Aus Čechohrad nach Tschechien: Erste Aussiedler aus der Ukraine eingetroffen

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Nach einer Reise mit Hindernissen sind sie in Tschechien angekommen: 46 Ukrainer tschechischer Abstammung, die hier fern von Krieg und wirtschaftlicher Not ein neues Leben beginnen möchten. Das Außenministerium sorgt nun in nächster Zeit dafür, dass sich die Familien erholen und dann langsam Wurzeln schlagen. Insgesamt könnten in diesem Jahr bis zu 350 Menschen aus der Ukraine nach Tschechien übersiedeln.

Aussiedler aus der Ukraine  (Foto: ČTK)
Sie seien froh, endlich hierzu sein und dass Tschechien sie aufnehme, sagte ein Dame in gut verständlichem Tschechisch gleich nach der Ankunft. Mit vierstündiger Verspätung erreichte der Bus aus der Ukraine am Dienstagabend die tschechische Hauptstadt. Da hatten die Neuankömmlinge 2000 Kilometer und fast zwei Tage Busfahrt hinter sich gebracht. Empfangen wurden sie am Prager Busbahnhof Florenc von Tomáš Haišman. Er ist beim Innenministerium zuständig für Migrationsangelegenheiten. Durch eine Panne dauerte die Reise aus der Ostukraine länger als geplant.

Erholungshotel in Červená nad Vltavou  (Foto: ČTK)
„Das Problem war ein Linienbus zwischen Čechohrad und Kiew. Das war die erste schlechte Nachricht auf dieser Reise. Als nächstes kamen sie zu spät in Kiew an, und zuletzt wurden sie auch dort noch ziemlich lange aufgehalten.“

Nach den Strapazen wollten sich die Immigranten, unter ihnen auch viele kleine Kinder, erst einmal gründlich ausschlafen. Und zwar in ihrem neuen Domizil in Červená nad Vltavou südlich von Prag. Das Erholungshotel hat das Außenministerium für ein halbes Jahr lang angemietet. In dieser Zeit sollen sich die Neubürger orientieren und langsam heimisch werden, sagt Tomáš Haišman.

Novhorodkivka  (Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Wir würden uns natürlich freuen, wenn sich die Menschen so schnell wie möglich dauerhaft an einem Ort niederlassen und eine geregelte Arbeit aufnehmen. Doch wir gehen davon aus, dass sie zunächst einmal Tschechisch-Kurse absolvieren sowie weitere Schulungen, die ihnen dabei helfen, den Alltag hierzulande zu bewältigen und mit der Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes aus der Ukraine nach Tschechien zurechtzukommen.“

Die Heimat, die sie zurückgelassen haben, liegt im Osten der Ukraine. Auf Einladung des Zaren hatten sich dort 1863 tschechische Siedler niedergelassen und Čechohrad gegründet. Inzwischen trägt die Gemeinde längst den ukrainischen Namen Novhorodkivka. Vor allem aber liegt der Ort in unmittelbarer Nähe zum umkämpften Donbass. Doch auch in anderen Regionen der Ukraine werden bald weitere 140 Menschen ihre Koffer packen und ins Land der Vorfahren zurückkehren. Und damit nicht genug:

Erste Aussiedler aus der Ukraine sind in Tschechien angekommen  (Foto: ČTK)
„Vor uns liegt nun die Aufgabe von weiteren zweiwöchigen konsularischen Verhandlungen, die wir Mitte April in der Zentral- wie auch in der Westukraine führen werden. Darauf könnte dann die Umsiedlung von weiteren tschechisch-stämmigen Menschen nach Tschechien folgen. Insgesamt rechnen wir damit, mit unserem Programm in diesem Jahr etwa 300 bis 350 Menschen zu integrieren.“

Für das Rückkehrerprogramm hat die tschechische Regierung im Januar umgerechnet 2,4 Millionen Euro bereitgestellt. Die Neuankömmlinge erhalten eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung sowie ein Begrüßungsgeld in Höhe von 700 bis 1.800 Euro. Lediglich das Wahlrecht in Tschechien bleibt ihnen vorenthalten. Aufnahmeberechtigt sind im übrigen Auslandstschechen auf der ganzen Welt. Voraussetzung ist die Notsituation der Bewerber. Dass sie in der Ukraine gegeben ist, steht außer Frage. Schätzungen zufolge leben dort etwa 10.000 Menschen tschechischer Abstammung.