Auf Jakub Jan Rybas Spuren in Rožmitál pod Třemšínem

Symbolischer Grabhügel von Jakub Jan Ryba (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)

Seine Böhmische Hirtenmesse ist hierzulande nicht von Weihnachten wegzudenken, nur wenige kennen auch andere seiner Kompositionen. Dabei hat Jakub Jan Ryba rund 1500 Werke komponiert, von denen jedoch nur ein Teil erhalten blieb. Das Jahr 2015 war in Tschechien ein Jakub-Jan-Ryba-Jahr. 1865 wurde er geboren und 1815 ist er gestorben. 2010 wurde im Regionalmuseum Rožmitál pod Třemšínem / Rosenthal eine Dauerausstellung zu Ehren des Komponisten eingerichtet. In dem Ort hat Ryba 27 Jahre lang gelebt und an der dortigen Schule unterrichtet. In den folgenden Minuten laden wir Sie in das Museum ein. Durch die Dauerausstellung führt Ivana Hoyerová. Die Musiklehrerin ist Geschäftsführerin der Jakub-Jan-Ryba-Gesellschaft und schrieb ein Buch über den Komponisten.

Ivana Hoyerová  (Foto: Martina Schneibergová)
Frau Hoyerová, die Dauerausstellung über Jakub Jan Ryba wurde vor fünf Jahren eröffnet. Wie ist sie entstanden?

„Die Ausstellung ist dank der Jakub-Jan-Ryba-Gesellschaft zustande gekommen, die sich an der Zusammenstellung beteiligt hat. Das Museum hat uns wunderbare Räumlichkeiten überlassen, die wir Ryba widmen konnten. Wir haben die Ausstellung in verschiedene Teile gegliedert und chronologisch konzipiert. Die Besucher gehen durch die Ausstellung und lernen dabei mehr über Rybas Leben: von seiner Geburt und seiner Kindheit, seinem Studium bis zu seiner Arbeit in Rožmitál und bis zu seinem Tod. Zum Abschluss findet man Informationen über die Nachkommen des Komponisten.“

Foto: Martina Schneibergová
Wir stehen vor Schautafeln, auf denen einige Orte abgebildet sind, wo Ryba längere Zeit verbracht hat…

„Es ist eine Art Inhaltsverzeichnis: In der Ausstellung wird jede der Stationen, jedes der Themen ausführlicher behandelt. Wenn wir durch die Ausstellung gehen, erfahren wir mehr über Rybas Geburtsort Přeštice, seinen Aufenthalt in Nepomuk in der Kindheit, sein Studium in Prag sowie seine spätere Arbeit in Nepomuk und in Mníšek. Der größte Teil der Ausstellung konzentriert sich auf seine Arbeit in Rožmitál und sein umfangreiches Werk.“

Unterschriften Rybas  (Foto: Martina Schneibergová)
Warum wird gleich zu Beginn auf die beiden Vornamen des Komponisten aufmerksam gemacht?

„Diese Bemerkung haben wir mit Absicht ganz an den Anfang gestellt. Denn es passiert immer wieder, dass die beiden Vornamen Rybas verdreht werden. Wir halten das für eine große Unsitte. Er selbst hat nie seine Vornamen verwechselt, dies beweisen seine Unterschriften. Als ersten Namen nutzte er Jakub und erst danach den Namen Jan. Sehr selten hat er sich mit allen drei Namen unterschrieben: Getauft wurde er nämlich auf Jakub Šimon Ryba.

Fiktives Bild Rybas von Gustav Pták  (Foto: Martina Schneibergová)
Weiß man, wie Jakub Jan Ryba ausgesehen hat? Denn das Porträt, das hier zu sehen ist, entstand viele Jahre nach seinem Tod.

„Wir wissen nicht, wie Ryba ausgesehen hat. Es ist unwahrscheinlich, dass er sich irgendwann porträtieren ließ. Es gibt ein fiktives Bild von ihm, das 80 Jahre nach seinem Tod entstanden ist. Gemalt hat es ein gewisser Gustav Pták, über den auch nichts bekannt ist. Seitdem ist man der Auffassung, dass Ryba einen Vollbart trug und ein wenig wie Bedřich Smetana aussah. Das ist jedoch völliger Unsinn. Zu Rybas Zeiten herrschte die Mode, sich glatt zu rasieren. Dass Ryba einen Bart hatte, ist ausgeschlossen. Wir sind sehr gegen diese Abbildung des Komponisten und bemühen uns, seine Persönlichkeit anhand von anderen Dingen darzustellen. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtiger ist, was Ryba hinterlassen hat als wie er ausgesehen hat. Es ist jedoch bekannt, wie sein Sohn aussah. Es ist natürlich möglich, dass er seinem Vater ähnlich war. Hier ist ein Bild zu sehen vom ältesten Sohn des Komponisten, Professor Josef Arnošt Ryba. Er war Augenarzt und Dekan der medizinischen Fakultät in Prag.“

Wolfgang Amadeus Mozart  (Foto: Martina Schneibergová)
Im ersten Ausstellungssaal wird die Zeitepoche näher gebracht, in der Ryba lebte. Wer waren seine Zeitgenossen?

