtmuseum leitet die Forschungen auf dem Friedhof. Er sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Ein Teil eines der Abfallschächte wurde inzwischen freigelegt. Zu sehen sind dort vier oder fünf Särge. Wir müssen jedoch noch eine tiefere Schicht untersuchen.“
Was die Archäologen dazu brachte, gerade an diesem Ort zu suchen? Jiří Línek ist Vorsitzender des Verbands ehemaliger politischer Gefangener. Er erklärt:
„Es gab Forschungen in den Jahren 1990 und 1991. Zudem gibt es Fotografien von 1968, als zum ersten Mal versucht wurde, hier nach den Gebeinen zu suchen. Die Kommunisten wollten keinesfalls ihre eigenen Verbrechen untersuchen, aber der Druck der Hinterbliebenen, mit den Untersuchungen anzufangen, war damals sehr groß.“
Wer waren Vilém Sok, Miloslav Jebavý und Karel Sabela? Kamil Nedvědický ist stellvertretender Leiter des Instituts für das Studium totalitärer Regime (ÚSTR). Er sagt:
„Sie waren bedeutende Persönlichkeiten, die sich während des Zweiten Weltkriegs am Kampf gegen die Nationalsozialisten beteiligten. Nach 1948 schlossen sie sich gemeinsam dem Widerstand gegen das kommunistische Regime an. Die Kommunisten richteten sie nach einem politischen Prozess als Feinde hin, um eine potenzielle Bedrohung loszuwerden.“
Sollten die sterblichen Überreste der drei ehemaligen Soldaten gefunden und die Identität durch DNA-Tests bestätigt werden, können sie von ihren Familien nach fast 80 Jahren bestattet werden. Dafür setzt sich unter anderem die Kommission für die Fragen der Massengräber vom Friedhof in Ďáblice ein. Jana Kotalíková leitet die Kommission.
„Im Fall von Karel Sabela sind wir mit seinem Sohn in Kontakt. Er war sehr jung, als sein Vater ermordet wurde. Er hofft schon sein ganzes Leben lang auf diesen Augenblick.“
Die Mitarbeiter des Instituts für das Studium totalitärer Regime schätzen, dass während des NS-Regimes und des kommunistischen Regimes die Leichen mehrerer Tausend Menschen in die Abfallschächte auf dem Friedhof geschmissen worden sind. Bisher ist es laut dem Institut gelungen, nähere Informationen über fast 120 dort begrabene Personen zusammenzutragen. Das Ziel ist es, alle Abfallschächte zu untersuchen und möglichst viele der Personen zu exhumieren.
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