Aus Zeit- und Geldmangel: Eher wenige tschechische Firmen präsentieren sich in sozialen Netzwerken
Neue Kunden finden Firmen heutzutage vor allem über das Internet. Ein Profil in den sozialen Netzwerken anzulegen, kostet nichts. Trotzdem nutzt nur gut die Hälfte der Unternehmen in Tschechien diese Möglichkeit.
56 Prozent aller Firmen in Tschechien haben ein Profil in den sozialen Netzwerken. Das ist deutlich weniger als der EU-Durchschnitt. Denn dieser liegt laut Eurostat bei 64 Prozent. Am aktivsten sind demnach die Firmen auf Malta, und das wenigste Vertrauen in die Netzwerke haben die Unternehmer in Bulgarien, Kroatien und Ungarn.
Große Betriebe mit mehr als 250 Angestellten setzen in Tschechien wesentlich häufiger auf diese Form der Werbung, nämlich 90 Prozent. Kleine Firmen hingegen vertrauen oft noch auf die eigene Website. Nur 52 Prozent von ihnen sind in den sozialen Netzwerken vertreten. Dies sei ein Problem, findet Tomáš Čupr von PPC Profits, einer Agentur für Onlinemarketing. Denn den Firmen entgehe dadurch die Kundschaft:
„Immer jüngere Generationen nutzen etwa TikTok als Suchmaschine. Ein weiterer Aspekt ist, dass Facebook und andere soziale Netzwerke vielen Menschen als Inspiration dienen für Einkäufe, Hotelbuchungen oder für Orte, wo man essen gehen kann.“
Wichtig in Tourismus und Gastronomie
Besonders in der Tourismus- und Gastronomiebranche Tschechiens scheinen soziale Netzwerke wichtig zu sein. Dabei sind aber nicht alle Plattformen gleich nützlich. Die Unternehmen sollten sich gut überlegen, wo sie sich präsentieren, sagt Lucie Dosedělová von der Assoziation für strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsbeziehungen (Ascopa):
„Die größte Reichweite hat in Tschechien immer noch Facebook, und das vor allem für regionale Dienstleistungen. Instagram eignet sich heute schon für mehr als nur visuelle Angebote. LinkedIn wiederum ist wichtig für Firmen, die sich an ein anspruchsvolleres Publikum richten. Und am schnellsten wächst TikTok, wo auch ein kleines Unternehmen ohne große Kosten eine Menge Leute ansprechen kann.“
Eine Rolle spielt zudem Reklame. Damit sich diese in den sozialen Netzwerken auch lohnt, sollten die Firmen in Tschechien dafür monatlich 6000 bis 8000 Kronen (rund 250 bis 330 Euro) investieren, so der allgemeine Ratschlag der Experten.
Keine Kapazitäten
Geld ist aber offenbar einer der beiden Gründe, warum es vergleichsweise wenige professionelle Profile hierzulande gibt. Der andere Grund sei die Zeit, erläutert Josef Jaroš. Er ist der Vorstandsvorsitzende der tschechischen Vereinigung kleiner und mittlerer Unternehmen und Gewerbetreibender (AMSP ČR):
„Die Firmen wenden alle ihre Kapazitäten für Aufträge und die eigentliche Arbeit auf. Es bleibt keine Zeit für eine systematische und intensive Aktivität in den sozialen Netzwerken. Das bisschen Zeit, was sie vielleicht übrig haben, müssen sie dann in die Unternehmensbürokratie stecken, die in den letzten Jahren wirklich immer weiter anquillt.“
Es sind hierzulande vor allem die Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern, die nicht in den sozialen Netzwerken vertreten sind. Den Daten des tschechischen Statistikamtes (ČSÚ) zufolge hinkt da hauptsächlich die Baubranche hinterher. Aber auch stark spezialisierte Anbieter sehen oft keinen Sinn darin, ihre Kundschaft auf solchen Plattformen zu suchen. So etwa Jaroslav Houdek, der chirurgische Instrumente für das Gesundheitswesen herstellt:
„Wie viele Nutzer der sozialen Netzwerke sind für uns schon potentielle Kunden? Ich glaube, kaum jemand sucht auf diese Weise unser Angebot. Was das kosten und was es einbringen würde – das zahlt sich für mich nicht aus.“
Die neusten Techniktrends geben Houdek anscheinend Recht. Marketingexperten zufolge kann die Künstliche Intelligenz nämlich bei Suchanfragen bisher noch nicht gut mit den Informationen in den sozialen Netzwerken umgehen und greift darum vor allem auf konventionelle Websites zurück.