„Es wird hier an Ereignisse erinnert, deren Zeuge Ryba hätte sein können oder aber die er wirklich erlebt hat. Die Musik seiner Zeit stand im Zeichen von Wolfgang Amadeus Mozart.“

Wie waren Rybas Anfänge als Musiker? Gehen sie bis auf seinen Geburtsort zurück?



“Musik begleitete Ryba in seinem Geburtsort auf Schritt und Tritt.“

„Ryba wurde am 26. Oktober 1765 im westböhmischen Přeštice geboren. Er lebte dort mit seiner Familie bis zu seinem 5. Lebensjahr. Bereits in seiner frühen Kindheit bewegte er sich in einer Umwelt, die große musikalische Anregung bot. Sein Vater war Musiklehrer und hatte mehrere Klaviere zu Hause. Ryba erinnerte sich später in seiner Autobiographie daran, dass er einmal erfolglos versuchte, eines der Klaviere mit seinen kleinen Händen zu stimmen. Dann gefiel ihm die Geige besser. Er schrieb in seinen Erinnerungen, dass er sich als kleiner Junge von seiner Geige gar nicht trennen konnte. Als er schlafen ging, nahm er das Instrument mit ins Bett. Ryba sah die Wurzeln seines musikalischen Weges in der frühen Kindheit in Přeštice. An die Stadt erinnerte er sich sehr gern - im Unterschied zu Nepomuk, wo er die Schule besuchte. In Přeštice hatte Ryba zudem seinen geliebten Opa Kárník. Er war Lehrer und ein guter Musiker. Musik begleitete den Jungen auf Schritt und Tritt.“

Nepomuk  (Foto: Matěj Baťha,  CC BY-SA 3.0)
War Ryba ein guter Schüler? Wie waren seine ersten Erfahrungen mit der Schule?

„Mit der Schule in Nepomuk machte er schlechte Erfahrungen. In seinen Erinnerungen schildert Ryba sie als altes hässliches Gebäude, in dem am Tag Kinder unterrichtet und in der Nacht Gänse gehalten wurden. Die äußeren Bedingungen waren jedoch nicht das Allerschlimmste. Viel schlimmer war der Lehrer, der Ryba schikanierte. Möglicherweise wollte sich der Lehrer auf diese Weise an Rybas Vater rächen, der auch Lehrer war. Das ist allerdings nur eine Vermutung. Vermutlich gefiel Ryba dem Lehrer aus irgendeinem Grund nicht. Dieser hatte ihn oft geschlagen und erniedrigt.“

“Schweren Herzens folgte er den Wünschen seiner Eltern und wurde Lehrer.“

Wo studierte Jakub Jan Ryba? Was war der Grund dafür, dass er nach Prag ging?

„Ryba besuchte das Piaristengymnasium in Prag. 1780 kam er nach Prag – auf Einladung seines Onkels. Ein Jahr darauf wurde er in das Gymnasium aufgenommen. Prag stellte für Ryba die große Welt dar, denn zuvor hatte er nur auf dem Land gelebt. In Prag gab es viele Möglichkeiten, Kunst und Musik zu erleben. Ryba ging oft ins Theater, besuchte die Prager Kirchen und fing an, fast fieberhaft Musik zu schreiben. Er war in der Lage, über Nacht ein Werk zu schreiben, am Vormittag hat er mit anderen Musikern geprobt und schon am Abend wurde das Opus aufgeführt. Wir wissen, dass Ryba ein sehr gefragter Musiker war. Wegen seinem Professor lernte er Violoncello spielen, um in einem Quartett spielen zu können. Zudem war Ryba ein hervorragender Organist. Er spielte Orgel sogar in der Salvatorkirche im Klementinum. Sein Talent konnte sich in Prag vielfältig entwickeln. Leider dauerte sein Studium nicht lange, er verbrachte bei den Piaristen nur fünf Semester. Die Eltern riefen ihn nach Hause zurück, er sollte sich um eine Lehrerstelle bewerben. Ryba überlegte damals sehr stark, ob er das Studium abbrechen sollte, eigentlich wollte er gar kein Lehrer werden. Später schrieb er, dass er schweren Herzens den Wünschen seiner Eltern folgte. Ryba war gezwungen, nach Hause zurückzukehren. Das Studium beendete er nicht. Stattdessen machte er nur einen Lehrerkurs und ging nach Nepomuk, um dort zu unterrichten.“

Mníšek pod Brdy  (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
Ryba war zuerst Lehrer in Nepomuk und danach in Mníšek pod Brdy. Wie hat er sich mit dem Beruf abgefunden?

„Eine große Tragödie in Rybas Leben war seine Rückkehr aus dem geliebten Prag nach Nepomuk, wo ihm eine Lehrerstelle versprochen wurde. Diese Stelle bekam er dann nicht. Für Ryba war es wie ein Schlag. Er dachte damals daran, ins Ausland zu gehen, konkret nach Bayern. Schließlich bot ihm sein Onkel Jakoubek die Stelle als Hilfslehrer im mittelböhmischen Mníšek pod Brdy an. Ryba hatte nicht viel Lust, dorthin zu gehen. Zu der Zeit starb seine Mutter, und er brach psychisch zusammen. Als er gesund wurde, nahm er die Stelle in Mníšek an. An seinem Arbeitsplatz hat er sich dann bewährt. Aus der Stadt war es nicht weit nach Prag, so konnte er oft wegen Musik dorthin reisen. In Mníšek ging es ihm gut, er komponierte und unterrichtete. 1788 wurde ihm eine Stelle in Rožmitál pod Třemšínem angeboten.“

„In Rožmitál geriet er in Konflikte mit den Eltern der Schüler, mit der Obrigkeit, mit dem Pfarrer wie auch mit dem Verwalter des Herrenguts.“

Jakub Jan Ryba hat 27 Jahre in Rožmitál pod Třemšínem als Lehrer gearbeitet. Er war jedoch nicht nur Lehrer, sondern auch Regens Chori, Komponist und Dichter.

„Ryba kam als Ersatzmann für den dortigen erkrankten Lehrer nach Rožmitál. Dort bewährte er sich, so dass die Behörden entschieden, Ryba weiter zu beschäftigen. Er wurde Lehrer in Rožmitál, mit der Verpflichtung seinem Amtsvorgänger eine lebenslange Rente zu zahlen. Die hiesige Schule befand sich damals in keinem guten Zustand. Das Gebäude war verkommen und der Unterricht wurde vernachlässigt. Rybas Vorgänger war ein guter Musiker, aber kein sorgfältiger Lehrer. Ryba gelang es, die Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken – bald hatte sich die Zahl der Kinder verdoppelt. Unter Rybas Leitung blühte die Schule auf. Er wurde von den Behörden gelobt und erhielt mehrere Auszeichnungen. Die Bewohner der Stadt hielten die Schule jedoch für überflüssig. Somit geriet Ryba in Konflikt mit den Eltern der Schüler, die verlauten ließen, dass er als Lehrer nichts wert sei. Sie hatten kein Verständnis für Rybas Bemühungen um die Bildung der Bevölkerung. Der Schulbesuch war damals schon obligatorisch, aber auf dem Lande gab es Ausnahmen – die Schüler durften beispielsweise während der Ernte fehlen, wenn sie zu Hause gebraucht wurden. Ryba war ein prinzipientreuer Mensch, er kannte sich mit den Vorschriften aus und verlangte, dass sie eingehalten wurden. Darum gab es Konflikte mit den Eltern der Schüler, mit der Obrigkeit, mit dem Pfarrer wie auch mit dem Verwalter des Herrenguts. Andererseits hatte er auch Anhänger und Freunde, die sich für ihn eingesetzt haben. Für seine Verdienste um die Bildung erhielt er beispielsweise eine Bibel, die in der Ausstellung zu sehen ist. Es handelt sich um eine deutsche Bibel von 1781, die Ryba 1795 bekam.“

Foto: Martina Schneibergová
Jakub Jan Ryba hat damals nicht nur die Hauptfächer sondern vor allem auch Musik unterrichtet. Hatte er auch besonders begabte Schüler?

„Wir wissen, dass Ryba neben den regulären Fächern am Nachmittag Musik unterrichtete. Er suchte sich talentierte Schüler aus, die er in einem erhalten gebliebenen Liederbuch als ‚seine Musik-Lehrlinge‘ bezeichnet. Neben dem Namen notierte er zudem, was für ein Musikinstrument sie spielten. Einige davon beherrschten sogar vier Musikinstrumente. Sie waren so gute Spieler, dass sie mit Ryba in der Kirche im Orchester spielten und im Chor sangen.“

Foto: Martina Schneibergová
Ryba selbst war ein Multitalent. Welche Musikinstrumente spielte er?

„Er fing mit der Geige an, die er sehr liebte. Später entdeckte er die Pracht der Orgel. Als Organist hatte er eine innige Beziehung zu diesem wirklich königlichen Musikinstrument. Ryba konnte Klavier oder damals Klavichord spielen und beherrschte zudem alle Streichinstrumente. Er lehrte auch Klarinette, Flöte und Waldhorn. Das heißt, er konnte auch die Blasinstrumente spielen, die er in seinen Kompositionen einsetzte.“

“Außer Tschechisch beherrschte Ryba mindestens vier Sprachen.“

Jakub Jan Ryba war nicht nur ein hochbegabter Musiker, sondern auch ein Sprachtalent. Stimmt es, dass er vier oder fünf Sprachen beherrschte?

„Ja. Wir wissen, dass Ryba außer Tschechisch mindestens vier Sprachen beherrschte: Deutsch, Französisch, Italienisch und Latein. Deutsch nutzte er als Amtssprache. Latein lernte er auf dem Gymnasium. Der Unterricht verlief teilweise auf Deutsch, die offiziellen Dokumente wurden auch in Deutsch verfasst. Zu sehen sind hier in der Ausstellung die von Ryba geführten Schultagebücher. Beides sind dicke Wälzer. Der erste Teil stammt von 1788. Damals kam er nach Rožmitál. Der zweite Teil umfasst die Zeit von 1797 bis zu Rybas Tod. In den Schultagebüchern beschrieb er sehr sorgfältig und ausführlich das Geschehen an der Schule in Rožmitál.“

Schultagebücher  (Foto: Martina Schneibergová)
Musste man damals Schultagebücher führen? War das obligatorisch?

„Ja, es war obligatorisch. Aber wie man sie führte, das hing von dem Lehrer ab. Ryba war ein sehr pedantischer Mensch, seine Eintragungen sind sehr ausführlich – vor allem im ersten Teil. Im zweiten Teil ist schon zu erkennen, dass er Probleme hatte. Die Notizen werden knapper und kürzer.“

Neben den Schultagebüchern sind hier auch ein Schwarzbuch und ein Goldenes Buch ausgestellt. Was verbirgt sich dahinter?

„Ins Schwarzbuch wurden die Verstöße von Schülern gegen die Ordnung notiert. Damals war an den Schulen die Prügelstrafe verbreitet. Ryba war jedoch kein Anhänger dieser körperlicher Züchtigung und dachte sich eine ganze Skala von anderen Strafen aus: von einer schwarzen Note bis zur Eintragung in das Schwarzbuch. Im sogenannten goldenen Buch wurden wiederum gute Taten der Schüler notiert. Es galt zwar als selbstverständlich, dass sich die Schüler anständig benehmen und gute Taten leisten sollten. Ryba war aber davon überzeugt, dass gute Taten belohnt und geschätzt werden sollten. Aus dem Grund entstand das goldene Buch. Die beiden Bücher wurden in tschechischer Sprache geführt.“

“Seine Kompositionen waren so gut, dass sie manchmal anderen Komponisten zugeschrieben wurden.“

Wie war es mit Rybas Werk? Was davon hat er selbst aufgeführt, was ist erhalten geblieben und was verloren gegangen?

„Ryba schrieb seine Sakralwerke nicht für die Schublade, sondern für den praktischen Gebrauch. Einige wurden hier in Rožmitál aufgeführt, andere waren für den Wallfahrtsort Svatá Hora oder auch für Pilsen oder Prag bestimmt. Wir wissen, dass seine Werke zu seinen Lebzeiten in Böhmen zirkulierten. Rybas Kompositionen waren gefragt und hatten Erfolg. Es ist bekannt, dass eine seiner Messen erfolgreich in Liberec aufgeführt wurde – unter dem Namen von Joseph Haydn. Denn seine Kompositionen waren so gut, dass sie manchmal einem anderen Komponisten zugeschrieben wurden. Von seinem umfangreichen Werk ist jedoch nur etwa ein Drittel erhalten geblieben. Der Großteil von Rybas Nachlass wird im Museum für tschechische Musik in Prag aufbewahrt. Dort befinden sich die meisten der erhaltenen Handschriften.“

Foto: Martina Schneibergová
Jakub Jan Ryba schrieb nicht nur Sakralwerke, sondern gilt als der erste Komponist, der ein tschechisches Kunstlied schrieb. Was waren das für Lieder?

„In der Zeit einer starken Germanisierung war sich Ryba bewusst, dass das tschechische Lied kaum präsent ist. Darum vertonte er die Texte tschechischer Dichter oder komponierte Lieder zu eigenen Texten. Seine Zwölf böhmischen Lieder erschienen 1800. Es handelt sich wahrscheinlich um die ersten tschechischen Lieder, die herausgeben wurden. Neben Liedern schuf er jedoch auch größere Werke: zahlreiche Quartette, hervorragende Violinkonzerte sowie ein glänzendes Konzert für Violoncello. Die Partituren sind erhalten geblieben. Ryba bewies sich damit selbst, dass er auch anspruchsvolle Profanwerke schreiben konnte.“

Kinderlieder  (Foto: Martina Schneibergová)
Er hat aber auch zahlreiche Kinderlieder geschrieben, die einen erzieherischen Effekt haben sollten. Was war der Hintergrund?

„Ryba machte die Erfahrung, dass die Kinder während des Unterrichts müde werden. Er hielt es für notwendig, den Kindern auch Raum für Entspannung zu bieten. Er war davon überzeugt, dass die beste Entspannung beim Gesang möglich ist. Darum schrieb er Kinderlieder mit einfachen Melodien und Texten, die die Schüler wieder anspornen sollten. Die Texte enthielten moralische Regeln, die sich die Schüler durch das Wiederholen aneignen sollten. Zugleich haben sie sich ausgeruht.“

„Ryba wird unterschätzt. Es ist wirklich zu wenig, von einem solch beachtenswerten Werk nur eine einzige Komposition zu kennen.“

Kann man sagen, dass Jakub Jan Ryba ein Komponist ist, der in Vergessenheit geraten ist und nicht entsprechend geschätzt wird? Bis auf eine einzige Ausnahme – die Böhmische Hirtenmesse – ist keines seiner Werke im Ausland bekannt.

„Seine Messen in lateinischer Sprache sind kaum bekannt, weil keine Partituren herausgegeben wurden. Dafür ist aber die Böhmische Hirtenmesse im Ausland sehr bekannt und beliebt. Davon abgesehen ist Ryba als Komponist tatsächlich unterschätzt. Es ist wirklich zu wenig, von einem solch umfangreichen und beachtenswerten Werk nur eine einzige Komposition zu kennen. Hoffentlich hat dieses Jubiläumsjahr – 250 Jahre seit Rybas Geburt und 200 Jahre seit seinem Tod – dazu beigetragen, dass wir ihn besser kennenlernen konnten, vor allem durch seine Werke.“

Welche Veranstaltung des Jubiläumsjahres schätzen sie am höchsten ein? Was konnte die Jakub-Jan-Ryba-Gesellschaft erreichen?

„Uns freut jedes Werk von Ryba, das erklingt, denn seine Musik ist wunderschön und wir bemühen uns darum, sie bekannter zu machen. Am meisten hat uns wohl die Aufführung von Rybas Messen gefreut. Wir konnten direkt hier in der Stadt seine Symphonien und Violinkonzerte hören. Das Konzert für Violoncello wurde aufgezeichnet. Und nicht zuletzt haben wir einen Bildband über Jakub Jan Ryba herausgegeben, der ihn der Öffentlichkeit näher bringen kann.“



Kirche der Erhöhung des Heiligen Kreuzes in Starý Rožmitál  (Foto: Martina Schneibergová)
Jakub Jan Ryba starb am 8. April 1815, er hat sich das Leben genommen. Wie Ivana Hoyerová in ihrem Buch vermutet, war der Selbstmord wahrscheinlich keine Verzweiflungstat aus dem Affekt, sondern kühl und rational vorbereitet. Wörtlich heißt es, Zitat: „Seine Todessehnsucht wurde gesteigert durch Probleme, Konflikte, das Studium von Senecas Philosophie sowie seinen schlechten Gesundheitszustand und viele andere Faktoren, die nach 200 Jahren nicht mehr zu erfassen ist.“ Für eine Wanderung auf den Spuren von Jakub Jan Ryba empfiehlt Ivana Hoyerová vor allem den Besuch der Kirche der Erhöhung des Heiligen Kreuzes in Starý Rožmitál. Dort ist die Orgel erhalten geblieben, auf der Ryba gespielt hat. Auf dem Friedhof neben der Kirche ist der Komponist bestattet. Unweit der Gemeinde Voltuš am Ort, wo Ryba starb, wurde ein symbolischer Grabhügel errichtet. Eine Gedenktafel in der Stadt erinnert an den früheren Standort der Schule, in der Ryba 27 Jahre lang als Lehrer arbeitete.

Hubert Hoyer  (Foto: Martina Schneibergová)

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